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Wahl Keine Angst vor Italien

Gastautor: Uwe Zimmer
12.03.2018, 08:57  |  489   |   |   

Italien hat gewählt und ist erwartungsgemäß nach rechts gerutscht. Rechts und europakritisch wird sich die neue Regierung präsentieren. Müssen Europäer und Anleger nun Angst davor haben? Nein, aus drei guten Gründen nicht.

Zum ersten ist das italienische politische Establishment gut gefahren mit Europa – und es wird auch in der neuen Regierung stark vertreten sein. Wozu also Stress und Streit riskieren, die schlecht für die Geschäfte wären? Zumal ein nationalistischer Schwenk á la „America first“ bei einer so stark international vernetzten Wirtschaft wie der italienischen kaum durchzusetzen wäre. Für Anleger bedeutet das: Sollte es zu einer ganz unerwarteten Zusammensetzung der neuen Regierung kommen, könnten die Märkte noch einmal heftiger reagieren. Bleibt alles so, wie es das Ergebnis erwarten lässt, werden die Investoren ruhig bleiben können. So wie bislang auch, denn auch im Vorfeld der Wahl hat sich die Italienische Börse kaum anders bewegt als der DAX.

Der zweite gute Grund gegen die Angst ist, dass der diskutierte schlimmste Fall ein Austritt Italiens aus der Eurozone oder der EU wäre. Das würde die Märkte gewaltig schütteln, Europa würde eine Phase der Instabilität durchmachen. Aber dann? Es wäre vielleicht nicht das Schlechteste, wenn ein schwaches Land wie Italien aus der Eurozone ginge. Ein Land, das zur Bewältigung seiner immensen Staatsverschuldung auf dauerhaft niedrige Zinsen angewiesen ist. Und das auch noch auf viele Jahre sein wird. Möglicherweise würde also ein Ausstieg Italiens zumindest die Währungsunion langfristig sogar eher stabilisieren.

Es mag am italienischen Selbstbewusstsein rühren, aber für die anderen Mitglieder wäre ein Ausstieg Italiens vielleicht der perfekte Einstieg in eine kleinere, stabilere Währungsunion, in eine EU der zwei Geschwindigkeiten. Auch das wäre langfristig ein Grund, keine Angst vor Italien zu haben.

Drittens sind da die italienischen Unternehmen. So erratisch manchmal das politische System wirkt, so solide wirtschaften viele Firmen. Der Mittelstand ist sehr stark in Italien, es finden sich wie in Deutschland viele „hidden champions“, Weltmarktführer in ihren Bereichen. Sie sind das Rückgrat der italienischen Wirtschaft, sie verdienen gutes Geld. Übrigens vor allem im Austausch innerhalb Europas, aber auch darüber hinaus.

Diese Unternehmen zu finden bedarf es allerdings intensiver Analyse und einer Konzentration auf die fundamentalen Daten. Denn egal wie die Märkte jetzt mit der neuen italienischen Regierung umgehen werden, ob sie noch einmal aus Angst stürzen oder heftig jubelnd ansteigen, die Unternehmen werden weiterhin Geld verdienen. Egal wie die Kurse dann laufen, es kommt darauf an, die langfristigen Chancen zu sehen. Und das geht nur mit einer dauerhaften Beobachtung der wirklichen Daten. Denn diese Daten lügen nicht – anders als manch Politiker.

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