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Mangelhafte Riester-Fonds Zu defensiv gedacht

Gastautor: Dominik Weiss
25.04.2018, 12:28  |  545   |   |   

Mit fondsgebundenen Riester-Verträgen kann im aktuellen Marktumfeld kaum Rendite generiert werden. Um höhere Erträge zu bieten, sollten Anbieter auf Garantien verzichten, fordern die Autoren einer brisanten Studie.

Eine Auswertung der Chance-Risiko-Klassen von Riester-Produkten hat ergeben, dass Anleger kaum eine Chance haben, mit den Verträgen eine zufriedenstellende Rendite zu erzielen. Dafür fehle schlicht das Angebot am Markt. Bei Verträgen mit Laufzeiten von mindestens 20 Jahren sind über 90% der fondsgebundenen Riester-Produkte der Chance-Risiko-Klasse 2 zuzuordnen. Selbst bei 30-jährigen Verträgen sehe die Situation kaum verändert aus. Mehr als 60% der Altersvorsorge-Produkte zählten zu risiko- wie renditearmen Klassen. Lediglich zwei Riester-Varianten eines Anbieters hätten es in die Anlageklasse 4 geschafft. Das ist das Ergebnis einer Marktuntersuchung des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung in Kooperation mit dem Finanzdienstleister DWS. Ziel der Studie war es, die Renditechancen fondsgebundener Riester-Produkte zu analysieren. Die Autoren der Studie fordern daher eine „Flexibilisierung der Bruttobeitragsgarantie“. 

Die Autoren sehen in diesem legislativen Schritt die einzige Möglichkeit, den Markt erneut zu beleben. Den Anbietern sei es kaum möglich auf Kostenseite entgegen zu steuern, es sei zu vermuten, dass der Spielraum für weitere Kostensenkungen enger werde. Der zweite Faktor, der von den Anbietern ebenfalls nicht beeinflusst werden könne, sei das Zinsniveau, das derzeit zu niedrig ausfalle, und verhindere, dass die Anbieter renditereiche Assetklassen ansteuern könnten. Der Grund sei ein unnötig eng gefasster Risikobegriff innerhalb der bestehenden Gesetzgebung. Ihrer Ansicht nach würden „wegen der vorgeschriebenen Bruttobeitragsgarantien kaum noch Beitragsanteile in chancenreichere Kapitalanlagen investiert werden“, heißt es in der Studie. 

In zahlreichen Simulationen ermittelten die Autoren, dass Anlegern durch die mit den Garantiezusagen verbundene risikoarme Asset-Allokation der Anbieter signifikanter finanzieller Schaden entstünde. So fielen die Erträge bei nach PIA und Volatium standardisierten Riester-Tarifen mit Beitragsgarantie um durchschnittlich 64 % geringer aus, als bei Tarifsimulationen ohne Garantiezusagen (siehe Grafik). Der Nachteil dieser Variante wird an den in den Minusbereich abgesenkten Balken verdeutlicht. Am unteren Ende besteht mit Verträgen ohne garantie die Gefahr, dass Vorsorger am Ende weniger bekommen, als sie eingezahlt haben. Das, so die Studie, sei aber in der historischen Vergangenheit noch nicht vorgekommen – die Beitragserhaltungszusage daher sinnlos. 

Fondsgebundenes Riestern: Mehr Rendite ohne Garantiezusagen

Quelle: Deutsches Institut für Altersvorsorge

Der Gesetzgeber sieht für die private Altersvorsorge mit Riester-Verträgen vor, dass die Anbieter zu Rentenbeginn die eingezahlten Beträge plus die staatlichen Zulagen vorhalten müssen. Das gilt unabhängig davon, für welche Riester-Variante sich ein Vorsorger entscheidet. Zur Auswahl stehen neben den von der Studie behandelten fondsgebundenen Verträgen noch Riester- Versicherungen sowie das Riester-Banksparen. Eine Garantie auf Renditen ist allerdings nur bei Riester-Versicherungen gesetzlich vorgesehen. Dieser Zins sinkt aber seit Jahren. Bei Einführung der Riester-Rente 2001 betrug er noch stolze 2,25 %. Mittlerweile wurde er angesichts der anhaltenden Zinsdürre auf 0,9 % korrigiert. 

(DW)

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