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Das große Sterben: In Großbritannien machten 2017 täglich 16 Läden dicht

12.04.2018, 13:22  |  4760   |   |   

In Großbritannien sterben die Geschäfte aus, denn 2017 wurden 5.855 Läden geschlossen, so viele wie seit 2010 nicht mehr. Pro Tag eröffneten nur 11 Geschäfte, während 16 schlossen. 

Laut einer Studie schlossen im Jahr 2017 mehr als 1.700 Filialisten ihre Pforten. Hierbei handelt es sich um Läden in den 500 größten britischen Städten, die von der Local Data Company (LDC) für PricewaterhouseCoopers erfasst wurden. Durchschnittlich 11 Geschäfte pro Tag eröffneten, während 16 täglich schlossen, so das erschreckende Ergebnis. Nicht erfasst wurden inhabergeführte Shops. 

Mode- und Schuhgeschäfte waren am stärksten betroffen. Die Gesamtausgaben für Bekleidung und Schuhe sind in den letzten zwei Jahren um rund 2 Prozent gesunken, wobei sich vor allem das rasante Wachstum der Online-Ausgaben in den Geschäften widerspiegelt. Allerdings stieg die Zahl der Beauty-Stores im Jahr 2017. Gleichzeitig nahm die Anzahl der Cafés, Eisdielen und Buchhandlungen zu.

Das Verbrauchervertrauen erreichte im Dezember ein Vierjahrestief und das Tempo der Schließungen nahm in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres deutlich zu. Dies bestätigte Lisa Hooker von PwC und sagte: "2017 war hart für den britischen Einzelhandel - insbesondere in der zweiten Jahreshälfte. (...) Wir sehen, dass das Lohnwachstum nicht mit der Inflation Schritt halten konnte, was viele Käufer zwang, genauer über ihre Kaufgewohnheiten nachzudenken."

Die Probleme haben sich auch im ersten Quartal 2018 fortgesetzt, dass laut PwC das härteste erste Quartal seit der Rezession 2009-10 war. Große Unternehmen meldeten Insolvenz an oder schließen die Geschäfte wegen Umstrukturierungsmaßnahmen, darunter Mothercare, Carpetright und Homebase. Der Anstieg der Online-Dienste führte im vergangenen Jahr zu einem dramatischen Rückgang der Zahl der Banken (-201), Reisebüros (-326) und Immobilienmakler in den britischen Innenstädten. Allein die HSBC schloss mehr als 60 Filialen. Ferner gehörten zu den Verlierer der derzeitigen Entwicklung die Schuheinzelhändler Brantano und Jones Bootmaker. Auch Store Twenty One schloss im Rahmen der Insolvenz 125 Filialen. Einige größere Ketten wie Clarks, Marks & Spencer haben dagegen nur eine Handvoll Geschäfte geschlossen.

Glen Took, Consumer Insight Director bei Kantar, meinte, dass die Probleme der Bekleidungs- und Schuheinzelhändler einen Kulturwandel hin zum Genuss von Erlebnissen und nicht zum Kauf von Produkten widerspiegelten. "Die Leute versuchen, das Beste aus ihrer Zeit zu machen, indem sie etwas mit ihrer Familie oder Freunden machen, und dann gehen sie an einem Sonntagabend im Internet einkaufen."

Für die Romantiker ist positiv zu beobachten, dass die Leser wieder zu den physischen Büchern zurückkehren und Buchhandlungen eine erste kleine Renaissance erleben. Die Verkäufe von ebooks haben sich verlangsamt.

Mit der Möglichkeit, von zu Hause aus schnell auf Waren und Dienstleistungen zuzugreifen, haben Familien immer weniger Grund ihre Freizeit in den Einkaufsstraßen zu verbringen. Dieser Trend wird sich auch zukünftig fortsetzen.

 

Quelle:

The Guardian, 12.4.2018.

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