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WOCHENAUSBLICK/Unruhe im Dax hält an Zoll- und Zinsangst versus Schnäppchenjagd

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
12.03.2018, 05:50  |  595   |   |   

FRANKFURT (dpa-AFX) - Angst vor einem Handelskonflikt mit den USA sowie Zinssorgen auf der einen Seite, attraktive Dividendenrenditen und eine weiterhin brummende Wirtschaft auf der anderen Seite - dieser wilde Mix dürfte den Dax in unruhigem Fahrwasser halten. "Als wäre der starke Euro nicht schon Strafe genug, drohen nun noch Schutzzölle die preisliche Attraktivität deutscher Produkte spürbar zu schmälern", erklärte Analyst Markus Reinwand von der Landesbank Helaba. "Es wird unruhiger an den Märkten."

Zuletzt hatte die Furcht vor einem raschen Ende der Billiggeldschwemme der Notenbanken sowie vor der protektionistischen US-Handelspolitik zwar etwas nachgelassen, der Dax notierte trotz der Erholung mit aktuell etwa 12 300 Punkten aber immer noch rund 9,5 Prozent unter seinem Rekordhoch vom Januar. Nun müsse wieder mit Ermüdungserscheinungen gerechnet werden, sagte Franz-Georg Wenner von Börsenstatistik-Magazin Index-Radar.

Vor dem Hintergrund der Zinssorgen blicken die Anleger in der neuen Woche genau auf die Entwicklung der Verbraucherpreise in den USA und Europa. Eine überraschend starke Teuerung könnte den Befürchtungen der Investoren neue Nahrung geben. So können höhere Leitzinsen Anlagealternativen zu Aktien wie Anleihen attraktiver machen. Zudem verteuert sich die Finanzierung für Unternehmen, was deren Gewinne und damit auch die Kurse belasten kann.

Noch sprechen Experten mit Blick auf den Dax aber lediglich von einem Rückschlag innerhalb des schon seit Jahren intakten Aufwärtstrends. Dieser würde erst bei Kursen unter 11 800 Zählern wanken, sagte Analyst Martin Utschneider von der Privatbank Donner & Reuschel.

Auf dem Niveau von 11 800 bis 12 000 Punkten dürfte der Dax laut dem Marktstrategen Andreas Hürkamp von der Commerzbank in den kommenden Wochen denn auch einen Boden ausbilden. Den Ängsten in puncto Handelskonflikte wegen der US-Strafzölle und möglicher Gegenmaßnahmen der EU steht dem Experten zufolge unter anderem die wieder attraktivere Bewertung des Dax nach den jüngsten Kursverlusten gegenüber. Zudem liege die Dividendenrendite des Index mittlerweile wieder deutlich über 3 Prozent. Dies sowie das weiter reichlich zur Verfügung stehende Geld rund um den Globus sollten als ein Sicherheitsnetz fungieren.

Auf der Unternehmensseite gibt in der neuen Woche die Berichtssaison weiter den Takt an. So öffnen die Versorger RWE , Eon und Innogy ihre Bücher. Vor dem Hintergrund überraschender Entwicklungen vom Wochenende dürften die Präsentationen allerdings etwas in den Hintergrund treten.

Die beiden größten deutschen Energieversorger wollen sich komplett neu aufstellen: Eon will dazu in einem ersten Schritt die RWE-Tochter Innogy kaufen. Danach wird das gerade mal zwei Jahre alte Ökostromunternehmen zerschlagen: RWE wird das Geschäft mit erneuerbaren Energie bekommen und zudem Eons Aktivitäten in dem Bereich übernehmen. Eon will sich künftig vor allem auf Energienetze konzentrieren.

Geschäftszahlen gibt es neben Adidas auch von der Lufthansa , die bereits vor dem Wochenende mit Aussagen zu jüngsten Preisentwicklung enttäuschte. Daneben berichten etwa der Duftstoff- und Aromenhersteller Symrise , der Chemiekonzern Lanxess sowie der Düngerproduzent K+S über die Entwicklung im vergangenen Jahr.

Läuft alles nach Plan, wird der Industriekonzern Siemens seine Medizintechniktochter Healthineers am Ende der Woche an die Börse bringen. Bis zum Donnerstag läuft das Verkaufsangebot, am Freitag soll dann der erste Handelstag sein.

Die Deutsche Bank hat unterdessen am Sonntagabend die Preisspanne für ihre Vermögensverwaltung DWS bekanntgegeben. Die Aktie der DWS wird bei ihrem Börsengang für 30 bis 36 Euro angeboten.

Beim Anlagenbauer Gea stehen zum Wochenstart die Mittelfristziele im Fokus. Analyst Jack O'Brien von der US-Investmentbank Goldman Sachs rechnet damit, dass der MDax -Konzern zurückrudern wird. Im Grundsatz dürfte das aber am Markt auch so erwartet werden.

Mit Blick auf die Konjunkturagenda interessieren neben den Verbraucherpreisen in der neuen Woche vor allem die Industrieproduktion der Eurozone und der USA. Jenseits des Atlantik steht mit dem Empire State Index, der die Geschäftstätigkeit der Industrie im Bundesstaat New York misst, zudem ein wichtiger Indikator der Wirtschaftsentwicklung der USA zu Veröffentlichung an./mis/das/she/he/stk

--- Von Michael Schilling, dpa-AFX ---

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