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ROUNDUP/Steinhoff-Hauptversammlung 'Krise von massivem Ausmaß'

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
20.04.2018, 16:12  |  2527   |   |   

AMSTERDAM/KAPSTADT (dpa-AFX) - Der in einen Bilanzskandal verwickelte deutsch-südafrikanische Handelskonzern Steinhoff will sich neu aufstellen, um einen Weg aus der Krise zu finden. Bei der Hauptversammlung in einem Konferenzhotel bei Amsterdam sprach die Aufsichtsratsvorsitzende Heather Sonn am Freitag von einer "Krise von massivem Ausmaß". Der krisengeschüttelte Möbelhändler hofft aber auf eine interne Aufarbeitung des Bilanzskandals bis zum Jahresende.

Die Unternehmensberatung PwC, die mit der Untersuchung beauftragt wurde, werde ihre Überprüfung voraussichtlich bis Ende 2018 abgeschlossen haben, teilte das Management mit. Unklar blieb, ob der Bericht in vollem Umfang oder nur in Teilen veröffentlicht wird. Dann soll auch die noch ausstehende und testierte Bilanz für das Ende September abgelaufene Geschäftsjahr 2017 vorgelegt werden.

Finanzielle Stabilität und eine Senkung der Schulden nannte Steinhoff auf der Versammlung als Hauptprioritäten. Ende März beliefen sich die Schulden in der Gruppe auf 10,4 Milliarden Euro. Geld in die klammen Kassen soll unter anderem der Verkauf von Firmenwerten bringen. Für Mai ist eine Gläubigerversammlung angesetzt. Allein in Europa gehörten bis zu 150 Banken zu den Gläubigern - das ändere sich nun.

Steinhoff streamte die Konferenz live nach Kapstadt in Südafrika, wo die meisten Anteilseigner leben. Vor dem dortigen Konferenzzentrum demonstrierten unterdessen Mitglieder von Arbeitnehmerverbänden gegen den Konzern. "Finger weg von unseren Renten", stand auf den Postern.

In Amsterdam sagte Sonn vor etwa 200 Anlegern, die Gruppe sei bei der Aufarbeitung der Krise auf einem guten Weg: "Ich kann berichten, dass gute Fortschritte erzielt wurden." Bis heute hätten die Experten Hunderttausende Dokumente überprüft und unzählige Gespräche mit den Beteiligten geführt. Steinhoff zufolge sind dabei bestimmte Muster bei Transaktionen festgestellt worden, die über einen Zeitraum von mehreren Jahren dazu geführt hätten, dass Unternehmenswerte und Gewinne deutlich überhöht dargestellt wurden.

Der Bilanzskandal hatte Steinhoff schwer erschüttert. In verschiedenen Ländern wird gegen den Konzern ermittelt. Binnen eines Jahres wurden durch den so verursachten Kursverfall mehr als 90 Prozent des Börsenwertes vernichtet. Seitdem kämpft das Unternehmen, das auch durch die Kette Poco bekannt ist, um Schadensbegrenzung.

Bei der Hauptversammlung gab das Management einen ersten Überblick. Demnach beziehen sich die Ermittlungen der deutschen Justiz in erster Linie auf die Konditionen der Übernahme der Poco-Kette. Am 25. April sei eine erste Anhörung angesetzt. Die Firma hat nach eigener Darstellung korrekt gehandelt, als sie Poco in ihrem 2016er Abschluss konsolidiert hätten.

Die anhaltende Ungewissheit über das wahre Ausmaß des Skandals hat innerhalb kurzer Zeit den Aktienkurs des Konzerns mit Wurzeln im niedersächsischen Westerstede massiv abstürzen lassen. Er steckt seit Ende 2017 in der Krise, als die Ermittlungen wegen Bilanzunregelmäßigkeiten begannen und Steinhoff-Chef Markus Jooste gehen musste. Die Gruppe mit ihren weltweit 150 000 Mitarbeitern zeigt sich nach eigenen Angaben kooperativ bei der Aufarbeitung der Krise./rek/she/kpa/DP/he

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