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Dank Wind und Solar: Der Ölpreis wird nie wieder auf 150 Dollar steigen

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
08.05.2018, 08:16  |  482   |   |   

Ende April machte die Meldung die Runde, dass ein Ölexperte es für möglich hielte, dass der Erdölpreis in einigen Jahren auf über 300 US-Dollar pro Barrel steigen könnte. Zu 100 % ausschließen kann man das natürlich nicht, aber einige Kalkulationen legen nahe, dass selbst die Marke von 150 US-Dollar (bzw. 120 Euro) niemals übertroffen wird.

Die sogenannten Ölexperten

Es gibt nur wenige Dinge, die Marktbeobachter intensiver analysieren als den Ölpreis. Noch immer gilt dieser als wichtiger Konjunkturindikator. Ist er zu teuer, kann er zu Inflation und Stagnation führen. Ist er zu billig, bekommen die exportierenden Länder Probleme, was ebenfalls globale Verwerfungen nach sich ziehen kann.

So wurde zum Beispiel Anfang 2016 vielerorts Panik geschoben, weil der Kurs nach unten crashte. Einstellige Notierungen könnten in Kürze erreicht werden, wurde zum Teil prognostiziert – und das sei auch für Europa furchtbar, weil es zu Deflation führen würde. Daran, dass es vielleicht gar nicht so schlecht ist, Milliarden an Sprit- und Heizkosten einzusparen, hatten sie dabei weniger gedacht – aber das nur nebenbei.

Schon bald hatte sich der Ölpreis in der Folge wieder normalisiert und pendelt nun seit Längerem um die in meinen Augen gesunde Marke von 60 US-Dollar. Dabei soll es aber nicht ewig bleiben. Der Hedgefondsmanager und ausgewiesene Petroleum-Experte Pierre Andurand ist überzeugt, dass derzeit viel zu wenig in die Exploration von neuen Ölfeldern investiert wird. Deshalb könnten irgendwann Angebot und Nachfrage so aus dem Gleichgewicht geraten, dass der Preis auf 300 US-Dollar hochschießt.

Darum wird weniger investiert

Ölservice-Firmen wie Schlumberger (WKN:853390) leiden schon seit einiger Zeit darunter, dass weder die Ölmultis noch die kleinen Explorationsunternehmen richtig viel Geld in die Hand nehmen wollen, um nach neuen Vorkommen zu bohren.

Die Gründe sind vielfältig. So hat sich etwa das unbändige Wachstum der Schwellenländer wieder normalisiert, sodass sich die Lage nachfrageseitig entspannt hat. Zudem wird bald die Verkehrswende einsetzen, wodurch der Verbrennungsmotor auf lange Sicht an Bedeutung verlieren wird. Dass die Nordamerikaner mit ihren umstrittenen Fracking-Methoden zudem in der Lage sind, angebotsseitig richtig Druck zu machen, lässt neue Projekte in vielen Fällen unattraktiv erscheinen.

Damit die weltweiten Investitionen wieder signifikant ausgeweitet werden, bräuchte es dreistellige Kurse, findet Pierre Andurand. Ansonsten passiere nicht genug, um den künftigen Bedarf decken zu können – mit den beschriebenen Folgen einer Preisexplosion. Aber daran glaube ich nicht.

Wind und Solar machen den Unterschied

Der saudische Ölminister Khalid Al-Falih träumt seinerseits davon, dass die früheren Hochs von knapp 150 US-Dollar zurückkommen mögen. Für die Weltwirtschaft sei das durchaus verkraftbar. Mag sein – allerdings geht es auf den internationalen Rohstoffmärkten nicht darum, was verkraftbar wäre, sondern welcher Preis durch Angebot und Nachfrage zustande kommt.

Wenn man nur die vorgenannten Aspekte betrachtet, finde ich es schwierig einzuschätzen, in welche Richtung das Pendel ausschlagen wird. Es gibt jedoch noch ein weiteres Argument: Der Boom der Erneuerbaren Energien. Unter den Stichworten Power-2-Gas und Power-2-Liquids wird derzeit intensiv daran geforscht, wie man regenerativ erzeugten Strom zur Herstellung von synthetischen Brennstoffen wie Wasserstoff, Methan, Ethanol und Biodiesel nutzen kann.

Das Problem bisher: die hohen Kosten. Bisher kamen diese Methoden in kommerziellen Projekten nur bei Ölpreisen von über 100 US-Dollar in Frage. Mittlerweile wurden jedoch einige Durchbrüche erzielt, welche die Kosten voraussichtlich radikal senken werden. Im März präsentierten beispielsweise Karlsruher Wissenschaftler in Zusammenarbeit mit Sunfire und anderen europäischen Partnern eine Anlage, die mit einer Effizienz von bis zu 80 % Elektrizität in Methan umwandelt. Bisher seien 54 % der Standard gewesen.

Was die Energieerzeugung angeht, zeigt der Kostentrend bei Photovoltaik und Windkraft steil nach unten, wie beispielsweise Vestas (WKN:913769) in ihrer neuesten Investorenpräsentation zeigt. Bei neu hereingenommenen Aufträgen werden nur noch 730.000 Euro je MW Kapazität (onshore) bezahlt. Ein Jahr zuvor waren es noch 880.000.

Der Auslastungsfaktor von Windturbinen (Verhältnis von tatsächlicher und theoretischer Anlagenkapazität) lag bisher onshore bei rund 25 % und offshore bei etwa 45 %. General Electric (WKN:851144) gibt nun einen sensationellen Wert von 63 % für ihre geplante 12-MW-Turbine an. Senvion (WKN:A2AFKW) verspricht mit ihrem Pendant eine beeindruckende Kostenreduktion von 40-50 % über die Laufzeit gegenüber aktuellen Modellen. Die Entwicklung der Super-Turbine innerhalb eines stark besetzten europäischen Konsortiums hat am 1. Mai Fahrt aufgenommen. Nordex (WKN:A0D655) auf der anderen Seite hat vor wenigen Tagen ein hocheffizientes 4.8-MW-Onshore-Modell vorgestellt, das bereits 2019 zur Verfügung steht.

Berücksichtigt man dann noch, dass Ingenieure daran arbeiten, kostengünstige Energiespeicher in Windparks einzubinden, um eine kontinuierlichere Stromerzeugung bereitzustellen, dann hat man alle Komponenten für eine saubere und relativ preiswerte Herstellung von synthetischen Brennstoffen zusammen.

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