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FEDcoin? Zentralbanken Kryptowährungen sind eine naive Idee!

13.03.2018, 16:15  |  1147   |   |   

Die Entwicklung von Bitcoin und der damit einhergehenden Blockchain-Technologie hat eine Innovationslawine ausgelöst.  Unterdessen gibt es tausende Projekte auf denen Blockchain drauf steht aber in nur Wenigen ist auch tatsächlich Blockchain drin. Zunehmend werden auch die Zentralbanken aufgefordert auf diesen Zug aufzuspringen und ihre eigenen Kryptowährungen herauszugeben obwohl Zentralbanken und Kryptowährungen so schlecht zueinander passen wie der Teufel und das Weihwasser.
von Prof. Dr. Aleksander Berentsen und Dr. Fabian Schär

In verschiedenen Publikationen (Berentsen und Schär 2018a und Berentsen und Schär 2018b) zeigen wir, dass die Bitcoin-Entwickler mehrere technologische Komponenten so miteinander verknüpft haben, dass eine dezentrale Verwaltung von digitalem Eigentum möglich wurde. Dadurch wurde ein Geld geschaffen, welches sich wesentlich von jedem anderen Geld unterscheidet - also z.B. von Bargeld oder von elektronischem Geld. Im Bitcoin Netzwerk gibt es keine zentrale Autorität, keinen Chef und kein dediziertes Management und dennoch funktioniert es. Die dezentrale Verwaltung von digitalem Eigentums hat das Potenzial, die bestehende Zahlungsinfrastruktur, das Finanzsystem und viele andere Bereiche der Wirtschaft und Gesellschaft massgeblich zu beeinflussen.

In einem dezentralen Zahlungssystem ist es nicht möglich den Zugang zu beschränken bzw. Wirtschaftssubjekte an der Teilnahme zu hindern. Zudem haben Benutzer die Möglichkeit anonym zu bleiben. Diese Hauptmerkmale der Dezentralität sind ein rotes Tuch für jede Zentralbank. Das Reputationsrisiko einer dezentralen Zentralbankenkryptowährung wäre einfach zu hoch. Denken Sie an einen hypothetischen "Fedcoin", der von einem Drogenkartell benutzt wird, um Geld zu waschen, oder von einer terroristische Organisation, um Waffen zu erwerben.

Darüber hinaus würden sich die Geschäftsbanken zu Recht fragen, warum sie KYC- ("know your customer") und AML- ("anti-money laundering") Vorschriften einhalten müssen, während die Zentralbank jegliche Auswirkungen dieser Regelung untergräbt, indem sie eine dezentrale Kryptowährung herausgibt. Zudem ist die Blockchain noch eine sehr junge Technologie und es bestehen große operationelle Risiken. Insgesamt sind wir der Meinung, dass die Forderung nach einem "Fedcoin" oder einer anderen Zentralbank-Kryptowährung naiv ist.

Wenn wir erst einmal die dezentrale Natur einer Kryptowährung beseitigt haben, bleibt nicht mehr viel Krypto übrig. Ein virtuelles Geld, welches zentralisiert und monopolistisch von einer Zentralbank ausgegeben wird, ist elektronisches Zentralbankgeld. Elektronisches Zentralbankengeld existierte schon lange vor der Erfindung der Blockchain. Ein solch zentralisiertes Geld als Kryptowährung zu bezeichnen ist deshalb irreführend. Einige Zentralbanken evaluieren zwar die Emission einer Zentralbank-Kryptowährung. Ein genauerer Blick auf diese Projekte zeigt jedoch, dass es sich nicht um Zentralbankenkryptowährungen gemäß unserer Definition handelt. Die Projekte sind in der Regel stark zentralisiert und die Assoziation mit Krypto oder Bitcoin ist ein reiner Marketinggag (z.B. der venezolanische Petro).

Unsere Prognose ist deshalb, dass in der näheren Zukunft keine grosse Zentralbank (also z.B. die Schweizerische Nationalbank oder die Europäische Zentralbank) eine dezentrale virtuelle Währung herausgeben wird, deren Buchhaltung dezentral geführt wird und allen Wirtschaftssubjekten die uneingeschränkte und vollständig anonyme Teilnahme erlaubt. Stattdessen werden Zentralbanken elektronisches Geld emittieren, welches sie zentral verwalten und kontrollieren werden. Die Nutzung wird den üblichen KYC- und AML-Auflagen unterliegen.

Literaturhinweise:
Berentsen, Aleksander and Schär, Fabian. “The Case for Central Bank Electronic Money and the Non-case for Central Bank Cryptocurrencies.” Federal Reserve Bank of St. Louis Review, forthcoming.

Berentsen, Aleksander and Schär, Fabian. “A Short Introduction to the World of Cryptocurrencies.” Federal Reserve Bank of St. Louis Review, First Quarter 2018, pp. 1-16.

Berentsen, Aleksander and Schär, Fabian. Bitcoin, Blockchain und Kryptoassets: Eine umfassende Einführung. BoD, Norderstedt, 2017.

Berentsen, Aleksander and Schär, Fabian. “The Fallacy of a Cashless Society,” in Beer C., Gnan E. & U.W. Birchler (Hg.), Cash on Trial, SUERF Conference Proceedings 2016/1, Larcier, S. 14-19, 2016.

 

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