DAX-2,41 % EUR/USD-0,04 % Gold+0,91 % Öl (Brent)-2,90 %

Aktienmärkte Die Börse hält die Luft an

16.04.2018, 11:29  |  511   |   |   

Sind es nur Drohungen oder steht uns ein Krieg bevor!? Seit einigen Wochen dreht sich an der Börse alles um den drohenden Handelskonflikt zwischen USA und China. US-Präsident Trump gefällt sich mal wieder in seiner Rolle als Zerstörer der Weltordnung und will das Rad der Globalisierung durch die Einführung von Importzöllen zurückdrehen.

Auch der EU hat er Zölle angedroht – aber oh Wunder – die EU hat es tatsächlich geschafft, einen Aufschub auszuhandeln, obwohl die europäische Staatengemeinschaft sonst selten mit einer Stimme spricht. Vor allem Deutschland hat als einer der Hauptexportländer der Welt Interesse daran, dass Einfuhrzölle vermieden werden. Andere europäische Staaten könnten das Thema lockerer sehen. Die französische Autoindustrie ist bei weitem nicht so vom US-Markt abhängig wie die Deutsche. Viele südeuropäische Länder exportieren vergleichsweise wenig in die USA, und schon gar nicht in dem Maße Investitionsgüter wie die Deutschen. Für Deutschland steht somit viel auf dem Spiel...

Wie im Ping-Pong schaukeln sich die USA und China momentan noch mit gegenseitigen Zoll-Listen hoch. Die Vorgehensweise des US-Präsidenten erinnert an das, was wir bereits im vergangenen Sommer im Umgang mit Nordkorea erlebt haben. Schon damals hat Trump mittels Drohungen und Einschüchterungen versucht, seine politischen Ziele durchzusetzen.

Auch gegenüber China setzt Trump auf das aus der Spieltheorie bekannte „game of chicken“. Diesem als Angsthasenspiel bekannten Phänomen liegt das Szenario einer Mutprobe zugrunde: Zwei Sportwagen fahren mit hoher Geschwindigkeit aufeinander zu. Wer ausweicht, beweist damit seine Angst und hat das Spiel verloren. Weicht keiner aus, haben beide Spieler zwar die Mutprobe bestanden, ziehen jedoch daraus keinen persönlichen Nutzen, weil sie durch den Zusammenprall ihr Leben verlieren.

Leider lässt sich im Moment noch nicht abschätzen, wie lange es dauern wird, bis der im Moment praktizierte Kollisionskurs aufgegeben und man den Weg an den Verhandlungstisch finden wird, zumal sich China wohl sogar in der stärkeren Verhandlungsposition befindet. Der mögliche wirtschaftliche Schaden, der entsteht, wenn sich beide Seiten nicht einigen, könnte immens sein, denn mit den USA und China streiten sich die beiden größten Volkswirtschaften der Welt.

Deal or No Deal – das ist die entscheidende Frage, die auch über die weitere Börsenentwicklung bestimmt. Jede neue Zolldrohung hat zu erheblichen Verlusten an den internationalen Aktienmärkten geführt, allen voran in den USA. Dow Jones und Nasdaq liegen mittlerweile seit Jahresanfang im Minus. Die Kurse hüpfen auf und ab wie ein Jo-Jo. Viel Unsicherheit ist zu spüren, denn die langfristigen Aufwärtstrends sind in Gefahr, durchbrochen zu werden.

Zu allem Überfluss steht auch der Technologiesektor von verschiedener Seite unter Druck. Der Datenmissbrauch-Skandal bei Facebook schreit nach mehr Regulierung – Gift für das auf möglichst viel Liberalität bedachte Silicon Valley und für die großen Hauptakteure wie Google, die zu Werbezwecken jegliche Daten abgreifen, die sie kriegen können.

Der Elektroauto-Hersteller Tesla wiederum erklärt sich als Aprilscherz pleite und muss nun zusehen, wie der Aktienkurs nach unten gereicht wird, weil Anleger nicht mehr ohne weiteres bereit sind, die Schuldenlast des Möchtegern-General-Motors-Konzerns mitzutragen. Amazon wiederum steht im Visier von Trump, der eine persönliche Fehde mit Amazon-Chef Bezos austrägt.

So sind einige Großkaliber der Technologieszene schwer unter Beschuss. Zur Zeit ist es nur eine Korrektur, aber die ruhigen Zeiten sind vorbei. Im Gegensatz zu letztem Jahr hat sich die Schwankungsbreite (Volatilität) am Aktienmarkt immerhin verdoppelt. Kaufen und einfach zuschauen, wie die Kurse nach oben steigen, funktioniert jetzt nicht mehr.

Seite 1 von 2


0 Kommentare

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Disclaimer