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Statt ins US-Restaurant zu gehen, muss Europa lernen, wieder selbst gut zu kochen

Gastautor: Robert Halver
16.05.2018, 11:26  |  2601   |   |   

Bislang regnete es vom amerikanischen Himmel Brei und Deutschland hatte immer den größten Löffel. Die USA waren nicht nur unser treuer Beschützer. Als Bewahrer des Freihandels sorgte Amerika vor allem dafür, dass der Export zum erfolgreichen deutschen Geschäftsmodell wurde. Doch mit Trump ist Schmalhans Küchenmeister im Weißen Haus geworden.

Das Schlaraffenland Made in USA wird geschlossen

Einen Vorgeschmack auf die amerikanische Handels-Diät bietet Trumps Iran-Politik. Mit seiner einseitigen Kündigung des Atomabkommens hat er ganz Europa außenwirtschaftliche Magerkost verordnet: Wenn unsere Unternehmen ihre Geschäftsaktivitäten im Iran nicht beenden, drohen ihnen in den USA Sanktionen. Wie drakonisch diese ausfallen können, haben die Milliardenstrafen für europäische Banken im Nachgang der Immobilienkrise gezeigt. Jedes europäische Unternehmen, dessen Management noch ganz bei Trost ist, wird sich jetzt aus dem Iran zurückziehen. Die im Vergleich zum Iran deutlich praller gefüllten Fressnäpfe in Amerika genießen Priorität. Niemand will es sich mit Küchen-Häuptling „Tweeting Bull“ verscherzen.

Sollte Amerika Anfang Juni auch noch nachhaltige Zölle auf europäische Stahl- und Aluminiumimporte verhängen, wird die EU schon aus Gründen der Gesichtswahrung Gegenmaßnahmen ergreifen. Diese würde Trump wiederum mit weiteren Zöllen auf z.B. deutsche Autos beantworten. Im schlimmsten Fall wird das nährreiche Geschäftsmodell Export zu low carb.  

Aktuell muss man zwar noch nicht unken. Der Welthandel zeigt sich noch nicht „diätös“. Doch hat sich die Exportstimmung in Deutschland bereits eingetrübt. Fast ein Viertel der vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag befragten deutschen Unternehmen sieht in der steigenden Zahl von Handelsbarrieren und der Bevorzugung der eigenen Unternehmen - übrigens nicht nur in Amerika - ein Handelsrisiko.

Viele Köche verderben den europäischen Brei

Aufgrund der bislang von Amerika ausgelösten Fresswelle galt in Europa und Deutschland bis dato das Motto „Voller Bauch studiert nicht gern“. Doch jetzt droht uns Trump Magerquark an. In solchen hungrigen Zeiten offenbaren sich die Qualitäten von Politikern. So haben Adenauer mit seiner deutsch-französischen Annäherung, Schmidt mit der deutsch-französischen Freundschaft und Kohl gemeinsam mit Mitterand als Vollender der Europäischen Union in entscheidenden Zeiten den europäischen Herd immer warmgehalten. Und gegen Trump muss Europa jetzt vereint die nächste Küchenschlacht gewinnen. Wir dürfen uns nicht auf FdH setzten lassen. Sonst macht Trump uns mit den Hunger Games zu seiner Kaltmamsell. 

Die Vorschläge Macrons für mehr Europäische Integration muss man ja nicht zu 100 Prozent gutheißen. Aber eine klare Antwort darauf oder noch besser konkrete Gegenvorschläge sind die klare Bringschuld Deutschlands. Das passive Moderieren und das bloße Schwingen der Moralkeule in Berlin gegen Trump bringen keinen Erfolg. Hilfreich ist es auch nicht, wenn sich deutsche Parteien dem Kochkurs verweigern: „Lieber politisch nicht kochen als schlecht kochen.“ Wenn Polit-Deutschland in dieser ernsten Lage Europas nicht ordentlich den Kochlöffel schwingt, wann dann?

Europa kann diese Aufgabe nicht an die EZB delegieren, die als Kartoffelschäler und Karottenschnippler zwar einen tollen Job macht, aber für die eigentlich gute Küche nicht zuständig ist. Erst die harmonische Zusammenarbeit der nationalen Köche mit guten Reform-Zutaten sorgt dafür, dass der europäische Binnenmarkt wirtschaftspolitisch zum Sterne-Restaurant wird.  

If you can't stand the heat, get out of the kitchen!

In Europa muss Deutschland mit gutem Beispiel vorangehen. Bei uns kommt außer ein bisschen Kohle kein Gas oder Öl aus der Erde. Um unser Wohlstandsniveau zu sichern, sind wir daher gezwungen, technisch innovativ zu sein. Wir müssen erfinden, entdecken, entwickeln und danach produzieren und verkaufen.

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Wertpapier
Kohle


4 Kommentare

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Kommentare

oh, es gibt neue Entwicklungen. Das Füllhorn wird von D jetzt doch ausgepackt zulasten von deutschen NATO Verplichtungen (2% und so). Kein weiteres Material für die Bundeswehr um es für den NATO Verteidigungsfall verrosten zu lassen. Die bisherige Ausrüstung reicht auf jeden Fall für die europäische Verteidigung. Ein bisschen mehr gute Arbeit in der BW in Organisation und fachgerechter Arbeit im Service, und die Karre schnurrt wieder (Frauen unter die Panzer...). Europa wird jubeln, wenn es mehr Geld für welchen europäischen Etattopf auch immer gibt. Dafür kann man dann auch eiserne Disziplin (3%/60%) fordern.
Frau Merkel hat schon Russland eingebunden, das dieser Verteidigungsfall durch den alten Erzfeind des Westens niemals zum tragen kommt. Dafür gibt's wieder Maschinen für die russische Wirtschaft.
Ich sagte doch, das die Italiener nur Minestrone nach dem ureigenen Rezept können ( Koalitions-vereinbarung). Was der Franzose Macron so als europäischer Feinschmecker für Zutaten vorschlägt, ficht doch die Spagettination nicht an; hatte der etwa etwas vorgeschlagen; wir haben davon noch nichts gehört und der immer mit seinen Deutschen....
War es nicht Frank-Walter Steinmeier, der als Aussenminister Trump einen Hassprediger nannte ?
War es nicht das Umweltministerium von Frau Barbara Hendricks (SPD), die mitten im USA Wahlkampf Millionen an die Clinton Stiftung überwies und so Hillary Clinton direkt unterstützte ?

Die GroKo hat so viel Porzellan im Verhältnis mit den Republikanern in den USA zerschlagen, dass Deutschland nun die Folgen zu spüren bekommt.
Die Deutschen können keine europäische schmackhafte Suppe kochen. Darin sind nur so Kotzbrocken wie "schwarze Nullen" und "60% Schuldenquote" drin. Das kann den Franzosen und Italienern nicht schmecken. Die sollen in den Augen der Deutschen auch noch halbverhungert am Stock gehen wie die Griechen. Deswegen gibt's auch vorerst keine Antworten auf ehrgeizige, neue Pläne für Europa. Solange diese europäischen Kernstaaten nicht zeigen wollen, wenigstens mal die 3% als schmackhafte Suppeneinlage anzuerkennen, wird es kein europäisches Festmahl geben, weil König "Scholz Schmalhans" kein Füllhorn bereithält mit dem nötigen Suppengrün.
Einen Einheitsbrei wird's so schnell nicht geben, sondern vielleicht lt. Siggi eine grosse platzende Breiblase des ungeniessbaren Machwerks.

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