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So funktioniert das nicht

Gastautor: Bernd Niquet
24.03.2018, 13:00  |  3770   |   |   

Das Versicherungsgeschäft ist schwierig. Nehmen wir nur einmal die Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung. Hier kann man folgenden Lehrsatz aufstellen:

 

Private Versicherungen funktionieren, gesetzliche hingegen nicht. Doch woran liegt das?

 

Im Grunde genommen sind die Antworten darauf sehr simpel: Gesetzliche Versicherungen funktionieren nicht, weil man den Bürgern zu geringe Beiträge abverlangt und im Vergleich dafür zu hohe Leistungen gewährt. Private hingegen können sogar gute Gewinne erwirtschaften, weil hier die Beiträge den Risiken plus Gewinnaufschlag entsprechen.

 

Nehmen wir nur die derzeitige Diskussion über die Pflegeversicherung: Alle wollen heute mehr Pflegepersonal, das zudem besser entlohnt wird, doch niemand will dafür mehr bezahlen. Wenn die Politik hier Versprechungen macht, heißt das folglich: Entweder man erhöht die Steuern oder man macht mehr Schulden oder man leitet Steuern von anderen Verwendungen um.

 

Dass das alles nicht funktionieren kann, sieht eigentlich ein Blinder. Ich beispielsweise zahle etwa 50 Euro im Monat für die Pflegeversicherung. Wie man mir davon einen Heimplatz von 3.000 Euro im Monat finanzieren könnte, bleibt unerfindlich. Gerade wenn man das mit den privaten Krankenkassenbeiträgen vergleicht.

 

Gespannt bin ich auch auf das Modell der Bürgerversicherung. Das Problem der gesetzlichen Krankenversicherung besteht darin, dass die Beiträge im Alter geringer werden, weil sie an das Gehalt beziehungsweise die Rente gekoppelt sind. Dummerweise werden Menschen jedoch gerade im Alter besonders oft krank, und dann auch noch schwer.

 

Bei der privaten Krankenversicherung steigen hingegen die Beiträge im Alter enorm an. Will man jetzt also eine Bürgerversicherung einführen, wird der Staat zukünftig wohl auch noch für die heute Privaten zahlen müssen. Oder wie soll das sonst laufen?

 

Im Jahr 2017 haben allein die Zuschüsse des Bundes für die Renten- und Krankenversicherung etwa ein Drittel des gesamten Bundeshaushaltes ausgemacht. Und 75 % des Etats für Arbeit und Soziales. Über 100 Milliarden Euro sind das.

 

Eigentlich, und das ist das Schlimme, ist das gesetzliche Umlagesystem jedoch dem privaten Vorsorgemodell deutlich überlegen, davon bin ich fest überzeugt. Doch dafür müsste man es auch so handhaben, wie es gedacht ist. Die Politik hat es jedoch zum Selbstbedienungsladen und zum Kauf von Wählerstimmen missbraucht. Und wenn man den Wählern mehr gibt, als eingenommen wird, ist eben irgendwann das Ende der Fahnenstange erreicht. Dann fließen bald die gesamten Steuereinnahmen in die zerrütteten gesetzlichen Versicherungen.

 

Die einzige Lösung wäre es hier, alle in dieses Modell hineinzuzwingen, auch die Gutverdiener, die Beamten und Freiberuflichen. Doch das wird sich die verschüchterte Politik niemals trauen. Niemals. Da setzt sie lieber die Staatsfinanzen in den Sand.

 

Unsere gesetzlichen Versicherungen sind damit ein Modellfall für das Versagen des Staates. Der von jedem an jedem Tag besichtigt werden kann.

 

 



4 Kommentare

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Kommentare

'...Eigentlich, und das ist das Schlimme, ist das gesetzliche Umlagesystem jedoch dem privaten Vorsorgemodell deutlich überlegen, davon bin ich fest überzeugt. Doch dafür müsste man es auch so handhaben, wie es gedacht ist. Die Politik hat es jedoch zum Selbstbedienungsladen (...) missbraucht. ....'

Politiker-Diäten und -posten halbieren, Pensionen abschaffen, das ganze bürokratische und politische Wasserkopf-Gedöns rechenschaftspflichtig machen, und auch zur Rechenschaft ziehen ... was glaubst Du, wieviel Gelder da 'frei' werden ... ?

'Der Souverän ist das Volk...' ist nur einer der schlechten Witze im Grundgesetz.

schönen Sonntag noch.
Niquet sagt:
"Eigentlich, und das ist das Schlimme, ist das gesetzliche Umlagesystem jedoch dem privaten Vorsorgemodell deutlich überlegen, davon bin ich fest überzeugt. Doch dafür müsste man es auch so handhaben, wie es gedacht ist. Die Politik hat es jedoch zum Selbstbedienungsladen und zum Kauf von Wählerstimmen missbraucht."

Ansatzweise ahnt der Niquet es selbst, doch für die logische Konsequenz reicht es nicht.

Natürlich werden alle Staatseinnahmen am Ende zur Beute der Beamten und der Politiker,
für das eigene Einkommen oder für Stimmenkauf,
um die unproduktive Mehrheit (inkl. Beamte und Politiker) zu füttern.
Das ist nausweichliche Folge davon, wenn die einen über das Geld anderer bestimmen.
Siehe Bürokratiewachstum, soziale Hängematte usw.

Stattdessen wären Subsidiaritätsprinzip und Eigenverantwortung angebracht.
Aber für sich selbst zu sorgen wäre ja böser "Neoliberalismus".
Oder,wir sagen einfach,"Das Gute daran,ist dass es so funktioniert,wie gedacht,nämlich als Selbstbedienungsladen",zwar glaube ich nicht,dass Du persönlich tatsächlich einmal die 3000€ Kosten verursachen wirst,weil Dir deine persönliche Freiheit und Individualität viel zu wichtig wäre,als dass Du sie aufgeben würdest,aber irgendwo,zb in Afrika,wird sich wohl schon einer finden lassen,der an Deinerstatt dann diese Leistung,für die Du bezahlt hast dankbar in Anspruch nimmt.
Die Weltgemeinschaft,wird sich der deutschen Politik,für die Bewältigung dieses kleinen Problemchens zutiefst dankbar erweisen,und gerne darüber hinweg sehen,falls bei Dir mal wieder irgendwo Geld verschwindet,dann ist man als Politiker im Ausland auch trotzdem weiter gern gesehen!^^
Nur haben wir schon einige male "Reform"gerufen,als die Kasse leer war und andere Europäer,schaffen das mit viel weniger Geld und Diversifizierung noch viel,viel besser,als zb wir.
Auch müssen wir an die harten Zeiten denken,in denen zb noch mehr Empfänger von Kriegsrenten da waren,oder Kriegs-bedingte Versehrten-Renten gestemmt werden mußten,auch gab es da Zeiten,in denen Witwen ohne Murren und Knurren ihre Rente erhielten,heute stellt man in Deutschland gern dämliche Fragen,was die denn sonst noch so verdienen!
Nein,nein,ein Selbstbedienungsladen,hat schon seine Vorteile,er zieht nämlich so etwas wie tatsächliche "Verantwortung"nach sich,das,sollten wir alle nicht vergessen!

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