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DEUTSCHE BANK IM FOKUS Neuer Chef mit Herkulesaufgabe - Wende muss her

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
25.05.2018, 09:56  |  408   |   |   

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die einst so stolze Deutsche Bank hat den Anschluss zur internationalen Konkurrenz verloren - und bei der Hauptversammlung am Donnerstag musste sich der Aufsichtsratschef Paul Achleitner sogar mehrere Mal anhören, dass selbst die früher gerne mal belächelte Commerzbank in vielen Punkten inzwischen an der Deutschen vorbeigezogen ist. Interne Querelen mit zwei Chefwechseln seit Anfang 2015 verunsichern die Mitarbeiter und Investoren, der Aktienkurs liegt am Boden. Der aus dem eigenen Stall kommende neue Chef Christian Sewing muss es jetzt richten. Die wichtigsten Punkte für das Unternehmen, was die Experten sagen und wie es für die Aktie läuft:

DAS IST LOS BEI DER DEUTSCHEN BANK:

Die Erträge müssen hoch und die Kosten runter - und das bei nach wie vor dünner Kapitaldecke, strengeren Regeln für Banken und anhaltend niedrigen Zinsen in der Eurozone. Vielen Experten mutet das wie eine Quadratur des Kreises an. Sewings Aufgabe ist sicherlich derzeit eine der schwersten in der Branche. Gelingt ihm der Umbau der Bank? Zumindest trauen ihm dies die meisten Anleger zu.

So bekam er bei der Hauptversammlung am Donnerstag viel Unterstützung. Viele Anleger rechnen Sewing hoch an, dass er fast sein gesamtes Berufsleben in der Bank verbracht hat. Es kommt gut an, dass er nicht wie viele Investmentbanker auf der Suche nach immer höheren Boni von Bank zu Bank gepilgert ist.

Es bleiben zwar Zweifel über die Chancen, den Tanker Deutsche Bank wieder in sichereres Fahrwasser und bessere Zeiten zu steuern. Untätigkeit lässt sich Sewing jedoch nicht vorwerfen. Er kündigte nach nur 46 Tagen im Amt pünktlich zur Hauptversammlung den weiteren Abbau von Tausenden Stellen an. So soll die Zahl der Mitarbeiter von 97 000 auf "deutlich" unter 90 000 fallen. Damit geht der Stellenabbau unter Sewing noch etwas weiter, als sein im April überraschend gefeuerter Vorgänger John Cryan ursprünglich geplant hatte. Allerdings hatten viele Experten mit einem noch höheren Stellenabbau gerechnet.

Jedoch blieb Sewing bei den Details vage. Die Frage ist nun, was unter dem "deutlich" zu verstehen ist. Hinter vorgehaltener Hand wird eher eine Zahl um die 85 000 genannt - aber mit Rücksicht auf die laufende Integration der Postbank hat sich Sewing wohl noch zurückgehalten. Fest steht: Die Deutsche Bank hat hier noch viel aufzuholen - andere große Häuser wie die Schweizer UBS haben in den vergangen Jahren viel stärker gekürzt und sich konsequenter auf das neue Umfeld ausgerichtet. So verdienen die meisten Geldhäuser inzwischen wieder Milliarden, während die Deutsche Bank zuletzt drei Jahre in Folge Verluste schrieb; und auch 2018 dürfte angesichts der Kosten für den Stellenabbau unter dem Strich allenfalls ein Mini-Gewinn herauskommen. Viele Experten rechnen erneut mit roten Zahlen.

DAS SAGEN DIE ANALYSTEN UND EXPERTEN:

Analysten und andere Experten sind nach wie skeptisch, ob der Bank die Wende gelingt. Viele fragen sich, wo die Erträge herkommen sollen - zumal der Personalabbau dabei ja nicht hilft. So hatte Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Union Investment auf der Hauptversammlung gesagt: "Der sukzessive Umbau des Geschäftsmodells und das Zurechtstutzen des Investmentbankings gleichen einer Operation am offenen Herzen. Wie wollen Sie es schaffen, Geschäft aufzugeben und Kosten zu reduzieren, ohne massiv Marktanteile und Erträge zu verlieren?"

Ähnlich sehen es die meisten Aktienexperten, die auf die Ankündigung des stärkeren Stellenabbaus ungewohnt zurückhaltend reagierten. Viele lobten zwar den Ansatz, wollen jetzt aber erst einmal sehen, ob es auch klappt, das Geschäft zu steigern. So lobte beispielsweise Goldman-Sachs-Experte Jernej Omahen das bekräftigte Renditeziel für 2021, die Kostenziele und weitere zur Hauptversammlung gemachte Ankündigungen. Er betonte aber in einer Studie auch, dass die Herausforderungen weiterhin sehr hoch seien.

Er zählt mit einem Kursziel von 12,70 Euro zu den größten Optimisten der 22 von dpa-AFX erfassten Experten. Mehr hat kaum einer auf dem Zettel - doch trotz des weit über dem aktuellen Niveau liegenden Ziels stuft auch Goldman Sachs die Aktie derzeit nur mit "Neutral" ein. Derzeit gibt es unter den von dpa-AFX erfassten Analysten gerade mal zwei Kaufempfehlungen - diesen stehen zehn Verkaufstipps entgegen. Die Kursziele reichen dabei von 8 bis 14 Euro.

DAS IST DIE KURSENTWICKLUNG:

Die Entwicklung der Aktie ist mit einem Wort desaströs - sowohl kurz-, als auch mittel- und langfristig. In den vergangenen zehn Jahren stürzte der Kurs der Aktie um mehr als 80 Prozent ab. Unter den großen Instituten haben nur jene Banken mehr verloren, die zwischenzeitlich Staatshilfe gebraucht hatten oder die immer noch von den Regierungen gestützt werden. Eigentlich sollte der erfahrene Finanzmanager Paul Achleitner das Blatt wenden. Aber seit seinem Amtsantritt im Mai 2012 hat sich der Kursverfall noch einmal verschärft - seitdem ging es um 60 Prozent nach unten.

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