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Interview Gigaset: „Der Einstieg in den Markt für Smartphones war ein Erfolg“

03.05.2018, 08:39  |  4761   |   |   

Seit einigen Jahren läuft bei Gigaset eine Neuaufstellung. Im Interview mit unserer Redaktion erläutern Vorstandschef Klaus Weßing und Finanzvorstand Stephan Mathys, welche Aufgaben noch vor ihnen liegen. Sie sprechen über die Prognose 2018, über neue Smartphones und über die weiteren Pläne im laufenden Jahr.

Redaktion: Herr Mathys, Sie haben in Ihrer beruflichen Laufbahn vor Gigaset bereits Restrukturierungserfahrung sammeln können. Wie sehr hilft Ihnen dies nun bei Gigaset?

Mathys: Die meisten Erfahrungen sind wertvoll. Bei Gigaset finde ich Parallelen aber auch viele Unterschiede zu dem, was ich in meinem bisherigen Berufsleben gesehen habe. Gigaset hat sich, vor allem in den letzten beiden Jahren, konsequent auf die Marktveränderungen ausgerichtet. Es war und ist richtig, die insgesamt rückläufige Nachfrage im Bereich der DECT-Telefonie anzunehmen und gleichzeitig die Möglichkeiten, die sich nach wie vor in diesem Markt ergeben, zu nutzen. Die Potenziale für Gigaset für neue Anwendungsbereiche und in ganz neuen Produktsegmenten ergeben sich häufig in Ergänzung und Vernetzung mit bestehenden Lösungen der DECT-Telefonie – unser Kerngeschäft bleibt insoweit in der Zukunft ein wichtiger Nukleus. Als große Stärke von Gigaset könnte sich die technologische Kompetenz und die flexible Produktion erweisen. Wir werden in den kommenden Jahren weitere Veränderungen bei Gigaset sehen. Die Nähe zu den Kunden wird sowohl im Consumer- als auch im Geschäftskunden-Bereich ein entscheidender Wettbewerbsfaktor sein. Wir müssen in allen Bereichen der Organisation die dafür notwendige Flexibilität weiter ausbauen. Und wir müssen unsere begrenzten, aber vorhandenen Mittel effektiv einsetzen. Hier möchte ich einen Teil dazu beitragen. Meine Vision ist, Gigaset zusammen mit Klaus Weßing und allen Mitarbeitern Stück für Stück zu einem nachhaltig profitablen Kommunikationsunternehmen mit einem klaren Profil zu entwickeln – mit Produkten und Lösungen, die für eine optimale Qualität, trendiges Design und individuelle Funktion stehen.

Redaktion: Ihre Eigenkapitalquote liegt im niedrig zweistelligen Bereich. Das schreckt manchen Investor ab. Ist hier Besserung in Sicht?

Mathys: Es ist richtig: Der Segler würde sagen, dass wir noch etwas wenig Wasser unterm Kiel haben. Wir möchten dies ändern – es benötigt Zeit und geht nur in vielen kleinen Schritten. Die Erwartungen des Kapitalmarktes sollten insoweit nicht zu hoch oder ungeduldig sein. Auch wenn wir uns für das laufende Jahr 2018 wieder ein leichtes Umsatzwachstum vorgenommen haben, so wird es doch kurzfristig eher eine Seitwärtsentwicklung sein, die wir beschreiten. Das Wachstum sehen wir im Moment im zweiten Halbjahr. Wir freuen uns, dass der Aufsichtsrat am 25.  April einer Finanzierung für Investitionen im Volumen von bis zu 20 Millionen Euro einstimmig zugestimmt hat. Ein weiterer positiver Meilenstein in der jüngeren Entwicklung von Gigaset. Damit haben wir die Möglichkeit, verstärkt in neue Geschäftsfelder zu investieren. Erfahrungsgemäß dauert es allerdings, bis Investitionen Früchte tragen und Erträge aus der Saat geerntet werden können.

Redaktion: Welche Pläne haben Sie hinsichtlich der Pensionsverpflichtungen von rund 80 Millionen Euro?

Mathys: Die Pensionsverpflichtungen sind für Gigaset im Laufe der letzten Jahre aufgrund der Zinsentwicklung zu einer immer größeren Last geworden – gerade als Unternehmen, das eine Rechnungslegung nach IFRS verfolgt. Im Moment sieht es danach aus, als würde sich das Thema so nach und nach wieder etwas entspannen. Die Pensionsverpflichtungen werden das Bilanzbild und die Eigenkapitalquote von Gigaset allerdings weiterhin stark prägen. Fast zwei Drittel der Anspruchsberechtigten sind heute nicht mehr bei Gigaset beschäftigt. Ungeachtet dessen ist es eine Verpflichtung gegenüber ehemaligen Mitarbeitern, die wir übernommen haben und erfüllen.

Redaktion: In den vergangenen zwei Jahren haben Sie das Unternehmen neu aufgestellt. Ist dieser Prozess nun abgeschlossen oder müssen Sie noch einige Hausaufgaben erledigen?

Weßing: Die Hausaufgaben enden nie. Ich vergleiche ein Unternehmen gerne mit einem Fluss: Es ist ständig in Bewegung. Man muss die sich stetig verändernden Bedingungen immer wieder aufs Neue analysieren und beurteilen und versuchen dabei vor allem extreme Ereignisse vorherzusagen. Das bedeutet jeden Tag neue Hausaufgaben. Das macht den Job aber auch so faszinierend. Die Kommunikationstechnik hat sich in den letzten 30 Jahren exponentiell entwickelt. Immer neue Techniken, Funktionen und Designs haben den Markt extrem wachen lassen. Sollte die Entwicklungsgeschwindigkeit in den kommenden Jahren weiter anhalten, werden wir bald eine ganz neue Art von Kommunikation erleben. Ich – und damit, glaube ich, kann ich für alle Kollegen bei uns im Haus sprechen – freuen uns auf diese Möglichkeiten. Wir sehen uns gut für die Zukunft aufgestellt. Vom Produkt bis zum Vertrieb – wir haben Grund, optimistisch zu sein.

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