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Führungsduo fatal – Deutsche Bank zahlt höhere Boni trotz Verlustserie

Gastautor: Daniel Saurenz
03.04.2018, 06:00  |  6329   |   |   

Deutsche Bank_ Frankfurt_Börse_8Böse Menschen könnten behaupten, dass die Deutsche Bank vor einigen Wochen ihre Anleger doppelt verwirrt hat. Denn das dritte Jahr infolge warnte man die Investoren, dass unter dem Strich ein Verlust für das Geschäftsjahr zu verzeichnen ist. Im Fachjargon heißt dies „Gewinnwarnung“. Bei der Deutschen Bank wäre es mittlerweile allerdings in der Tat eine Warnung wert, würde sie wirklich mal wieder Gewinn erzielen. Anleger greifen zum Inliner HX0ENV, wenn sie davon ausgehen, dass sich die Deutsche Bank Aktie bis Juni 2018 zwischen 10 und 17,50 Euro bewegt. Eine satte Rendite ist in Höhe des No-Touch-Betrags von 10 Euro drin.

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Seit Aufsichtsratsboss Achleitner am Ruder ist und Chef Cryan die Geschäfte führt, ist nichts besser geworden. Gegen die Konkurrenz in Europa und den USA wirkt man wie der FC Köln gegen Dortmund oder Bayern. Nun möchte man auch noch die Boni der Banker erhöhen, da diese sonst zur Konkurrenz fliehen könnten.

Man muss sich dies einmal vorstellen: Die Aktienmärkte international brennen seit Jahren ein Feuerwerk ab, auch Übernahmen laufen immer besser, die Instiute in den USA kommen brillant, jene in Spanien oder Italien zumindest ordentlich voran, doch die Deutsche Bank schafft drei Jahre infolge einen Verlust. Auch die neue Strategie von Vorstandschef John Cryan bringt bislang keinerlei Erfolg. Der Druck auf ihn und Aufsichtsratschef Paul Achleitner wächst zusehends.

Per Saldo – ein Minus

DeutscheBank_SymbolDie Aktie notiert um 5,0 Prozent unter dem Stand von vor einem Jahr während der Aktienmarkt besser aussieht. Investoren quittieren so die anhaltend schwache Geschäftsentwicklung des hiesigen Branchenprimus. So waren wegen der sehr niedrigen Volatilität an den Märkten die Erträge aus dem Handelsgeschäft mit Anleihen, Währungen und Aktien im vierten Quartal um 22 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum eingebrochen. Damit verliert die Deutsche Bank weiter Marktanteile, nachdem die Konkurrenten JP Morgan und Bank of America einen Rückgang um jeweils 15 Prozent angekündigt haben.

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Die enttäuschenden Ergebnisse machen deutlich, dass der erneute Strategieschwenk, den Vorstandschef John Cryan im März 2017 eingeleitet hatte, weiterhin nicht funktioniert. Cryan war nach dem Ausscheiden von Jürgen Fitschen im Mai 2016 zum alleinigen Chef des Unternehmens aufgestiegen. Nachdem Cryan anderthalb Jahre mit der Strategie seiner Vorgänger herumlaviert hatte – ein großer Fehler -, entschied sich das Management-Team im Frühjahr 2017 die Postbank entgegen den ursprünglichen Planungen nicht zu verkaufen, sondern sie verblieb stattdessen im Konzern und wurde mit dem deutschen Privat- und Firmenkundengeschäft zusammengelegt.

Hohe Abhängigkeit vom Investmentbanking

Als zweite wichtige Säule neben dem Privatkundengeschäft wurde zudem eine Unternehmens- und Investmentbank geschaffen. Die zwischenzeitliche Trennung in eine Sparte zur Unternehmensfinanzierung und -beratung sowie eine weitere für das Kapitalmarktgeschäft wurde rückgängig gemacht. Zudem soll ein Teil der Vermögensverwaltung inklusive der Fonds-Tochter DWS im Jahr 2018 an die Börse gebracht werden. Trotz dieses Strategieschwenks ist das Geldhaus aber weiterhin stark abhängig vom Handelsgeschäft und damit vom Investmentbanking.

Da das Handelsgeschäft bei möglicherweise anhaltend niedriger Volatilität schwach bleiben dürfte, fragen sich viele Investoren, wie Cryan den Konzern auf Wachstumskurs bringen kann. Laut den Schätzungen der Analysten sollen die Erträge im Jahr 2017 um knapp zehn Prozent auf 27,4 Mrd. Euro sinken. In den ersten drei Quartalen waren sie um zehn Prozent auf 20,7 Mrd. gefallen. Dabei waren die Erträge bereits im Gesamtjahr 2016 um 10,5 Prozent zurückgegangen.

Trotz des aktuell guten Börsenumfelds und des zwischenzeitlichen Kursanstiegs tut sich die Deutsche Bank aber weiterhin schwer, viele der im Herbst 2016 verloren gegangenen Kunden zurückzugewinnen. Dabei dürfte vor allem das sehr hohe Engagement der Deutschen Bank im Derivate-Bereich eine wichtige Rolle spielen. Ende 2016 belief es sich auf herbe 42,9 Billionen Euro.

Achleitner hat jedem Strategieschwenk zugestimmt

Börse_DAX_SymbolDie enttäuschenden Ergebnisse der Deutschen Bank werfen nicht nur ein schlechtes Licht auf Cryan, sondern auch auf Aufsichtsratschef Paul Achleitner, der Ende Mai 2012 den Job übernommen hatte. Er ist für das Führungspersonal verantwortlich und hat in den vergangenen Jahren jedem Strategieschwenk des jeweiligen Vorstands-Teams zugestimmt – absurde Fehlleistungen inclusive. Während sie um 38 Prozent unter dem damaligen Kurs notiert, ist jene von JPMorgan um mehr als 230 Prozent auf neue Rekordhochs nach oben geschossen, bei der UBS steht ein Plus von 70 Prozent zu Buche. Achleitner war angetreten, um die Bank auf den Erfolgskurs zu führen– davon ist allerdings nichts zu sehen.

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