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Frauenquote und Gendersprache: Läuft die FDP dem feministischen Zeitgeist hinterher?

Gastautor: Rainer Zitelmann
17.04.2018, 08:17  |  1482   |   |   

Die FDP prüft Maßnahmen, um ihren Frauenanteil zu erhöhen. Unter anderem werden von der Partei die Einführung einer Frauenquote sowie der Gebrauch der „gendergerechten Sprache“ geprüft.

Können Sie sich das vorstellen? Eine junge Frau sagt: „Bisher fand ich die Liberalen mit ihren Freiheitsideen unattraktiv. Aber jetzt werde ich Mitglied, weil die Freien Demokraten beschlossen haben, in ihrer Parteikommunikation künftig die Gendersprache mit großem I oder Gendersternchen zu verwenden.“ 
Im Wahlkampf warb die FDP noch mit der Parole: „Keine gesetzliche Frauenquote“:
Nun denkt sie darüber nach, selbst eine einzuführen. In einem Beschluss des FDP-Präsidiums mit dem Titel „Mehr Chancen durch mehr Vielfalt – Bildung einer Ad-hoc-Arbeitsgruppe Diversity Management“ sind einem Bericht der WELT zufolge 13 Maßnahmen aufgeführt, die von einer Arbeitsgruppe nun ergebnisoffen diskutiert werden sollen. Ziel sei es, „effektive Maßnahmen zu entwickeln, um neue weibliche Mitglieder und Wähler zu gewinnen sowie mehr Frauen in die Parteiarbeit und die Führungsebene zu integrieren“. Eine dieser Maßnahmen ist demnach die Frauenquote, die von der FDP bislang abgelehnt wurde. Nun wird die Einführung einer „Fallbeil-Quote“ vorgeschlagen – für den Fall, dass eine Selbstverpflichtung ihr Ziel verfehlt, „ein Drittel Frauenpartizipation auf Bundes- und Landebene als formale Zielsetzung“ zu erreichen.

„Die Selbstverpflichtung wird ergänzt durch eine verpflichtende Frauenquote, die im Fall der Zielverfehlung (zeitlich befristet) greift“, zitierte die Zeitung aus der Beschlussvorlage. Unter den weiteren Schritten, die geprüft werden sollen, werde ausdrücklich der Gebrauch „gendergerechter Sprache“ in der Parteikommunikation genannt.  „Als Partei für Vielfalt und Chancengerechtigkeit müssen wir selbstkritisch feststellen: Bei uns engagieren sich leider zu wenig Frauen“, sagte FDP-Bundesgeschäftsführer Marco Mendorf der WELT. Um das zu ändern, müsse die FDP „endlich auch über bisherige Tabus nachdenken wie eine Selbstverpflichtung und eine konkrete Quote, wenn wir damit Frauen besser fördern können als bisher“.

Die Grünen geben den Takt vor, die anderen laufen nach

Die Frauenquote ist ein Beispiel dafür, wie die Grünen den Zeitgeist geprägt haben: Erst führten die Grünen die Quote ein, dann folgte die SPD und schließlich schloss sich auch die CDU an. In meinem 1994 (!!) erschienenen Buch „Wohin treibt unsere Republik?“ hatte ich geschrieben: „Bei vielen Fragen ist es heute schon so, dass die Grünen die Richtung vorgeben, dann die SPD nachzieht und schließlich die Union mit einem deutlichen Verzögerungseffekt nachhinkt. Die Debatte um die ‚Quotenregelung’ ist ein Beispiel, aber auch bei zahlreichen anderen Themenkomplexen geben die Grünen inzwischen den Ton an.“ (S. 80 f.)

Frauenquoten sind illiberal

Frauenquoten bedeuten nichts anderes als die Benachteiligung von Männern und einen massiven Verstoß gegen das Prinzip, dass nur die Leistung entscheiden darf, nicht jedoch das Geschlecht. Die Frauenquote ist mit den Prinzipien einer freien Gesellschaft unvereinbar und zutiefst illiberal. Deshalb hat sich die FDP stets gegen Quoten ausgesprochen, wie sie z.B. für Aufsichtsräte großer Unternehmen beschlossen wurden. Wie will die FDP künftig gegen Frauenquoten in der Wirtschaft argumentieren, wenn sie sie selbst in der eigenen Partei einführt? 
Die Anhänger der Frauenquote argumentieren damit, dass der Anteil der Frauen in der FDP nur bei 22 Prozent liege und bei den Neueintritten unter 20 Prozent. Wenn der Frauenanteil in der Partei jedoch bei 22 Prozent liegt und man festschreiben will, dass künftig ein Drittel der Führungspositionen mit Frauen besetzt werden soll, dann zeigt das schon, dass inhaltliche Kriterien und Qualifikation für ein Amt nicht mehr entscheidend sein sollen.
Die Annahme, dass sich künftig Frauen für liberale Politik mehr begeistern, wenn die Parteianträge mit einem großen I oder einem „Gendersternchen“ geschrieben werden, ist naiv. Es gibt heute genug moderne Frauen, die die feministische Ideologie ablehnen und ihrer eigenen Leistung vertrauen. In keiner Partei in Deutschland werden Frauen benachteiligt. Im Gegenteil: Jeder und jede weiß, dass es Bereiche in unserer Gesellschaft gibt, wo man heute als Frau auch ohne Quote bevorzugt wird – das gilt insbesondere für den Wissenschaftsbetrieb und die Parteien. Auch in der FDP wurden Frauen bislang keineswegs diskriminiert.  

Verhängnisvolle Symbolwirkung

Würde die FDP die ideologische Gendersprache oder die Frauenquote einführen, so hätte das vor allem eine starke symbolische Wirkung: Die FDP läuft dem linksgrünen Zeitgeist hinterher. Und merkt dabei nicht, dass der Zeitgeist sich seit einigen Jahren dreht. Die linksgrünfeministische Ideologie wird gerade bei jungen Menschen zunehmend unattraktiv. In der FDP sind es vor allem Ewiggestrige wie Gerhart Baum, der unlängst erklärte, er würde der FDP gerne „eine Frauenquote verordnen“. 
Die Taktik, dem grünen Zeitgeist hinterherzulaufen hat schon bei der SPD und bei Angela Merkels CDU nicht funktioniert. Beide Parteien haben in den vergangenen zehn Jahren massiv an Stimmenanteilen verloren, und zwar gerade deshalb, weil sie sich an den linksgrünen Zeitgeist angepasst haben. Der Wahlforscher Manfred Güllner stellte schon 2012 in seinem ausgezeichneten Buch über die GRÜNEN fest: „Diese Übernahme zahlreicher grüner Vorstellungen durch die anderen Parteien führt dazu, dass weite Teile der Bevölkerung ihre Interessen und Probleme nicht mehr in der Politik vertreten sehen. Diese Teile der Bevölkerung reagieren mit Wahlenthaltung in immer größerem Umfang und mit Entfremdung von der Politik.“ (S. 171)
Das war 2012. Die Anhänger der grünen Ideologie wählen inzwischen lieber gleich grün und jene, die unzufrieden sind, liefen bei den letzten Wahlen teilweise zur AfD über. Ist die Veränderung des Stimmenanteils für SPD und CDU in den vergangenen zehn Jahren so attraktiv, dass die FDP dies nun nachmachen will? Dann ist sie so schnell wieder aus dem Bundestag verschwunden, wie sie hereingekommen ist. 

Leseproben sowie 20 Besprechungen und Interviews zum neuen Buch von Dr. Dr. Zitelmann "Kapitalismus ist nicht das Problem, sondern die Lösung" finden Sie hier: http://kapitalismus-ist-nicht-das-problem.de/presse/

 



5 Kommentare

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Kommentare

Wie gut, dass ich nie Feministin gewesen bin, denn mit einem "feministischen Zeitgeist", demzufolge politische Parteien mit Kopftuch tragenden Frauen und ebensolchen kleinen Mädchen (!!) werben, mit dem Slogan "Toleranz ist Grundlage für Freiheit", siehe:

https://twitter.com/Birgit_Kelle/status/985615929244561410

- damit will ich nichts zu tun haben! Die FDP meint wohl, sie müsse sich nur deutlich genug von der AfD abgrenzen, damit ihr die Wähler in Scharen zulaufen? Na, dann viel Glück ...
Ein Chapeau! und herzlichen Glückwunsch an die Grünen.
Seit Jahren ohne Regierungsverantwortung waren sie dennoch in der Lage einen neuen Zeitgeist zu prägen und, nach SPD und CDU, nun auch noch die FDP erfolgreich zu unterwandern und indoktrinieren. Irre, was diese kleine Partei leistet! Das ganze Öko-Gehabe ist in Wahrheit nur Tarnung ;)

Aber Zitelmann hat die Sache durchschaut. Gefällt mir. Messerscharfe Analyse der Gesamtsituation (insbesondere der Part mit den 'Ewiggestrigen' ist der Brüller, da höchstwahrscheinlich Ernst gemeint!). Nach der Offenbarung der grünen Allmacht jedoch, so fürchte ich zumindest, bleibt der FDP-Spitze nun keine andere Wahl mehr, als sich die Nutzlosigkeit des eigenen Daseins einzugestehen. Ich erwarte die Selbstauflösung der FDP noch in dieser Woche.
Auf den Wahlplakaten hat sich Lindner auf dem Rücksitz einer Limousine ablichten lassen - mit sehnsuchtvollen Blick, Drei-Tage Bart in schwarz weiß. Und das hat die Frauen nicht angesprochen ?
Dann muss er bei der nächsten Wahl aufs Ganze gehen.
Merkel, Dreyer, Petry, Weidel, VdL ....wie die entarteten Extremfeministinnen und Männerhasserinnen noch heißen. Wie lange will Mann sich das noch antun? Wie eröffnete mir einmal eine Psychiaterin im Rang eines Chefarztes: "Ich habe die Merkel-CDU gewählt, weil Merkel Männer so elegant abservieren kann" Hier lieg die eigentliche Ursache des deutschen Niederganges
Warum Herr Zitelmann, dessen Kommentare ich wirklich schätze, noch bei der FDP ist , kann ich nicht nachvollziehen. Irgendwann einmal muss es reichen.

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