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Marktkommentar: Steve Glod (BLI): Investieren in Japan – eine Nation am Scheideweg?
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Marktkommentar Steve Glod (BLI): Investieren in Japan – eine Nation am Scheideweg?

Nachrichtenquelle: Asset Standard
07.05.2018, 12:35  |  876   |   |   

Steve Glod stellt Fortschritte, die Japan in den vergangenen Jahren verzeichnet hat und die Zukunft von Abenomics, auf den Prüfstand.

Fünf Jahre sind vergangen, seit Shinzo Abe bei seiner Ernennung zum Premierminister versprach, Japans Wirtschaft mit seinem ehrgeizigen Abenomics-Programm wieder fit zu machen und der langjährigen Deflation ein Ende zu setzen. Seit einiger Zeit ist seine Reputation etwas angeschlagen, wobei seine politische Zukunft durch seine mögliche Verwicklung in den Morimoto-Skandal kurzzeitig gefährdet schien. Obwohl der Skandal so gut wie überstanden ist, zeigt der zeitweilige drastische Rückgang von Abes Beliebtheit, wie anfällig die Unterstützung durch seine Anhänger und Wähler ist. Vor diesem Hintergrund scheint es angebracht, die Fortschritte, die Japan in den vergangenen Jahren verzeichnet hat, erneut auf den Prüfstand zu stellen und Fragen zur Zukunft von Abenomics zu stellen.


Die Erfolge

Im September 2013, als ich den ersten Artikel zu diesem Thema schrieb, wurde immer deutlicher, dass die aggressive Geldpolitik und die daraus resultierende Abwertung des Yen die Deflation in den Griff bekommen und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbessern würden. Seither haben die Unternehmensgewinne und die Aktienkurse eine beeindruckende Aufwärtsentwicklung verzeichnet, gleichzeitig ist eine klare Verbesserung der wirtschaftlichen Lage zu konstatieren. Dank der Abwertung des Yen und der soliden Entwicklung der Weltwirtschaft sind die Exporte kräftig gestiegen, während die Binnennachfrage und die Investitionen der privaten Haushalte, der Unternehmen und der öffentlichen Hand Auftrieb durch die Verbesserung der Vertrauensindizes und die gelockerte Geldpolitik erhalten haben.

Obwohl sich die geld- und haushaltspolitischen Elemente der Agenda zumindest auf kurze Sicht als erfolgreich erwiesen haben, steht das Urteil über den Erfolg der Strukturreformen, der so genannten dritten und zweifelsohne wichtigsten Säule des Abenomics-Programms, noch aus. Im März 2014 hatte ich dazu einen Artikel geschrieben. Seither sind dank verschiedener Reformen und politischer Maßnahmen in Bereichen wie Steigerung der Frauenerwerbsquote, Corporate Governance und Tourismus greifbare Fortschritte erzielt worden, so dass diese drei Bereiche als absolute Abenomics-Erfolgsstorys gelten.

 

Ausländische Touristen (in Millionen)     

Grafik: Ausländische Touristen


Quelle: Japan Tourism Marketing Co.

 

Zahl der weiblichen Beschäftigten in Japan (in Millionen)   

Grafik: Zahl der weiblichen Beschäftigten in Japan


Quelle: Innen- und Kommunikationsministerium

 

Diese Fortschritte kamen unserem Japan-Portfolio zugute. Zu den zahlreichen Nutznießern des schwächeren Yen zählen global präsente Fertigungsunternehmen wie Fanuc, Weltmarktführer bei Industrierobotern und CNC-Steuerungen, Komatsu, weltweit zweitgrößter Hersteller von Bau- und Bergbaumaschinen, und Tadano, Hersteller von Industriekränen. Die Aktienkurse von Einzelhändlern wie des größten japanischen Discounters Don Quijjote und von Kosmetikunternehmen wie Kose und Kao wurden durch den Zustrom ausländischer Touristen beflügelt. Das Zeitarbeitsunternehmen Persol Holdings ist seit langem dafür bekannt, Frauen die Chance auf eine Teilzeit- bzw. befristete Beschäftigung zu geben, und ist damit ein Hauptnutznießer des von Abe ausgerufenen Ziels: die Steigerung der Frauenerwerbsquote. Die Verbesserung der Corporate Governance und die erhöhte Nachfrage seitens japanischer Pensionsfonds haben die Nachfrage nach erstklassigen Wachstumsaktien, die den Großteil unseres Portfolios bestreiten, befeuert. Die Beziehung zwischen der Performance des Portfolios und den Veränderungen auf dem Gebiet der Corporate Governance wurde in einem 2015 veröffentlichten Blog ausführlich erörtert.

 

Performance von BL-Equities Japan im Vergleich zum MSCI Japan-Index

Grafik: Performance von BL-Equities Japan im Vergleich zum MSCI Japan-Index

Quelle: Bloomberg

 

Die Kehrseite der Medaille

Aber auch bei Abenomics ist nicht alles Gold, was glänzt. Die Kritiker werden nicht müde, auf den offensichtlichen Reformstau in mehreren Schlüsselbereichen hinzuweisen. Yuki Masujima von Bloomberg Economics zufolge ist das stockende Wachstum der Arbeitsproduktivität eine der Hauptschwächen der Abenomics-Strategie. Viele Experten zeigen sich auch vom zu zaghaften Aufbrechen der Verkrustungen am Arbeitsmarkt enttäuscht. Dringend erforderlich wären Maßnahmen zum Abbau von Dauerüberstunden, zur Verbesserung der Work-Life-Balance, zum Abbau der Lohnungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern und Beschäftigtenkategorien (Voll- und Teilzeitbeschäftigte) und zur Förderung des Wechsels von Arbeitskräften aus Unternehmen mit niedriger zu solchen mit hoher Produktivität.

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