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Marktkommentar: Yves Longchamp (ETHENEA): Alice im Wunderland
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Marktkommentar Yves Longchamp (ETHENEA): Alice im Wunderland

Nachrichtenquelle: Asset Standard
27.03.2018, 00:00  |  708   |   |   

Was sind die wirtschaftlichen und finanziellen Risiken im Zusammenhang mit steigenden Zinssätzen, 10 Jahre nach der weltweiten Finanzkrise?

Es gibt eine Divergenz zwischen der Volatilität an den Finanzmärkten und der Stabilität der makroökonomischen Daten. Das ist sowohl ein beruhigendes als auch ein besorgniserregendes Zeichen. Obwohl die Finanzmärkte, wie es oft heißt, 15 der letzten 10 Rezessionen vorhergesehen haben, sollte man fairerweise in einem makroökonomischen Szenario die Veränderungen an den Finanzmärkten berücksichtigen.

Beginnen wollen wir mit einem Blick auf die Weltwirtschaftslage. Alle Umfragen, die zu Beginn dieses Jahres durchgeführt wurden, lassen ein hohes Maß an Zuversicht in die Zukunft erkennen. Das gilt sowohl für Verbraucher als auch für Unternehmer. Der moderate Optimismus, der die Konjunkturerholung begleitet hat, verwandelt sich allmählich in einen uneingeschränkten Optimismus.

Die Arbeitslosenquoten in den größeren Volkswirtschaften sinken weiter, und trotz zum Teil bereits äußerst niedriger Niveaus, entstehen weiterhin neue Arbeitsplätze. Dieses günstige Umfeld vermittelt den Verbrauchern Zuversicht, die an eine strahlende Zukunft glauben.

Auch bei Unternehmern ist die Stimmung gut. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt, die Frühindikatoren liegen auf hohen Niveaus, und all das wird von soliden Konjunkturdaten gestützt. Im vergangenen Jahr war ein starkes weltweites Wachstum zu verzeichnen ( 3,7 %). Die industrielle Produktion zog allerorten an, die Kapitalnutzung nimmt stetig zu, und der Investitionszyklus beginnt Form anzunehmen. All das schlägt sich in höheren Unternehmensgewinnen nieder.

In diesem Wirtschaftsparadies deuten einige Daten jedoch auf gewisse Ermüdungserscheinungen hin. Bislang gibt es noch keinen Grund zur Sorge, aber das zeigt, dass sich der Konjunkturzyklus im Laufe der Zeit verändert. Er befindet sich nun in seiner späten Phase und wird anfälliger.

Die Situation ist in den USA und in Europa ähnlich. Auf der Grundlage solider Daten wurden die Prognosen für das Wirtschaftswachstum der Jahre 2018 und 2019 nach oben korrigiert. China gibt wie geplant etwas nach. Nach Aussagen der Regierung dürfte das Wachstum in diesem Jahr bei etwa 6,5 % liegen. Schließlich ist Japan sich treu geblieben und verharrt auf einem schwachen, aber stabilen Niveau.

Wenn die Situation damit korrekt beschrieben ist, kommt man kaum umhin, die Zukunft der Volkswirtschaften und der Finanzmärkte positiv zu sehen. Doch gute Wirtschaftsdaten am Ende eines Konjunkturzyklus stehen oft für aufkommenden Inflationsdruck und steigende Zinsen. Die logische Konsequenz hieraus beunruhigt die Anleger und war der Grund für die Korrektur der Finanzmärkte im Februar. Hierauf werden wir im zweiten Teil des Artikels noch näher eingehen.

Neben steigenden Zinsen haben in jüngster Zeit zwei politische Ereignisse die Seelenruhe der Anleger gestört, nämlich der Sieg der populistischen Parteien bei den italienischen Wahlen und die Ankündigung des Plans von Donald Trump, Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte zu verhängen.

In Italien – der bedeutendste wirtschaftliche Risikofaktor für die Eurozone – zeigen die Wahlergebnisse ganz deutlich die Unzufriedenheit eines großen Teils der Bevölkerung, und die rührt nicht nur von der Wirtschaft und dem Nord-Süd-Gefälle her. Obwohl sich die Wirtschaft noch in der Erholung befindet und die Arbeitslosigkeit zu hoch ist, lassen das Vertrauen der Verbraucher und das Geschäftsklima neuen Optimismus erkennen. Die Unzufriedenheit hat ihren Ursprung in der Politik. Erstens straften die Wahlergebnisse die zuvor regierenden Parteien ab und zeigen, dass eine Mehrheit der Italiener mit der Unfähigkeit dieser politischen Parteien Italien zu verändern unzufrieden ist. Zweitens lässt Europa Italien bei der Bewältigung des massiven Zustroms von Migranten allein, nimmt sich aber das Recht heraus, seine Nase in Italiens Haushaltsangelegenheiten zu stecken, was anti-europäische Ressentiments schürt. Während der Eurokrise vor einigen Jahren gab Europa einen Sparkurs vor, ohne viel Handlungsspielraum zu lassen. Natürlich ist es Italien nicht gelungen, die notwendigen Wirtschaftsreformen umzusetzen, die Europa fordert, sodass es weiterhin instabil bleibt. Wie dem auch sei, ist die derzeitige Situation schwierig, und es wird immer wahrscheinlicher, dass es zunehmende Spannungen in den politischen Beziehungen zwischen Europa und Italien geben wird. Zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels sind die Finanzmärkte weiterhin zuversichtlich, obwohl die Ungewissheiten über die neue Regierung allgegenwärtig sind.

Dies kann auf das zweite politische Ereignis von internationaler Bedeutung zurückzuführen sein, nämlich auf den Wunsch von Präsident Donald Trump, Zölle auf Stahl und Aluminium zu erheben. Dies hat zum Rücktritt eines engen Beraters des Präsidenten, Gary Cohn, geführt, einem der letzten „Globalisten“ in dieser Regierung.

Das Handelsbilanzdefizit der USA wächst, wie in Abbildung 1 dargestellt. Im Januar stieg das Defizit auf über 50 Milliarden USD, weil die Importe von Handelsgütern (exklusive Mineralölprodukte) zunahmen und sich die Dienstleistungsbilanz verschlechterte. Dabei ist zu beachten, dass die Bilanz von Mineralölprodukten durch Schiefergas beinahe ausgeglichen wurde. Das zunehmende Defizit der allgemeinen Handelsbilanz spiegelt daher eine Verschlechterung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der USA wider, was darauf hindeutet, dass es nicht nur um Stahl und Aluminium geht. Es wird immer wahrscheinlicher, dass es auch andere Zölle geben wird.    

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