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Vom Lehrling zum Vorstandschef: So klassisch ist die Deutsche Bank bei ihrer Personalentscheidung

09.04.2018, 08:27  |  4820   |   |   

Gestern ist die Entscheidung endgültig gefallen, dass John Cryan durch einen internen Mitarbeiter ersetzt wird. Nach zweiwöchiger Suche auf dem internationalen Markt entscheidet sich das größte deutsche Bankhaus - nicht sonderlich mutig - für jemanden aus den eigenen Reihen und zeigt damit, dass auch in einem internationalen Haus der Aufstieg vom Lehrling zum Vorstandschefs möglich ist.

Weil keiner den Job wollte, muss nun Christian Sewing die Nachfolge von Vorstandschefs John Cryan antreten? Es warten große Aufgaben und hohe Erwartungen auf Sewing, denn bereits seine Vorgänger gelang es nicht, die Deutsche Bank auf Kurs zu bringen. Die Deutsche Bank verzeichnete für 2017 einen Verlust von 497 Millionen Euro (610,15 Millionen Dollar), verglichen mit einem Verlust von 290 Millionen Euro, den die Analysten von Reuters geschätzt hatten. Dies war der dritte Jahresverlust in Folge für die Bank.

Vor vier Jahren war die Aktie mal 34 Euro wert, während sie derzeit bei 11,90 Euro steht - und vor der 2008er Finanzkrise war das Papier sogar über 60 Euro wert. In den vergangenen sechs Jahren ging es jedoch nicht nur um den Aktienkurs, sondern die Rentabilität sollte erhöht werden. Cryan gelang es nicht, dass Umsatzwachstum wiederherzustellen, so Bloomberg. Die Erträge der Deutschen Bank aus dem Handel mit Aktien und Anleihen, ihrer größten Einnahmequelle, sind seit Ende 2015 um 32 Prozent gesunken, was bei den Anlegern Besorgnis auslöste. Fraglich ist auch die zukünftige Bedeutung des US-Investmentbanking. Darüber hinaus sorgt das Bankhaus immer wieder für Negativschlagzeilen durch hohe Bonizahlungen trotz Millionenverlusten. 

Dies alles soll sich nun ändern, denn Aufsichtsratschef Paul Achleitner kündigte gestern den neuen Vorstandschef mit den folgenden Worten an: "Christian Sewing hat in seinen mehr als 25 Jahren bei der Deutschen Bank konstant bewiesen, dass er führungsstark ist und eine große Durchsetzungskraft hat", siehe hier. Und weiter hieß es: "Wir brauchen eine neue Dynamik in der Führung unserer Bank", so Paul Achleitner.

Der neue Vorstandschef kam 1989 als Lehrling zur Deutschen Bank. Er verbrachte sein Berufsleben fast ausschließlich bei der Deutschen Bank, wo er seit 2015 dem Vorstand angehörte. Der 47-jährige leitete zusammen mit Frank Strauß das Privat- und Firmenkundengeschäft. Dieses wird Strauß künftig alleine führen.

Der bisherige Bankchef John Cryan verlässt die Bank endgültig bereits Ende April. Auch Marcus Schenck, zweiter Vizechef der Deutschen Bank und einer der Chefs des Kapitalmarktgeschäfts, verlässt die Deutsche Bank im Mai 2018. Einst hatte Achleitner John Cryan als Sanierer der Deutschen Bank angekündigt, aber zuletzt galt das Verhältnis mehr als zerrüttet. Ob Christian Sewing die Erwartungen von Achleitner erfüllen kann, ist bislang ungewiss. Es war keine mutige Entscheidung von Achleitner. Vielleicht geht es auch vielmehr um seinen eigenen Stuhl, als das Unternehmen?

Die Personalentscheidung löste bei den Analyse-Häusern keine 360-Grad-Drehung in Bezug auf die Aktie der Deutschen Bank aus: 

Morgan Stanley: Kursziel von 13 Euro.

"Die wichtigsten strategischen Fragen seien aber nach wie vor unbeantwortet."

Goldman Sachs: Kursziel von 15 Euro.

"Aufgrund der jüngsten Spekulationen sei der Schritt keine Überraschung, schrieb Analyst Jernej Omahen".

Credit Suisse: Kursziel von 13 Euro.

"Ein Chefwechsel sei weithin erwartet worden, schrieb Analyst Jon Peace in einer am Montag vorliegenden Studie. Wirkliche Neuigkeiten seien daher eher der Zeitpunkt und der Name des Kandidaten."

JPMorgan: Kursziel von 12 Euro.

"Die Deutsche Bank habe einen neuen CEO und eine neue Ära ausgerufen, schrieb Analyst Kian Abouhossein in einer am Montag vorliegenden Studie. Dies ändere jedoch nichts an seiner Einschätzung der Aktie, denn das Wichtigste, was dem Institut seit Jahren fehle, sei eine klare Strategie."

 

Quelle:

Bloomberg 
 

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