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Krypto-Währungen: Ein großes Risiko kommt hinzu

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
17.04.2018, 15:00  |  1156   |   |   

Es ist gut möglich, dass es so einen Erfolg wie den von Krypto-Währungen im Jahr 2017 noch nie gegeben hat – und nie wieder geben wird. In nur 12 Monaten stieg der Gesamtwert aller virtuellen Währungen um mehr als 3.300 % bzw. fast 600 Milliarden Dollar. Das ist eine Rendite, für die die Börse Jahrzehnte gebraucht hätte.

Ein Überblick über Kryptos Erfolgsgeschichte

Hinter dem rasanten Anstieg der Krypto-Währungen stand eine ganze Reihe von Faktoren. Ganz oben verantwortlich ist höchstwahrscheinlich die Blockchain-Technologie.

Für diejenigen, die mit Blockchain nicht vertraut sind: Es handelt sich um ein digitales, verteiltes und dezentrales Verzeichnis, das die meisten Krypto-Währungen unterstützt und für die transparente und unveränderliche Protokollierung aller Transaktionen verantwortlich ist. Für Finanzinstitute bietet Blockchain die Möglichkeit, Gelder in Echtzeit oder im schlimmsten Fall innerhalb von Sekunden zu überweisen. Damit wäre Blockchain den derzeitigen Bankennetzwerken vorzuziehen, die manchmal bis zu fünf Werktage benötigen, um internationale Transaktionen abzuwickeln. Blockchain vereinfacht auch Transaktionen von einem Absender und Empfänger von Geldern, so dass Banken keine Transaktionsgebühren mehr erheben können.

Neben der Blockchain profitierten die Krypto-Währungen im Jahr 2017 auch von einem schwächeren Dollar. Der lockt Investoren, sich vom Bargeld zu trennen, was für einige bedeutete, in Bitcoins und andere Krypto-Währungen zu investieren, die anscheinend nur steigen und steigen konnten.

Auch wichtig: Der Krypto-Währungshandel an dezentralen Börsen war Sache von Privatanlegern. Finanzinstituten haben da erstmal die Finger von gelassen. Kleinanleger haben in der Regel nur begrenzte Möglichkeiten, gegen Krypto-Währungen zu wetten, was bedeutet, dass es einen natürlichen Anreiz gibt, die Bewertungen zu erhöhen.

Nun aber zum Risiko

Wie gesagt, 2017 war das perfekte Jahr für Krypto-Währungen. Aber 2018? Sieht es nicht nur ein bisschen anders aus. Der Markt leidet darunter, dass verstärkt Regulierungen stattfinden und institutionelle Anleger nach wie vor nicht überzeugt sind. Und: Krypto-Währungen haben seit dem 7. Januar 2018 70 % ihrer Marktkapitalisierung verloren.

Aber es ist nicht unbedingt eine Verschärfung der Regulierung, die für virtuelle Währungsinvestoren am wichtigsten ist. Stattdessen ist es ein verstecktes Risiko, auf das ich bereits Anfang Januar hingewiesen habe: Sammelklagen.

Gut: Klagen sind an der Börse nicht unüblich. Praktisch immer wenn ein Unternehmen ein anderes kauft oder ein Unternehmen abrutscht und z.B. 30 % oder mehr seines Wertes verliert, untersuchen Anwaltskanzleien die Umstände dieser Ereignisse, um festzustellen, ob eine Sammelklage gegen das betreffende Unternehmen eingereicht werden kann, um Geld für die Aktionäre (und natürlich die Anwaltskanzlei) zu gewinnen. Nur weil der Krypto-Währungsmarkt weitestgehend unreguliert ist, ist er nicht von Sammelklagen ausgeschlossen. In den letzten zwei Monaten hat dieses bislang versteckte Risiko mit zahlreichen Klagen begonnen.

Das Gericht tagt

Anfang März beantragten Anwälte im Northern District of California den Status einer Sammelklage gegen Coinbase, die populärste Krypto-Währungsbörse, wegen der Abwicklung der Einführung von Bitcoin Cash. Nach der Gabelung von Bitcoin in Bitcoin und Bitcoin Cash im Sommer 2017 hatte Coinbase versprochen, den Handel mit Bitcoin Cash seinen Mitgliedern bis zum 1. Januar 2018 zugänglich zu machen. Man versuchte jedoch (und scheiterte daraufhin), den Handel etwas früher als erwartet zu eröffnen – am 19. Dezember. Die Klage beläuft sich darauf, dass Coinbase-Insider davon wussten und den Preis von Bitcoin Cash in die Höhe trieben. Insgesamt wird behauptet, dass Coinbase-Investoren mehr als 5 Millionen Dollar verloren haben.

Noch vor kurzem – erst letzte Woche – wurde eine Sammelklage der Kanzlei Silver Miller gegen Nano (ehemals RaiBlocks) und ihr Entwicklungsteam wegen angeblicher Verletzung von Wertpapiergesetzen eingereicht. Die Klage bezieht sich auf einen Hack im Februar 2018, bei dem Nanos Token (XRB) im Wert von 170 Millionen Dollar von BitGrail, einer italienischen Krypto-Währungsbörse, gestohlen wurden. Vor diesem Diebstahl wird behauptet, dass das Team von Nano die Anleger dazu veranlasst hat, Geld mit dem oft störungsanfälligen BitGrail einzuzahlen, obwohl sie von Problemen mit der Börse wussten.

Sogar der Mann, der angeblich hinter Bitcoin steht, Craig Wright, sieht sich einer monumentalen Klage gegenüber, wenn auch nicht in der Form einer Sammelklage. Die Anklage behauptet, dass Wright mehr als 1,1 Millionen Bitcoins gestohlen hat, die rechtmäßig dem inzwischen verstorbenen Dave Kleiman gehörten. Laut Vice News behaupten Kleimans Erben, dass sich Wright „unrechtmäßig, vorsätzlich und böswillig unterschlagene Geschäftsgeheimnisse angeeignet hat, die sich auf blockchainbasierte Technologien beziehen und Daves Erben gehören.“

Und jetzt?

Diese zunehmenden Klagen rücken zwei Schlüsse in den Vordergrund.

Erstens gibt es keinen Präzedenzfall für Krypto-Währungsklagen. Obwohl die oben erwähnte Anwaltskanzlei Silver Miller darauf spezialisiert ist, Klagen gegen virtuelle Währungen im Namen von Investoren zu erheben, lässt sich auf keine Fälle zurückblicken, um zu ahnen, was dabei herauskommen könnte. Es ist möglich, dass sich einige dieser Klagen als finanziell belastend erweisen könnten, besonders für unvorbereitete Krypto-Teams.

Das zweite Problem ist, dass diese Klagen ein weiteres Maß an Unsicherheit in einen Markt bringen, der auf Störungen empfindlich reagiert. Man bedenke, dass der Krypto-Währungshandel noch immer von Privatanlegern dominiert wird, und Privatanleger knicken leicht ein. Virtuelle Währungen können genau eine Sache gerade überhaupt nicht gebrauchen: langwierige Rechtsstreits.

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