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Softbank-Gründer bringt neuen Venture-Fonds

Gastautor: Thomas Gräf
15.05.2018, 14:10  |  1254   |   |   

Softbank-Gründer Masayoshi Son hat einen Venture-Fonds aufgelegt, der über enorme Kapitalreserven verfügt und in aufstrebende junge Technologie-Unternehmen investiert. Die schiere Größe des Fonds bringt die ganze Branche durcheinander.

Bis vor kurzem galten Jeff Bezos, Elon Musk oder Jack Ma als die Avantgarde der Tech-Investoren. Nun hat vor zwei Jahren mit Masayoshi Son, dem Gründer der japanischen Tech-Holding Softbank, ein neuer Player die Bühne betreten. 2016 hat Son rund 45 Milliarden US$ vom saudischen Kronprinzen Muhammad bin Salman überreicht bekommen, um die Einnahmen des Königshauses zu diversifizieren. Zusammen mit eigenen Einlagen in Höhe von 28 Milliarden US$ und dem Geld weiterer Investoren – auch Apple ist mit knapp einer Milliarde dabei – kommt der “Vision Fund” auf ein Anlagekapital von  100 Milliarden US$ – mehr als die 64 Milliarden, die alle US-Venture-Capital-Fonds im Jahr 2016 zusammen an neuen Mitteln einnahmen. 

Mittlerweile hat der Fonds bereits fast 30 Milliarden US$ in aufstrebende Tech-Firmen gesteckt. Zum Vergleich: Im Jahr 2017 investierten die US-Venture-Capital-Fonds zusammen allein 84 Milliarden US$. Doch Masayoshi Son steht unter Erfolgsdruck: Ein Großteil des Fondsvermögens ist darlehensfinanziert, die Investoren wollen Rendite sehen, um tilgen zu können. „Die Kombination aus Gigantismus, Grandezza und garantieren Auszahlungen könnte im Desaster enden”, warnt der Economist: Der Vision Funds könnte den schwindelerregenden Höhepunkt des Tech-Booms markieren.

Doch selbst wenn der Fonds floppen sollte, wird er das Investieren in Technologieunternehmen nachhaltig verändern, indem er Unmengen an Geld in Spitzentechnologie wie Robotik, das Internet of Things und weitere Technologieunternehmen pumpt. Bereits heute gehören dem Vision Fund Anteile am Chiphersteller ARM, an Uber, der Coworking-Firma WeWork und dem indischen E-Commerce-Unternehmen Flipkart. In fünf Jahren will der Fonds in 70 bis 100 “Einhörner” investiert sein – Firmen, die beim Börsengang mindestens eine Milliarde Dollar erlösen.

Die gesamte Venture-Capital-Industrie wird vom Vision-Fund durchgerüttelt: Um mit der Softbank mithalten zu können, muss die Branche eigene, noch größere Fonds auf die Beine stellen. Sequoia Capital, einer der größten Tech-Investoren im Silicon Valley, hat bereits ein acht Milliarden US$ schweres Vehikel aufgelegt. Sons Geld fließt nicht nur ins Silicon Valley; auch in Europa haben bereits junge Unternehmen von dem Geldsegen aus Fernost profitiert: 500 Millionen US$ gingen an den britischen VR-Entwickler Improbable – Rekord auf dem britischen VC-Markt. Auch der deutsche Online-Autohändler AutoA1 durfte sich über eine Kapitalspritze von rund einer halben Milliarde Dollar freuen. 

Masayoshi Sons Plan ist es, aus Softbank eine Art “virtuelles Silicon Valley” zu machen: Eine Plattform, auf der Einhörner sich vernetzen, um Wissen, Kapital und Ideen zu tauschen – und zu kooperieren: Derzeit orchestriert der Vision Fund seine Beteiligungen an Fahrdienstvermittlern wie Uber, Grab und Didi Chuxing dergestalt, dass die Unternehmen weniger Cash im Konkurrenzkampf verbrennen und dafür mehr Synergien nutzen – quasi als virtuelles Kartell. 

Befürworter von Sons Scheckbuch-Philosophie weisen darauf hin, dass die Kapitalspritzen der Softbank zumindest dafür sorgen, dass kleine Tech-Unternehmen sich nicht zwangsläufig von Google, Amazon, Apple und Facebook schlucken lassen müssen, um Kasse zu machen – was für willkommene Konkurrenz am Markt für Tech-Investitionen sorgt. Ähnliches könnte sich auch in China vollziehen, wo der Markt von den vier Tech-Giganten Baidu, Alibaba, Tencent und JD.com beherrscht wird. 

Kritiker führen dagegen ins Feld, dass die gigantischen Kapitalspritzen, mit denen der Vision Fund um sich wirft, bei den Beteiligungsfirmen eher in Marketing und Vertrieb gesteckt werden, um Kundenbasis und Absatz zu fördern – statt weiter in die Entwicklung von Technologien und Produkten.

 

(TG)



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