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Euro/US-Dollar – Rätsel Devisenmarkt?

Gastautor: Daniel Saurenz
12.03.2018, 12:57  |  547   |   |   

Börse_USA_NewYork_5In den USA boomt der Arbeitsmarkt, gleichzeitig läuft die Zinsentwicklung zwischen dem Dollar und der Eurozone weiter auseinander. Warum tut sich der Greenback also weiterhin so schwer? Dazu schauen wir uns die Einschätzung der Commerzbank-Experten an. Wir sehen den Euro weiterhin unter 1,25 USD und empfehlen daher ausgewählte Inliner wie die WKN DS000HDS00UW oder DM8ZU2. Wer es offensiver mag, greift zum Turbo-Bear PA60N0

“Der Arbeitsmarktbericht vom Freitag hatte für jeden etwas dabei: eine überraschend hohe Zahl neu geschaffener Stellen (313 Tsd. gegenüber Analysten-Erwartungen von 205 Tsd.) für die USD-Bullen und eine überraschend niedrige Lohnentwicklung (durchschnittliche Stundenlöhne +2,6% gegenüber Vorjahr, vgl. mit Analysten-Erwartungen von 2,8%) für die USD-Bären. Nur: Der Devisenmarkt machte auch all dem fast gar nichts. Ja, die USD-Bewegung nach den Zahlen war erratisch ohne besondere Richtung. Das ist normal nach solch gemischten Datenveröffentlichungen. Allerdings fiel die Amplitude der Bewegung gering aus. Kaum mehr als 40 EUR-USD-Pips lagen zwischen den Extremen unmittelbar nach den Daten. Das wiederum zeigt uns: Dem Markt ist der Ausblick auf die US-Zinsentwicklung – oder zumindest auf den Teil, der von US-Wirtschaftsdaten getrieben wird – einigermaßen egal. Zwei Motive sprechen für dieses Verhalten:

(1) Momentan dominieren politische Risiken die USD-Entwicklung. Das Chaos, das die US-Administration derzeit verbreitet, erzeugt USD-Risikoprämien. Und deren Entwicklung dominiert im Vergleich zu den „üblichen“ Treibern wie einem US-Arbeitsmarktbericht. So mögen konziliantere Töne des US-Präsidenten, der bei Wohlgefallen Erleichterungen bei den Strafzöllen in Aussicht stellt, tatsächlich von einigen Marktteilnehmern als USD-positiv gewertet werden. Auch wenn ich das nicht so sehe, sondern die Abkehr der USA vom Freihandels-Akkord als die wesentliche Nachricht der derzeitigen US-Handelspolitik erachte – egal ob der Präsident hier und da Gnade walten lässt. Mit Freihandel hätten solche Akte nichts zu tun.

(2) Die Unsicherheit darüber, was die Fed aus der Lohn- und Konsumentenpreisentwicklung macht, ist höher denn je. Der neue Fed-Chair und die Frage, wer neben ihm in Zukunft im Board of Governors sitzen wird, erzeugen eine zusätzliche Schicht von Unsicherheit, die zu der Frage, wie die Fed den geldpolitischen Normalisierungsprozess fortsetzt, hinzukommt. Das heißt: Egal, wie Daten ausfallen, der Markt kann sie kaum in USD-Wechselkursimpulse übersetzen, denn es fehlt ihm die Vorstellung einer geldpolitischen Regel. Anders gesagt: Es ist nicht klar, was die Fed aus positiver Arbeitsmarktentwicklung und / oder enttäuschender Entwicklung der Lohninflation machen wird – weil eh niemand weiß, wie die Fed den weiteren Ausstieg aus der beispiellosen Geldpolitik gestalten wird.

USD-Abschwächung vorbei

Zumindest bleibt festzuhalten: Die USD-Abschwächung, die wir bis Ende Januar beobachteten, ist vorbei. Der Trend ist schon lange nicht mehr Freund der USD-Bären. Zwar kann sich die US-Währung nur sehr graduell und unter erheblichen Schwankungen erholen, aber grosso modo verhält sie sich weitgehend immun gegenüber neuerlichem politischem Störfeuer. Seien wir doch froh, dass fundamentale Treiber sich nicht immer schlagartig in den Preisen niederschlagen. Sonst hätte fundamentale Analyse wenig prognostischen Nutzen.

Quelle: Commerzbank, eigene Recherche

 

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