DAX+0,65 % EUR/USD+0,05 % Gold+0,74 % Öl (Brent)-0,90 %

Mittelstand nicht über einen Kamm scheren / Neue Studie zu Unternehmenskulturen im Mittelstand Flexibilität schafft Erfolg / Fachkräftemangel erzeugt "Run for Experience"

Nachrichtenagentur: news aktuell
17.05.2018, 11:38  |  222   |   |   
Frankfurt (ots) - Flexibilität und Kundennähe sind aus Sicht von
Inhabern und Geschäftsführern die entscheidenden Erfolgsfaktoren
mittelgroßer Unternehmen. Die Grundlage dafür bilden eine direkte
Kommunikation im Unternehmen mit wenig Hierarchien sowie die
Fähigkeit, auch schnelle Entscheidungen treffen und umsetzen zu
können. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "Black Box Mittelstand",
die das Demographienetzwerk ddn und die Unternehmensberatung EY
gemeinsam durchgeführt haben. Größtes Problem im Mittelstand bleibt
der Fachkräftemangel, aber auch der Wertewandel bei den Jüngeren
kommt in den Firmen an und stellt die Firmen vor neue
Herausforderungen. Die Bedeutung der Digitalisierung wird je nach
Marktumfeld sehr unterschiedlich bewertet.

"In mittelgroßen Unternehmen läuft aufgrund ihrer Struktur und
Kultur vieles richtig, was Großunternehmen nach einer gewissen Zeit
oft wieder neu erlernen müssen", kommentiert Dr. Eva Voß, Leiterin
New Ways of Working bei EY die Ergebnisse der Studie. Besonders
bemerkenswert sei, dass die befragten Inhaberinnen und
Geschäftsführer ausdrücklich eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe in
ihren Unternehmen bevorzugen und hierarchischem Denken eine Absage
erteilen.

Rudolf Kast, Vorstandsvorsitzender des Demographienetzwerks ddn
sieht mit der Studie ein weiteres Vorurteil ausgeräumt. "Der
Mittelstand hinkt eben gerade nicht in allen möglichen
Management-Disziplinen hinterher, sondern hat seine eigenen Wege, zu
Lösungen zu kommen", so Kast. Er sieht insbesondere im
Verantwortungsbewusstsein von Inhabern den Grund, dass auch
substanzieller über Zukunftsthemen wie die Digitalisierung
nachgedacht werde.

Digitalisierung unterschiedlich bewertet

Zwar erleben die Inhaber und Geschäftsführerinnen in der Praxis,
dass nicht alle Beschäftigten mit den Anforderungen der
Digitalisierung mithalten können oder wollen. Was genau sich hinter
der Digitalisierung verbirgt, und inwieweit das eigene Unternehmen
oder Geschäftsmodell betroffen ist, wird allerdings sehr
unterschiedlich bewertet. Während Effizienzsteigerungen bei
administrativen Prozessen überall an der Tagesordnung sind, werden im
handwerklich-gewerblichen Umfeld deutlich Grenzen erkennbar: Vielfach
sind technische Lösungen nicht ausgereift oder Kunden nicht bereit.
Dennoch sehen mehr als zwei Drittel der Befragten in der
Digitalisierung Wachstumschancen. Für Dr. Eva Voß von EY auch ein
Hinweis darauf, dass man den Mittelstand nicht über einen Kamm
scheren sollte. "Mittelstand ist absolut vom Markt bestimmt. Wir
haben in unserer Studie fünf verschiedene Zugangsmuster gefunden, die
teilweise sehr unterschiedliche Anforderungen haben. Pauschale
Lösungen erwecken da zu Recht Skepsis", so Voß.

Fachkräftemangel, Wertewandel und Kritik an Ausbildung

Drei Viertel der Befragten sind der Meinung, dass Wissen und
Erfahrung älterer Beschäftigter ihrem Unternehmen zukünftig fehlen
werde. Für Rudolf Kast ist die Reaktion des Mittelstandes auf
Demografie und Fachkräftemangel entscheidend. "Angesichts des leer
gefegten Arbeitsmarktes erleben wir gerade einen Run for Experience.
Die Unternehmen wollen erfahrene Leute halten und beginnen sogar,
sich mit der Rekrutierung Älterer anzufreunden." Zugleich kommt der
Wertewandel der jüngeren Generation in den Unternehmen an, erlebt
auch Kast: "Die Ansprüche steigen, die Loyalität nimmt ab, die
generelle Bedeutung von Arbeit ebenso." Kritisch äußern sich die
Befragten in der Studie zum Ausbildungsniveau von Schulen und
Hochschulen.

Diversity nein, Vielfalt ja

Schwer fällt es den meisten der Befragten, sich auf das Thema
Diversity einzulassen. Der Begriff ist teilweise sogar gänzlich
unbekannt oder wird eher als akademisches Konzept oder als soziale
Verpflichtung wahrgenommen, weniger als ein Element der
Personalstrategie. Zugleich sind sich alle Befragten einig, dass die
Fähigkeit zur Innovation zukünftig mehr unterschiedliche Beschäftigte
benötigt. Und auch in der Praxis ist man angesichts des
Fachkräftemangels über weite Strecken vorurteilsfrei: Wer arbeiten
kann, der darf. Dr. Patricia Heufers, Diversity-Expertin bei EY,
sieht in diesem Ergebnis auch einen Anlass, Diversity-Konzepte
stärker praxisorientiert auszurichten. "Dass die Vielfalt an Menschen
eine Vielfalt an Ideen ist, schätzen alle. Wir müssen uns fragen: Wie
können wir diese Vielfalt stärker sichtbar machen und aktivieren?"

Über die Studie

Im Rahmen der Studie "Black Box Mittelstand" wurden im Zeitraum
von Januar bis März 2018 ausführliche Tiefeninterviews mit 30
Inhaberinnen und Inhabern sowie Geschäftsführerinnen und
Geschäftsführern im Mittelstand geführt. Dabei wurde die offizielle
EU-Definition mittelgroßer Unternehmen mit einer Größe von 50 bis 249
Beschäftigten und einer Umsatzgröße von mehr als 10 Millionen bis 50
Millionen Euro zugrunde gelegt. Neben der Frage nach den
entscheidenden Erfolgsfaktoren wurden dabei die Schwerpunkte
Seite 1 von 2


0 Kommentare

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Disclaimer

Meistgelesene Nachrichten des Autors

Titel
Titel
Titel
Titel