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Merkels Wohlstands-Illusion platzt 2019

Gastautor: Daniel Stelter
29.03.2018, 09:29  |  13392   |  15   |   

Das Zwischenhoch in der Eurozone hat den Höhepunkt überschritten, die Risiken für die exportabhängige deutsche Wirtschaft mehren sich. Nun rächt sich, dass Angela Merkel nur auf Verteilen und Verwalten, statt auf das Sichern der Zukunft gesetzt hat.

Die wirtschaftspolitische Bilanz der letzten zwölf Jahre ist ausgesprochen ernüchternd. Knapp zusammengefasst kann man sagen, dass es Ziel der deutschen Regierungen unter Angela Merkel gewesen ist, mit Umverteilen und finanziellen Wohltaten Zustimmung im Inland und relative Ruhe im Ausland zu erkaufen. Von Zukunftssicherung hingegen keine Spur.

Daran ändert sich auch mit der Neuauflage der geschrumpften Großen Koalition nichts. Im Gegenteil: Der Koalitionsvertrag ist ein lautes "Weiter-so!", gepaart mit leichtfertigen und überflüssigen Versprechungen, die letztlich deutschen Wohlstand vernichten, sollten sie realisiert werden. Diese Zusicherungen der GroKo begünstigen ein französisches Modell von Europa, das auf Umverteilen und Schulden setzt, um das Projekt Euro noch eine Runde weiterzubekommen.

Thatcher hatte Recht

"The problem with socialism is that you eventually run out of other people's money", bemerkte Margaret Thatcher schon in den 1970er-Jahren. Das Gleiche gilt für die im Kern sozialistische Politik der Bundesregierungen unter Führung von Angela Merkel. Noch nie hat der Staat so hohe Steuereinnahmen verbucht wie heute, hat uns Bürgern also so viel Geld abgenommen.

Wohl noch nie mussten wir im Gegenzug erleben, wie Infrastruktur und Schulen verfallen, die innere Sicherheit in weiten Bereichen nicht mehr gesichert ist und die Bundeswehr eine Lachnummer ist. Sogar die Schweiz dürfte über mehr funktionsfähige Hubschrauber und Kampfpanzer verfügen als Deutschland.

Stattdessen wurden die Reformen der Regierung Gerhard Schröder aufgeweicht, die Zahlungen für Rentner erhöht, der Mindestlohn mit einem wahren Feuerwerk an Bürokratie eingeführt und eine Migrationspolitik betrieben, die direkt in den Sozialstaat führt, statt die Grundlage für künftige Beschäftigung zu legen.

Noch wird dies alles verdeckt durch eine einzigartige Kombination an makroökonomischen Faktoren: den tiefen Zinsen, dem schwachen Euro und der ungebrochenen Nachfrage nach Autos und Maschinen aus Deutschland. Ein einzigartiger Glücksfall für die Kanzlerin, die es nur dieser Scheinblüte verdankt, immer noch im Amt zu sein.

Doch spätestens 2019 dürfte die Wohlstandsillusion platzen. Die Kombination aus ItalienBrexit und Donald Trump dürfte sich als toxisch für die deutsche Wirtschaft und damit auch für die neue Bundesregierung erweisen.

Italien beendet die Euro-Rettungs-Illusion

Es ist immer wieder faszinierend, wie entspannt die Politik auf die Veränderungen in Europa reagiert. Da wurde, wie von allen erwartet, in Italien der Protest gewählt - und es ändert nichts. Dass an den Finanzmärkten nichts passiert, ist dabei nicht mal so verwunderlich. Wissen doch alle Teilnehmer, dass die EZB schon jetzt der größte Käufer von italienischen Staatsanleihen ist und solange Mario Draghi im Amt ist, wird sich daran auch nichts ändern. Zum anderen hat ja die neue deutsche Regierung schon vor Beginn der Verhandlungen zugesagt, mehr Geld zu geben.

Aus Sicht der Italiener eine einfache Sache: Sie können sich über die Defizitgrenzen hinwegsetzen und ihre Wahlversprechen, beispielsweise ein bedingungsloses Grundeinkommen, einführen und sich dafür weiter verschulden. Wer sollte sie davon abhalten? Aus dem Euro und der EU wird man das Land nicht werfen. Im Gegenteil: Das Land kann mit der Einführung einer Parallelwährung drohen - die Pläne dafür liegen vor -, um noch mehr Zugeständnisse der Partner - also von uns Deutschen - zu erpressen.

Erpressen ist dabei das Stichwort. Italien schuldet bereits mehr als 430 Milliarden Euro im Rahmen des Target2-Systems. Gläubiger dieser 430 Milliarden sind vor allem wir Deutschen als "Aktionäre" der Bundesbank. Insgesamt hat die Bundesbank rund 900 Milliarden Euro an Target2-Forderungen, also rund 11.000 Euro pro Kopf der hier lebenden Bevölkerung. 5000 Euro davon gehen also als zins- und tilgungsfreier Kredit von jedem Deutschen an Italien und das auch noch ohne Sicherheit.

Wie heißt doch der Witz so schön: "Wenn man eine Million Schulden hat, hat man ein Problem. Wenn man 100 Millionen Schulden hat, hat die Bank ein Problem." Wir Deutsche haben ein massives Problem in der Eurozone und die Regierungen Angela Merkels haben das einfach ausgesessen. Gerade die Weigerung der deutschen Regierungen, die Grundprobleme der Eurozone - Überschuldung und fehlende Wettbewerbsfähigkeit einzelner Länder - konsequent anzugehen, wird uns so teuer auf die Füße fallen.

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Kommentare

Obwohl die Kreditzinssätze heute nahezu auf Nullprozent liegen, müssen einige Staaten sogar zusätzliche Schulden machen, um nur die Zinsen für ihre Schulden bezahlen zu können. Dasselbe ist auch in der Wirtschaft zu beobachten, indem die Banken einem beträchtlichen Teil ihrer Kunden (Unternehmen) zusätzliche Kredite geben müssen, damit diese wenigstens die Zinsen bezahlen können und die Kredite formal nicht als notleidend erklärt werden müssen.
jep aber das dauert noch. wenn ich mich umhöre, hat kaum einer interesse an hintergründen zu irgendwas. was soll davon kommen?!
Ganz meine Meinung!
Auswandern ist der einzige Weg dem Niedergang zu entkommen. Alles was nicht EU ist als Ziel. So lange es noch geht, wenn erst einmal die Massenauswanderung losgeht werden alle attraktiven Ziele dicht machen.
wie soeben Bild Online berichtete;

wird Merkel morgen ihren Rücktritt erklären,
sie wird sämtliche Politischen Ämter niederlegen und sich als Entwicklungshelferin nach Afrika absetzen ****
Von dem Stelter hätte ich mehr erwartet als dieses Geschwafel. Aber vielleicht musste er sich ans Niveau der Leser anpassen.

Mal was zu Italien. Es ist in einem Gesamtmarkt auch deren Reichtum, den "wir" erwirtschaften. Und wer ist eigentlich "wir"? Doch bestimmt nicht Berlin oder Brandenburg. Sind "wir" Bayern oder München oder Grünwald?

Wenn "wir" Hartz4 usw. an nicht Flüchtling seiende Marokkaner auszahlen, dann wäre der Italiener dämlich, dass durch sein Sparverhalten zu finanzieren.

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