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    Urlaubs-Paradiese  709  0 Kommentare Reisen wird zum Selbstzweck

    Fresach (pte040/18.05.2018/14:30) - Während Flüchtlinge in Europa ein sicheres Paradies zum dauerhaften Verbleib sehen, suchen Europäer und Menschen aus anderen Industriestaaten in der Ferne vor allem Urlaubs-Paradiese für kurze Aufenthalte. Im Rahmen der Europäsichen Toleranzgespräche 2018 http://fresach.org haben der deutsch-indische Philosoph Pravu Mazumdar und die Sozialanthropologin Ingrid Thurner beleuchtet, was der moderne Tourismus für verschiedene Kulturen bedeutet - und das Problem angesprochen, dass die Reise dabei oft zum reinen Selbstzweck verkommt.

    Oberflächliche Paradiese

    In der Tourismusindustire feiert "der edle Wilde, der von der Anthropologie längst aufgegeben wurde, fröhliche Urständ", meint Thurner. Denn die Menschen geben sich gerne der Illusion hin, dass es dort, wo es wenig Zivilisation gibt, auch deren negative Begleiterscheinungen nicht gibt. Also reisen wohlstandsgelangweilte Bürger zu laut Katalog "traumhaften", "märchenhaften" Destinationen - beispielsweise in den afrikanischen Busch. "Die Dörfer dort sind paradiesisch schön, aber nur zum Anschauen", sagt die Sozialanthropologin. Denn Einheimische, die Probleme wie Arbeitslosigkeit oder Klimawandel mitbekommen, wollen oft weg - und das dauerhaft.

    Für moderne Touristen freilich genügt solch ein oberflächliches Paradies in der Regel. Denn für die "Gücksmaschine Tourismus" ist das ein Herzstück, so Philosoph Mazumdar. "Das ferne Urlaubsparadies ist so etwas wie das sekularisierte himmlische Paradies", erklärt er, nicht mit dem Tod zu bezahlen sondern einfach mit klingendem Geld. "Komischerweise möchte man in diesem Paradies nicht bleiben", führt der Philosoph aus. Für den Menschen der modernen Konsumgesellschaft ist das so normal, dass er es sich kaum anders vorstellen kann - obwohl sich die Frage aufdrängt, ob Tourismus-Reisen nicht die persönliche Entwicklung gefährden.

    Reisen ohne einen Sinn

    Thurner verwies einerseits darauf, wann Touristen reisen. Eine Fernreise zu Weihnachten, Skiurlaub zu Ostern, Kurztrips zu den Feiertagen um Pfingsten - gereist wird vielfach zu Zeiten, die traditionell eher der spirituellen Einkehr dienen sollten. "Touristisches Reisen ist äußerst stressig", betont zudem Mazumdar. Denn oft treffen durchstrukturierte Zeitpläne, was wann zu erleben ist, auf lange Warteschlangen an Attraktionen und Sehenswürdigkeiten.

    Zwar relativierte Thurner, dass Müßiggang "nicht nur auf Balkonien" möglich sei, sondern auch Fernreisen an exotische Destinationen wie Thailand durchaus der Entspannung dienen könnten. Allerdings ortet die Sozialanthropologin einen Trend zur Sinnlosigkeit im Tourismus. "Die Reise an sich ist der Zweck", erklärte sie. In vergangenen Epochen der Menschheitsgeschichte dagegen hatten Reisen stets einen klaren Zweck wie Forschung, Bildung oder Gesundheit.

    Widerstandsfähige Kulturen

    Die mit Reisen in ein Urlaubs-Paradies verbundene "touristische Urangst, dass dieses Paradies zerstört wird", dass Kulturen nicht mehr vorkommen, ist für Thurner so problematisch wie unbegründet. Denn es sei eigentlich ein elitärer Ansatz, dass Kulturen rückständig bleiben sollten, um Paradiese zu erhalten. In der Praxis zeige sich zudem, dass "viele Kulturen dem Tourismus hohe Widerstandskraft entgegensetzen können" - ob nun in Kärnten oder im tiefsten Afrika.

    Probleme gäbe es der Sozialanthropologin zufolge vor allem dann, wenn Kapazitätsgrenzen überschritten werden oder wenn Einheimische sich zu stark ausgenutzt fühlen, da sie für einen auch für lokale Verhältnisse zu kargen Lohn hart schuften. Davon abgesehen gilt eigentlich überall auf der Welt das Prinzip "Geld nehmen, lächeln". Solange das funktioniert, bestehen die Kulturen nebeneinander.

    Fotos zu den Europäischen Toleranzgesprächen 2018 in Villach und Fresach stehen unter folgenden Links als kostenlose Downloads zur Verfügung:

    Love-Tour '18 zu Europäischen Toleranzgesprächen Villach
    http://fotodienst.pressetext.com/album/3674

    Tourismusforum zu den Grenzen des Wachstums
    http://fotodienst.pressetext.com/album/3673

    Europäische Toleranzgespräche 2018: Empfang in Villach
    http://fotodienst.pressetext.com/album/3672

    Verleihung des Europäischen Toleranzpreises in Fresach
    http://fotodienst.pressetext.com/album/3671

    100 Jahre Republik: Festival der Toleranz
    http://fotodienst.pressetext.com/album/3670

    Franz Alt eröffnet UnternehmerInnentag in Fresach
    http://fotodienst.pressetext.com/album/3676

    (Ende)

    Aussender: pressetext.redaktion
    Ansprechpartner: Thomas Pichler
    Tel.: +43-1-81140-314
    E-Mail: pichler@pressetext.com
    Website: www.pressetext.com

    [ Quelle: http://www.pressetext.com/news/20180518040 ]




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