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Gregor Gysi So sieht das marxistische Traumland aus:
Was Gregor Gysi verschweigt

Gastautor: Rainer Zitelmann
04.05.2018, 14:27  |  4006   |   |   

Endlich verrät uns ein Marxist, wie der wahre Marxismus in der Praxis ausgesehen hat. Gregor Gysi hat das Geheimnis gelüftet.

Angesichts von 100 Millionen Toten durch den Kommunismus sind die Marxisten in Erklärungszwang. Damit sie den 200. Geburtstag ihres Helden dennoch feiern können, behaupten sie, alle Systeme, die sich auf Marx beriefen, hätten ihn missbraucht, missverstanden usw. Das wirkt nun freilich ziemlich lächerlich, denn wenn jemand sagt, die "richtige" Idee sei in 170 Jahren niemals umgesetzt worden, dann muss man sich ja fragen, ob das nicht doch an der Idee selbst liegt.

Gregor Gysi hat dieses Dilemma erkannt und hat jetzt ganz willkürlich wenigstens drei sozialistische Versuche herausgekramt, die den "wahren Marx" richtig verstanden hätten. Und diese drei seien alle nur deshalb gescheitert, weil man sie militärisch kaputt gemacht habe. Gysi im DEUTSCHLANDFUNK: "Die Linke ist natürlich geschwächt, weil der Staatssozialismus gescheitert ist, und so, wie er war, ist er ja auch zurecht gescheitert. Aber es gab ja nur drei Versuche eines demokratischen Sozialismus, wie es sich vielleicht auch Karl Marx vorgestellt hat. Das eine war die Pariser Kommune, die ist militärisch zerschlagen worden. Das zweite war der Prager Frühling, 1968 unter Dubcek in der CSR, auch militärisch kaputt gemacht worden. Und der dritte Versuch war von Allende in Chile, auch militärisch kaputt gemacht worden. Das ist interessant. Der demokratische Sozialismus hatte noch nie eine Chance."

Nun, der "demokratische Sozialismus" in der CSR war vor allem eine Revolte gegen den sowjetischen Kommunismus. Er fing so an, wie alle Revolten dieser Art, nämlich als Versuch, einen "besseren Sozialismus" umzusetzen. So begannen bekanntlich auch die Demonstrationen gegen das DDR-Regime. Die Sowjets fürchteten damals der "Prager Frühling" werde eine Eigendynamik entwickeln und im Kapitalismus enden. Und hätten sie ihn nicht mit Panzern niedergeschlagen, dann spricht viel dafür, dass es genau so gekommen wäre - wie bei allen antikommunistischen Aufstanden später (Polen, DDR usw.), die logischerweise "systemimmanent" begannen und schließlich das sozialistische System komplett beseitigten. Den "Prager Frühling" als eigenständiges, funktionierendes Musterbeispiel für den wahren "demokratischen Sozialismus" anzuführen, ist jedenfalls sehr abenteuerlich.

Und Chile, das andere Beispiel von Gysi? In der Tat ist in Chile Allendes Sozialismus durch einen Militärputsch beendet worden, dem eine Diktatur folgte. Was Gysi verschweigt: Gescheitert war der Sozialismus in Chile schon davor.

So sieht Gysis Traumland aus
Im September 1970 wurde in Chile der Kandidat der Unidad Popular, Salvador Allende, mit knappen 36,5 Prozent der Stimmen zum Präsidenten gewählt. Faszinierend war dies für viele Linke deshalb, weil erstmals ein strammer Marxist durch demokratische Wahlen an die Macht gekommen war. Marxisten kamen bis dahin üblicherweise durch gewaltsame Revolutionen an die Macht oder wurden von der Sowjetunion nach dem Zweiten Weltkrieg eingesetzt - so wie in der DDR oder Nordkorea.

Die erste Maßnahme des neuen Präsidenten war die Verstaatlichung der Kupferminen, der wichtigsten Einnahmequelle Chiles. Da die Sozialisten der Meinung waren, die von amerikanischen Firmen betriebenen Kupferunternehmen in Chile hätten in der Vergangenheit zu hohe Profite erzielt, bekamen diese nicht nur keine Entschädigung, sondern stattdessen noch nach ihrer Enteignung eine Rechnung präsentiert. Zügig wurden Banken und weitere Unternehmen verstaatlicht. Als Allende 1973 gestürzt wurde, lag der staatliche Anteil an der Industrieproduktion bei 80 Prozent. Die Mieten und die Preise für Grundnahrungsmittel wurden durch den Staat festgesetzt, die Gesundheitsversorgung kostenfrei angeboten.

Die sozialistische Regierung setzte vor allem auf den staatlichen Sektor. Die Beschäftigung beim Staat und in staatlichen Firmen weitete sich zwischen 1970 und 1973 um 50 bzw. 35 Prozent aus. Die Sozialausgaben stiegen in nur zwei Jahren real um fast 60 Prozent, was zur großen Popularität der Regierung beitrug. Finanziert wurde das alles durch Staatsschulden und eine Ausweitung der Geldmenge, nicht durch gestiegene Steuereinnahmen. Das Haushaltsdefizit wuchs allein 1971 im Vergleich zum Vorjahr von 3,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes auf 9,8 Prozent. Während die öffentlichen Investitionen um über zehn Prozent stiegen, fielen die Investitionen in der Privatwirtschaft 1971 um fast 17 Prozent. Das ist kein Wunder. Private Unternehmer, die befürchten müssen, dass ihr Unternehmen enteignet wird, investieren natürlich nicht mehr. In den Jahren 1970 bis 1973 wurden insgesamt 377 Unternehmen in Chile verstaatlicht.

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Kommentare

Zitat von bmann025: In Argentinien scheitert gerade der Kandidat der West-Oligarchen klaeglich, obwohl der das Tafelsilber des Landes ans Ausland verramscht hat.

In Brasilien hat der lokale, vom US Deep State unterstuetzte Oligarch eine selbst fuer lateinamerikanische Verhaeltnisse aussergewoehnlich korrupte Diktatur errichtet.

Und in der Ukraine schauts nun so aus:
https://twitter.com/BungeeWedgie/status/992447454703443969

PS. In Venezuela gibt es im Gegensatz zu Deutschland Oppositionsmedien, Oppositionsgouverneuere und grosse und einflussreiche oppositionelle Verbaende. Und freie Wahlen.


wer war für ein NEUES Ukraine?

wer war öffentlich für ein Deutschland vertreten ?

#Link: http://archiv.friedenskooperative.de/netzwerk/om14-077.htm

und jetzt solche Bilder :laugh: erziehung der Linksfaschisten zeigt wirkung nach 4 Jahren

Bild: 10815_20180506092000_ukraine001
In Argentinien scheitert gerade der Kandidat der West-Oligarchen klaeglich, obwohl der das Tafelsilber des Landes ans Ausland verramscht hat.

In Brasilien hat der lokale, vom US Deep State unterstuetzte Oligarch eine selbst fuer lateinamerikanische Verhaeltnisse aussergewoehnlich korrupte Diktatur errichtet.

Und in der Ukraine schauts nun so aus:
https://twitter.com/BungeeWedgie/status/992447454703443969

PS. In Venezuela gibt es im Gegensatz zu Deutschland Oppositionsmedien, Oppositionsgouverneuere und grosse und einflussreiche oppositionelle Verbaende. Und freie Wahlen.
Bei G20 traf ich einen ehemaligen Bauern aus Venezuela. Mit seinen Anekdoten hat er bestätigt, was Herr Zitelmann hier so treffend umschreibt. Er war der einzige Mann bei Verstand in einem Heer von Idioten mit marxistischen Botschaften.

Und darin liegt die Tragik. Spätestens die 4.te Generation im Kapitalismus, die nie das Elend miterlebt wünscht sich wieder den Sozialismus herbei. Damit ihre Enkelkinder nach dem Zusammenbruch den Mist wieder aufräumen können. Das wird die Menschheit auf ewig quälen.

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