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Auswirkungen auf Investitionen der Anleger Schleichende Inflation in den USA

Gastautor: Stefan Keller
22.05.2018, 14:14  |  898   |   |   

Starke Konjunkturzahlen und ein unerwartet hohes Lohnwachstum in den USA haben die US-Zinsen in den letzten Monaten in die Höhe getrieben und die Finanzmärkte unter Druck gesetzt. Inflation und Zinssätze haben große Auswirkungen auf verschiedene Teile der Wirtschaft, einschließlich Konsum und Investitionen. Vorausgesetzt, dass die Inflation überschaubar bleibt, müssen sich Aktienanleger dennoch keine Sorgen machen.

Außerdem stehen Anlegern verschiedene Instrumente zur Verfügung, mit denen sie ihr Portfolio vor einem Inflationsanstieg schützen können. Eine Inflation erhöht die Warenkosten und wirkt sich folglich auf die Kaufkraft der Verbraucher aus, während steigende Zinsen die Kreditkosten in die Höhe treiben und Investitionen verlangsamen können.

Inflation auf dem Weg nach oben
Eine Inflation kann daher bedeutende Auswirkungen haben – aber wie genau sehen diese aus? Die Inflation, die das allgemeine Preisniveau widerspiegelt, kann unterschiedliche Größen und Formen annehmen. Die am häufigsten verwendeten Indikatoren zur Beobachtung von Preisänderungen sind der Erzeugerpreisindex und der Verbraucherpreisindex (VPI). Im Mittelpunkt steht dabei der VPI, eine Kennzahl, die den gewichteten Durchschnitt der Preise eines Warenkorbs bestehend aus Waren und Dienstleistungen untersucht und zur Ermittlung der Inflation dient. Der Warenkorb für Waren und Dienstleistungen umfasst Lebensmittel, Konsumgüter sowie Miet- und Energiekosten.

In den USA ist der Warenkorb seit geraumer Zeit teurer. Die jüngsten Zahlen deuten auf einen Anstieg von 2,5 Prozent in den letzten zwölf Monaten hin, und die Erholung der Rohstoffpreise, insbesondere des Ölpreises, hat sicherlich zu diesem Anstieg beigetragen. Ohne Lebensmittel und Energie (zwei Elemente, die anfällig für drastische Schwankungen sind und somit die Inflationsentwicklung verzerren können) lag die Inflation bei 2,1 Prozent.

In der Eurozone bleibt die Inflation niedrig – das heißt unter dem EZB-Ziel von zwei Prozent. Die Zentralbank geht davon aus, dass die Inflation bis Ende 2020 noch weiter sinkt.

Auswirkungen auf Investitionen
Inflation bedroht die Ersparnisse und Investitionen der Anleger. Die meisten Anleger, die ihre langfristige Kaufkraft zumindest erhalten wollen, streben Renditen an, die über der Inflationsrate liegen. Eine Investition mit einer Rendite von drei Prozent ergibt bei einem Inflationsniveau von zwei Prozent eine reale Rendite von nur einem Prozent. Diejenigen, die ausschließlich in Anleihen anlegen und ihr Portfolio nicht ausreichend diversifizieren, könnten folglich vor dem Hintergrund einer höheren Inflation negative reale Renditen verbuchen. Es ist ebenso wichtig, von der realen Verzinsung einer Anleihe zu sprechen – nicht von ihrer Nominalverzinsung.

Die Inflation kann sich jedoch auch positiv auf andere Anlageklassen wie Aktien oder Rohstoffe auswirken. Die Rohstoffpreise legen in der Regel mit steigender Inflation zu. Bei Aktien variieren die Auswirkungen mit dem Anstieg der Inflation und dem betreffenden Zeitraum. Tatsächlich kann es kurzfristig zu einer negativen Korrelation zwischen Aktien und Inflation kommen. Ein unerwarteter Anstieg der Inflation kann auch zu konjunkturellen Unsicherheiten führen, wie es zu Beginn des Jahres der Fall war. Im Allgemeinen werden Aktien jedoch längerfristig von der Inflation profitieren. Unternehmen können sogar ihren Produktpreis erhöhen, wenn die Kosten aufgrund der steigenden Inflation anziehen. Höhere Preise können nach einer Anpassungsperiode zu einem höheren Gewinnwachstum führen.

Verschiedene Studien haben gezeigt, dass Aktien zu Beginn eines Inflationszyklus gut abschneiden. Eine gesunde Inflation ist in der Tat ein Nebenprodukt eines sich verbessernden wirtschaftlichen Umfelds, sodass eine Inflationsrate zwischen 1,5 und 2,5 Prozent im Allgemeinen positiv für die Aktienbewertungen ist.

Schutz für das Anleiheportfolio
Vorausgesetzt, dass die Inflation überschaubar bleibt – das heißt nicht negativ oder übermäßig hoch – müssen Aktienanleger sich keine Sorgen über einen Anstieg machen. Anlegern in Anleihen stehen verschiedene Instrumente zur Verfügung, mit denen sie ihr Portfolio vor einem Inflationsanstieg schützen können:

  • Über inflationsindexierte Anleihen

Inflationsindexierte Anleihen sind Staatsanleihen, deren Zins- und Nominalwert im Einklang mit der Inflation steigen. Dies hält die Kaufkraft der Anleger stabil. Inflationsindexierte Anleihen scheinen insbesondere in den USA attraktiv zu sein und werden von einem starken Inflationszyklus gestützt, auch wenn die jüngsten Zahlen weniger überzeugend sind. Aber auch in der Eurozone sind die Chancen groß, da sich die Inflationserwartungen positiv entwickeln und die Bewertungen attraktiv sind.

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