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Carmignac Patrimoine Bleibt alles anders

Gastautor: Dominik Weiss
15.03.2018, 15:32  |  435   |   |   

Ende Februar überraschte das französische Fondshaus mit der Ankündigung, das Leverage-Level des Flaggschiff-Fonds Carmignac Patrimoine (Volumen 26 Mrd. Euro) neu aufzustellen. FundResearch sprach mit Didier St. George, Mitglied des Investmentkomitees bei Carmignac, über mögliche Konsequenzen der neuen Anlagestrategie.

FundResearch: Statt mit Leverage-Instrumente wie bisher im Umfang von 10 % zu operieren, erlaubt Ihnen der neue Anlagegrundsatz nun den Einsatz von bis zu 30 %. Welche Derivate verwenden Sie : CFDs, Optionen, Warrants, Futures, Swaps?

Didier St. George: Im Rahmen des Investmentprozesses des Carmignac Patrimoine wird das Management von Marktrisiken in Bezug auf Aktien, Anleihen und Währungen historisch über eine breite Palette von Instrumenten wie CFDs, Aktienkörbe, Futures-Kontrakte und CDSs implementiert. Die Verwendung von Optionen kommt eher selten vor.

FundResearch: Werden Sie die angekündigten 30% voll ausschöpfen?
Didier St. George: Inwieweit wir in Zukunft Derivate einsetzen werden, hängt wie immer von den Marktgegebenheiten ab. Wenn es notwendig sein sollte, einen Großteil unseres Credit Exposures beispielsweise gegen die Ausweitung der Credit Spreads abzusichern, um das Kapital unserer Kunden zu schützen, werden wir dies innerhalb der festgelegten Grenzen tun.

FundResearch:Wie lange planen Sie, es dabei zu belassen?
Didier St. George: Der Einsatz von Derivaten zum Zwecke des Risikomanagements wird von den Marktgegebenheiten abhängen.

FundResearch: Werden Sie die Portfoliokonstruktion ändern?
Didier St. George: Die erwartete Höhe des Leverage spiegelt nicht die tatsächliche "Risikobereitschaft" des Portfolios wider, da es sich lediglich um eine Addition des Nominalbetrags aller Derivate handelt, ohne Berücksichtigung von Positionen, die sich gegenseitig ausgleichen oder Risiken im physischen Portfolio mindern. Die Änderungen werden sich nicht auf den Managementansatz des Fonds auswirken. Die Value-at-Risk-Kennziffer bleibt bei 2 (VaR Fonds/VaR Benchmark; Anm. d. Red.), und alle Risikopositionen bleiben unverändert

Das zugrundeliegende Portfolio basiert auf langfristigen Überzeugungen und einem rigorosen Ansatz zu einer ausgewogenen Gewichtung in verschiedene Asset-Klassen und geografische Aufteilung. Seine Konstruktion beruht auf einem robusten Prozess und wird es auch bleiben.

FundResearch: In welchen Marktsituationen planen Sie den Einsatz von Derivaten?
Didier St. George: Die Märkte befinden sich unserer Meinung nach in einer Phase wachsender Instabilität, die sich auf alle Anlageklassen auswirken könnte. In vergleichbaren Zeiträumen der letzten 25 Jahre war der Einsatz von Derivaten bei Carmignac schon immer eine der Möglichkeiten, Risiken wie die Ausweitung der Credit Spreads sowie Schwankungen der Anleihe- und Aktienkurse effizient zu managen.

Carmignac Patrimoine: Wachstum von 242 Prozent


Quelle: FVBS professional

FundResearch: Gab es in der Vergangenheit eine Marktsituation, in der Sie gerne mehr Derivate eingesetzt hätten?
Didier St. George: Nach unserer Erfahrung geht es beim Risikomanagement darum, sich auf zukünftige Risiken zu konzentrieren und nicht zu erwarten, dass vergangene Situationen notwendigerweise ein verlässlicher Anhaltspunkt für zukünftiges Marktverhalten sind. Heute geht es darum, dass unsere Analyse auf zukünftige Marktrisiken hinweist, die eine hohe Flexibilität sowie eine effiziente Umsetzung erforderlich machen könnten. Deshalb haben wir uns entschieden, uns diesen Spielraum einzuräumen.

FundResearch: Führt die jüngste Änderung zu persönlichen Veränderungen in Bezug auf das Portfoliomanagement?
Didier St. George: Nein.

FundResearch: Wie wird sich das Risiko-Rendite-Verhältnis verändern?
Didier St. George: Auch das Rendite-Risiko-Profil des Fonds ändert sich nicht.

FundResearch: Wie wird sich die Änderung auf die Volatilität auswirken?
Didier St. George: Das Volatilitätsprofil des Fonds wird sich ebenfalls nicht ändern.

FundResearch: Erhöht sich das Drawdown-Risiko?
Didier St. George: Auch nicht.

FundResearch: Verändern Sie das das Netto-Exposure der ungehedgten Derivate-Positionen?
Didier St. George: Wie bereits erläutert, ist das so genannte "erwartete Leverage-Level", wie es im Prospekt des Fonds genau definiert ist, kein Maß für das Risikoprofil des Fonds. Diese Frage ist also nebensächlich. Begriffe wie "Value-at-Risk" sind in der Tat Risikomaße, die auch im Prospekt aufgeführt sind. Diese sind aber nicht betroffen, wie von der Aufsichtsbehörde bestätigt.  

FundResearch: Wie wird das Netto-Leverage der einzelnen Anlageklassen ausfallen?
Didier St. George: Die Strategie des Carmignac Patrimoine ist darauf ausgelegt, Risiken zu diversifizieren, indem die Anlagen auf drei Performance-Treiber (Aktien, Anleihen und Währungen) aufgeteilt werden. Deshalb erwarten wir keine Verzerrungen für eine dieser Anlageklassen, was das Netto-Leverage angeht.

FundResearch: Wie würden Sie auf einen Zinsanstieg am kurzen Ende reagieren?
Didier St. George: Der Fonds hat uns schon immer viel Flexibilität erlaubt, da wir die modifizierte Duration von -4 auf bis zu +10 variieren können. Daran hat sich nichts geändert. Nur die Marktbedingungen bestimmen, in welchem Umfang wir auf Nominalanleihen über Derivate – im vorgegebenen Rahmen - zurückgreifen, um unsere Absicherungsziele zu erreichen.

FundResearch: Welche Zinskurve finden Sie derzeit am attraktivsten: Europa oder USA?
Didier St. George: Zum jetzigen Zeitpunkt richtet sich der Fokus der EZB auf das kurze Ende der Zinskurve. Zusammen mit dem nun eingeleiteten Tapering und dem Rückenwind der europäischen Wachstumsdynamik deutet dies darauf hin, dass die Zinskurve für deutsche Staatsanleihen wieder steiler wird. In den USA wird hingegen Aufwärtsdruck auf das lange Ende der Kurve ausgeübt. Das liegt am Zurückfahren der Fed-Bilanz und den steigenden Inflationserwartungen. Je nach Verhalten der Fed werden wir einen schwächeren Dollar und mehr Inflationsdruck in den kommenden Monaten erleben. Dies könnte auch das kürzere Ende der Kurve nach oben drücken.

FundResearch: Erwarten Sie steigende Zinsen im europäischen Raum?
Didier St. George: Unserer Meinung nach hat eine Phase der Instabilität gerade erst begonnen. Hierdurch dürften sich kurzfristig Möglichkeiten eröffnen, um von der Zinskurvenentwicklung zu profitieren. Über diese Periode hinaus wird die Frage sein, ob die Märkte in eine längere Phase des Wachstums und steigender Inflationserwartungen übergehen oder eher in eine Phase schwächeren Wirtschaftswachstums und geringer Inflationsaussichten. Derzeit tendieren wir zum zweiten Szenario.

FundResearch: Stichwort Währungen: In welcher Währung werden sie die größten Leverage-Positionen aufbauen?
Didier St. George: Da wie bereits erwähnt, die Strategie des Carmignac Patrimoine darauf ausgelegt ist, Risiken zu streuen, erwarten wir keine Verzerrungen in Bezug auf die Verwendung des Netto-Leverage.

FundResearch: Wie hoch ist der maximale historische VaR ausgefallen?
Didier St. George: Die höchste VaR-Quote des Carmignac Patrimoine wurde im Dezember 2016 mit einem Verhältnis von 1,47 erreicht.

FundResearch: Gehen Sie davon aus, dass die Veränderung der Anlagestrategie der Value-at-Risk-Wert näher an die 200% Benchmark heran rückt?
Didier St. George: Nein. Die Philosophie des Fonds bleibt unverändert und die maximale VaR-Quote bleibt bei 2.

FundResearch: Haben Sie den Fall der Fälle simuliert? Gibt es eine konkrete Monte Carlo Simulation für die Neuausrichtung?
Didier St. George: Wir verwenden zu Ermittlung des Value at Risk ein historisches VaR-Modell, das auf einer zweijährigen Historie, einem Konfidenzintervall von 99% und einem Zeithorizont von 20 Tagen basiert. Die VaR-Berechnungen werden mit Hilfe des Riskmetrics-Tools und einem proprietären und unabhängig geprüften Risikomodell erstellt. Zum Ende Februar betrug die VaR-Quote des Carmignac Patrimoines 1,13.

 

(DW)

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