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ROUNDUP/Italienische Aktien verlieren nach Populisten-Aus an Rückenwind

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
28.05.2018, 10:49  |  489   |  110   |   

MAILAND (dpa-AFX) - Der anfängliche Rückenwind für den italienischen Aktienmarkt durch das überraschende Aus für die europakritische Fünf-Sterne-Bewegung und die rechte Partei Lega ist am Montagmorgen schnell wieder verloren gegangen. Nach anfänglichen Kursgewinnen von in der Spitze 2 Prozent beim FTSE MIB lag der italienische Leitindex zuletzt nur noch knapp mit 0,09 Prozent im Plus bei 22 417,98 Punkten.

Am Markt wurde angesichts der Ausschläge auf eine vorerst gescheiterte Regierungsbildung durch die beiden populistischen Kräfte verwiesen. Deren gemeinsamer Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten, Giuseppe Conte, hatte am Sonntag nach nur vier Tagen den Regierungsauftrag an Staatspräsident Sergio Mattarella zurückgegeben. Grund dafür war vor allem der Streit über die geplante Ernennung eines ausgewiesenen Euro- und Deutschland-Kritikers zum Finanzminister.

Am Markt machte sich daraufhin zunächst Erleichterung breit, nachdem das aus den Koalitionsplänen resultierende Konfliktpotential mit der EU an den Kapitalmärkten zuletzt für Unsicherheit gesorgt hatte. Allerdings schwand die Euphorie der Anleger schnell wieder, als sich die Auffassung durchsetzte, dass der Regierungsbildungsprozess vor dem Hintergrund erwarteter Neuwahlen ein potenzieller Unruhefaktor bleibt. Laut Holger Schmieding, Chefvolkswirt bei Berenberg, ist es unwahrscheinlich, dass sich die politisch vertrackte Situation dabei in irgendeiner Weise auflösen wird.

"Umfragen signalisieren derzeit einen Stimmenzuwachs für die populistischen Parteien", warnte am Morgen auch die britische Großbank HSBC in einem Kommentar. Angesichts hoher Erfolgsaussichten der Lega bei Neuwahlen seien Spannungen innerhalb des Währungsraums wohl nur aufgeschoben, sagte Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen. Außerdem droht eine Verfassungskrise, weil die Fünf-Sterne-Bewegung ein Amtsenthebungsverfahren gegen Staatspräsident Mattarella einleiten will, da er die Regierungsbildung blockiert hat.

Im Zuge dieser Ernüchterung büßten die anfänglich stark gestiegenen Finanzwerte ihre Gewinne sogar gänzlich ein. Unicredit tauchten nach einem frühen Satz nach oben um mehr als 4 Prozent zuletzt mit 0,3 Prozent in die Verlustzone ab. Intesa Sanpaoolo waren nach zeitweisem Anstieg um etwa 3 Prozent sogar mit 1,2 Prozent in den roten Bereich abgerutscht.

Neben Aktien schwand der Rückenwind auch bei anderen Anlageklassen. Der Euro kehrte nach einem zeitweisen Anstieg über 1,17 US-Dollar wieder unter diese Marke zurück. Zuletzt wurden 1,1681 Dollar für die Gemeinschaftswährung gezahlt. Auch bei italienischen Staatsanleihen schmolzen die Kursgewinne im Laufe des Vormittags wieder dahin./tih/fba

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Kommentare

https://www.handelsblatt.com/politik/international/staatsver…

"Sollte Rom im Haushaltsstreit nicht einlenken, droht eine neue Schuldenkrise."


Nach allem was man von und über Salvini und Co. hört ist es sehr unwahrscheinlich dass "Rom einlenkt".
Mal sehen wie die neuen puts mit Basis 1€ die heute von der CoBa rauskommen gepreist sind...
Pleite ist zu hart. Zahlungsunfähig heisst dass nicht alles bezahlt wird. Die Regierung kann politisch entscheiden wer kein Geld bekommt.
Wenn ich mehr ausgeben will und keiner gibt mir Kredit dann muss ich auch Prioritäten setzen.
Wenn du sagst dass der italienische Staat pleite geht, dass aber für Intesa und Unicredit kein Problem sei, dann sehe ich das - mit Verlaub- anders. Um es höflich zu formulieren.
Es wird dieses Jahr schon interessant werden weil Italien bis Dezember 56 Mrd braucht und die EZB nur 1,6 Mrd im Monat kauft.
Hoffe dass die Märkte Tria die Arschkarte zeigen. Kein Geld für Volksverdummer. Weil es es ist dummdreist Geld zu versprechen das man nicht hat.
steigerwälder du solltest dir merken dass die wirtschaftliche Intelligenz der deutschen Presse gleich der Quadrarwurzel einer Erbse ist. In Italien wird nächstes Jahr der Staat zahlungsunfähig. Er wird seine Beamten und seine Rechnungen nicht mehr bezahlen können weil der Finanzminister am Markt keine Kredite mehr bekommt. Die werden auch zu 25% keinen Kredit bekommen.
Ab Januar stellt die EZB die Anleihekäufe ein und ab Februar muss die italienische Regierung der Bevölkerung erklären warum Sie sie die versprochenen Renten nicht mehr bezahlen kann.
Das gibt Turbulenzen aber für Intesa und UniCredit ist das zu bewältigen weil die Margen in Italien höher sind. Risiko lohnt sich auch hier.

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