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ROUNDUP/Aktien Europa Schluss: Italien zieht die europäischen Börsen runter
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ROUNDUP/Aktien Europa Schluss Italien zieht die europäischen Börsen runter

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
29.05.2018, 18:51  |  558   |   |   

PARIS/LONDON/MAILAND/MADRID (dpa-AFX) - Die politischen Spannungen in Italien mit ihren Ansteckungsgefahren für die Finanzmärkte haben auch am Dienstag die europäischen Börsen nicht losgelassen. Die negative Dynamik nahm zu. Alle wichtigen Handelsplätze verloren deutlich, wobei die südeuropäischen Börsen die stärksten Abgaben verzeichneten. Der italienische FTSE MIB fiel um 2,65 Prozent auf 21 350,88 Punkte. Der EuroStoxx 50 als Leitindex der Eurozone gab um 1,56 Prozent auf 3428,14 Punkte nach.

Nach dem Scheitern der Regierungsbildung in Italien zieht dort nun eine institutionelle Krise herauf. Die geplante europakritische Koalition zwischen der Fünf-Sterne-Bewegung und Lega war am Sonntag geplatzt, weil Präsident Sergio Mattarella angesichts der Unruhe an den Finanzmärkten den Euro- und Deutschland-kritischen Finanzminister des Bündnisses nicht absegnen wollte.

Mattarella hatte dem parteilosen Finanzexperten Carlo Cottarelli den Regierungsauftrag erteilt. Es wird jedoch erwartet, dass dieser das Vertrauen im Parlament nicht bekommt, da Lega und Fünf Sterne dort die Mehrheit haben. Für diesen Fall hatte er angekündigt, das Land bis zu einer Neuwahl ab September zu führen. "Die Möglichkeit, dass es zu einer populistischen Regierung kommt, ist somit weiter gegeben", schrieb Volkswirt Christian Schmidt von der Helaba in einem Kommentar. Wahlversprechen wie Steuersenkungen in dem hoch verschuldeten Italien und die Anti-EU-Haltung der Lega und der Sterne verunsichern Anleger und EU-Partner zunehmend.

Der Pariser CAC 40 verlor am Dienstag 1,29 Prozent auf 5438,06 Zähler. Tief im Minus mit 2,49 Prozent auf 9521,30 Punkten schloss auch der spanische Ibex-35-Index . In Madrid sorgt die Politik ebenfalls für Unruhe. Das Parlament wird am Donnerstag und Freitag über einen Misstrauensantrag gegen Ministerpräsident Mariano Rajoy debattieren und abstimmen. Der Londoner FTSE 100 sank nach seiner feiertagsbedingten Vortagespause um 1,26 Prozent auf 7632,64 Punkte.

Schwächster europäischer Sektor waren am Dienstag die Banken mit minus 3,18 Prozent. Im EuroStoxx rutschten die Anteile der spanischen Banco Santander als Schlusslicht um 5,43 Prozent ab. Deutsche Bank verloren 4,60 Prozent, die Aktien der französischen BNP Paribas 4,46 Prozent und die der italienischen Intesa Sanpaolo 4,09 Prozent.

Am Markt sei man skeptisch, ob dem Finanzexperten Carlo Cottarelli überhaupt die Bildung einer Regierung gelingen werde, schrieb Analystin Azzurra Guelfi von der Citigroup. Die politische Ungewissheit könne auf die Konjunktur durchschlagen. Die Verunsicherung fand am Anleihemarkt ihren Widerhall: Die Rendite zehnjähriger italienischer Anleihen stieg auf den höchsten Stand seit dem Jahr 2014.

Zudem könnte laut Marktbeobachtern die EZB angesichts der stark steigenden Renditen in der Peripherie der Eurozone die Normalisierung ihrer Geldpolitik hinauszögern. Damit würde sich die Perspektive steigender Zinsen - von der die Geldhäuser profitieren - ebenfalls zeitlich verschieben. "Das mindert den Anreiz, überhaupt Aktien von Banken zu besitzen", sagte Analyst Arnaud Girod vom Investmenthaus Kepler Cheuvreux.

Der Sektor der Ölwerte war in der Stoxx-600-Branchenübersicht mit plus 0,42 Prozent der einzige mit positiven Vorzeichen. Die Ölpreise zeigten am Dienstag nach zum Teil deutlichen Verlusten an den Vortagen wenig Regung. Die Papiere von Total gewannen als bester EuroStoxx-Wert 0,49 Prozent. Goldman Sachs ließ sie in einer aktuellen Studie auf der "Conviction Buy List".

Einen erheblichen Rückschlag erlitten in London die Aktien von Dixons Carphone . Nach einem enttäuschenden Gewinnausblick brachen die Papiere des britischen Elektronikhändlers um mehr als 20 Prozent ein./ajx/he

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