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wallstreet:online fragte nach: Fake news: Grundeinkommen in Finnland gescheitert! Projekt läuft super, sagt Prof. Kangas

24.04.2018, 08:36  |  17679   |   |   

Am 19. April 2018 titelte Business Insider Deutschland: "Finnland beendet völlig überraschend sein Grundeinkommen-Experiment". Innerhalb von vier Tagen wurde diese Nachricht in sämtlichen deutschsprachigen Medien verbreitet. Nun stellt sich heraus, dass diese Darstellung vollkommen übertrieben war.

Zugegeben, es ist schon recht schwierig in den heutigen Zeiten die Wahrheit herauszufinden - trotz Internet und Co. Die Berichterstattung von Business Insider - siehe hier - nahm sich als Quelle für ihre Story die Tageszeitung "Svenska Dagbladet", die ausschließlich auf finnisch berichtet. Der Artikel ist ohne Registerierung nicht einsehbar und eine Übersetzung vom finnischen ins deutsche ohne Sprachkenntnisse unmöglich.

wallstreet:online bemühte sich bei der gestrigen Berichterstattung um eine möglichst neutrale Information und wies auf die Quellenlage hin, hier. Gleichzeitig kontaktierten die Redaktion das finnische Ministerium Kela/Social Insurance Company: Den Direktor für Regierungs- und Gemeinschaftsbeziehungen Prof. Olli E. Kangas (Kela ist die wichtigste finnische Behörde zur Organisation des Wohlfahrtsstaats und für Sozialleistungen zuständig). Prof. Kangas ist mit dem Projekt bestens vertraut, denn er leitet das Team, und hat mehrere Aufsätze dazu veröffentlicht.

Auf unsere Information: Serveral German newspapers are reporting, that Finland's basic income project has failed and will not continue, antwortete Prof. Kangas:

"I do no understand where this false news is coming from. The experiment is running smoothly and I have not seen any signs that is has failed. Where on earth the German media has gotten that kind of idea?"

Und weiter schreibt Kangas:

"The experiment will continue to the end of 2018 as planned in the very beginning. The experiment was planned to last 2 years , i.e., 2017 and 2018. But the government has not decided to give extra funds to expand the experiment."

Es wird deutlich, dass das Projekt nicht gescheitert ist. Lediglich steht die Entscheidung der Regierung aus, ob und in welcher Form das Experiment weitergeführt wird. In einem Zwischenbericht vom 25.1.2018 heißt es, dass die Ergebnisse nach Projektende ausgewertet und veröffentlicht werden:

"Die Auswirkungen des Experiments werden während der Laufzeit des Experiments nicht veröffentlicht, da eine öffentliche Diskussion der Ergebnisse das Verhalten der Test- und Kontrollgruppen beeinflussen könnte. Das würde zu verzerrten Ergebnissen führen, sagt Professor Olli Kangas von Kela, der das Forschungsteam leitete, das an der Planung des Experiments beteiligt war." (hier)

Die Ergebnisse werden erst zum Jahresende 2019 vorliegen. 

Business Insider bezieht sich auf Miska Simanainen von Kela - bzw. auf ihre Aussagen gegenüber dem Tagesblatt Svenska Dagbladet und der Berichterstattung vom 4. März 2018. Sie gehört zum Forschungsteam im Bereich Microsimulation. Entgegen der Stellenbeschreibung von Prof. Kangas, wo als Forschungsbereich: Back to basic: consumption and basic income security, aufgeführt ist, findet man bei Simanainen nichts in dieser Form. 

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Kommentare

Egal ob Fake News oder nicht. Bedingunsloses Einkommen per se ist Fake. Nichts in diesem Leben ist bedingunslos. Einer muss zahlen, ein anderer Leiden damit der bedingungslose Einkommensschmarotzer sich an seinem faulen Arsch auf Kosten anderer weiden kann. wie widerlich ist das.
Doch wie will man eigentlich die Folgen testen, wenn die Teilnehmer wissen, dass das ganze nur begrenzt ist? Ich verhalte mich doch anders, als wenn ich wüsste, dass das jetzt dauerhaft so wäre. Genauso kann man kaum testen, was die Auswirkungen für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung wären. Das lässt sich zwar modellieren, aber ohne jede empirische Grundlage.

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