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„Chinas Aktienmarkt tickt anders“

Gastautor: Dominik Weiss
23.03.2018, 08:55  |  728   |   |   

„Techwerte aus dem Reich der Mitte haben weiter Potenzial“, sagt Bin Shi. Die hat er hoch gewichtet. Chinas Staatsunternehmen rührt der Manager dagegen nicht an: „Das sind nicht die Gewinner von morgen“.

Bin Shi kam im Januar 2006 zu UBS und managt seitdem den UBS Equity ChinaOpportunity. Zuvor arbeitete für eine große chinesische Investmentgesellschaftin Hongkong und als Analyst und Portfoliomanager in den USA. 

FundResearch: Herr Shi, der UBS Equity China Opportunity hat auf Sicht von fünf Jahren weit besser als der MSCI China abgeschlossen. In welchen Sektoren weicht der Fonds stark vom Referenzindex ab?

Bin Shi: Wir haben den Bereich Informationstechnologie sowie die Konsum- und die Gesundheitsbranche höher gewichtet. In puncto Telekommunikation und Energie ist der Fonds dagegen deutlich untergewichtet. Der Fonds hat sich gegenüber Konkurrenzprodukten sehr gut entwickelt.

FundResearch: Wie unterscheidet sich der Investmentansatz gegenüber Mitbewerbern?

Bin Shi: Wir versuchen, die Gewinner von morgen in einem noch frühen Stadium zu identifizieren. Diese Unternehmen zu finden erfordert intensive Recherche. Zudem ist das Portfolio sehr konzentriert. Wir investieren in 50 bis maximal 70 Unternehmen, der MSCI China enthält dagegen über 150 Aktien. Titel, von denen wir überzeugt sind, halten wir in der Regel auch sehr lange. Der Portfolioumschlag beträgt gerade mal 20 bis 30 Prozent pro Jahr. In den vier größten Positionen des Fonds haben Sie fast 40 Prozent der Mittel investiert.

FundResearch: Ist das nicht ein Risiko?

Bin Shi: Die hohen Gewichtungen sind angesichts der Gewinnsteigerungsmöglichkeiten der Unternehmen unserer Meinung nach gerechtfertigt. Zu den Unternehmen, die sich schon zu Gewinnern entwickelt haben, zählt der Internetriese Tencent. Der Titel hat in den vergangenen fünf Jahren über 170 Prozent zugelegt. 

FundResearch: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei über 40. Kann das Unternehmen weiter wachsen, die Aktie weiter zulegen?

Bin Shi: Das Unternehmen, das innerhalb von nur 18 Jahren eine Marktkapitalisierung von 500 Millionen Dollar erreichte, hat in der Vergangenheit regelmäßig die Gewinne zweistellig gesteigert. Starke Ergebniszuwächse sollten auch künftig drin sein. Das Unternehmen wird gut gemanagt undmuss Konkurrenz nicht fürchten.

FundResearch: Aus welchen Branchen neben der Technologie gehen Ihrer Recherche nach künftige Gewinner hervor?

Bin Shi: Chinas Eltern haben erkannt, wie wichtig für ihre Kinder eine gute Ausbildung ist. Für deren künftigen beruflichen Erfolg wenden sie hohe Summen auf. Die Ansprüche an die Lehrer sind entsprechend hoch. Davon profitiert Tal Education. Das Unternehmen entwickelt unter anderem internetbasierte Lernsysteme, die es Schulabsolventen ermöglichen, sich zu guten Lehrern auszubilden.

FundResearch: In Ihrem Portfolio finden sich keine Staatsunternehmen. Warum meiden Sie China Mobil oder China Petrobras, die Titel sind doch relativ billig?

Bin Shi: Nur billig reicht nicht als Kaufargument. Die Staatsunternehmen werden nämlich nicht effizient geführt. An der Spitze stehe meist Parteimitglieder oder Politiker, die nicht die dazu notwendige Expertise mitbringen.

FundResearch: In den Industriestaaten würden die Aktionäre auf eine Auswechslung des Managements drängen?

Bin Shi: Richtig. In China kommt es jedoch dazu nicht, auch wenn die Ergebnisse nachhaltig enttäuschen. In diesem Punkt unterscheidet sich der chinesische Aktienmarkt sehr von an den Märkten der Industriestaaten geltenden Mechanismen.

FundResearch: Gibt es weitere Unterschiede, die Anleger aus den Industriestaaten wissen sollten?

Bin Shi: An den Börsen in Shenzen und Shanghai engagieren sich bislang nur wenige institutionelle Investoren. Die handelnden Privatanleger halten die Aktien nicht langfristig, sondern sind an kurzfristigen Gewinnen interessiert. Das führt immer wieder zu sehr hohen Schwankungen.

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