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Kuhhandel oder Innovation? Wer wird zukünftig den Hut bei der EZB Bankenaufsicht aufhaben?

30.05.2018, 07:08  |  2156   |   |   

Bei der EZB wird im nächsten Jahr einige personelle Veränderungen geben. Es geht um Daniele Nouy, Sabine Lautenschläger und Ignazio Angeloni. Gleichzeitig geht der Austritt Großbritanniens aus der EU in seine letzte Phase. 

Danièle Nouy ist noch bis Ende 2018 Chefin der EZB Bankenaufsicht (SSM). Ihren Bereich legt die Eigenkapitalanforderungen für 118 Banken fest und prüft, ob die Institute mit Risiken richtig umgehen. Nouys Amtszeit kann nicht verlängert werden und es drängt die Frage nach der Nachfolge.

Zu den aktuellen Themen von Danièle Nouy gehören die Themen Geldwäsche und Griechenland. Während Nouy die Griechen auffordert an dem Sparkurs weiter hart zu arbeiten, sieht sie sich mit drei Fällen von Geldwäsche in der Euro-Zone konfrontiert - allein 2018. Zuletzt ging es um die ABLV, die von der EZB mittlerweile als nicht mehr überlebensfähig eingestuft wurde. Eine große Schwachstelle innerhalb des Bankensystems ist, dass "die Überwachung und Durchsetzung der Anti-Geldwäsche-Gesetze nicht der EZB übertragen worden sei", so Nouy. Sie kündigte an, dass es eine fünfte Geldwäsche-Richtlinie geben wird. Damit soll der Austausch der nationalen Behörden mit der EZB bei Verdachtsfällen schneller funktionieren. "Das gilt bislang nicht ausdrücklich. Daher sind wir bisher völlig vom guten Willen der nationalen Behörden abhängig." so Nouy.

Seit gut vier Jahren wird die SSM immer wieder von Investoren dafür kritisiert, dass sie das Problem der Kreditvergabe in Europa nicht löst. "Die Umsetzung des SSM war und ist eine gewaltige Aufgabe", sagte Raymond Frenken, Sprecher der European Banking Federation, die rund 3.500 Banken vertritt. "Die möglichen Folgen des Brexits stellen eine weitere Herausforderung dar. Die Banken bitten die EZB um Klarheit und Orientierung, um sich rechtzeitig vorzubereiten.", so Frenken.

Falko Fecht, Professor an der Frankfurt School of Finance & Management, sagte "Nouy zeigte viel Neutralität, aber das spiegelt auch die Tatsache wider, dass sie bei Null angefangen hat". Und weiter: "Die nächste Generation ist vielleicht nicht so ungeschickt, und ich möchte, dass sie härter ist." Eine gegenteilige Meinung vertritt Jean Dermine, Professor für Banken und Finanzen an der INSEAD Business School, denn in seinen Augen sollte die Bankenaufsicht einen Teil der regulatorischen Belastung für Kreditgeber zurückschrauben - ähnlich wie es jetzt in den USA gemacht wurde.

Wer könnte Nouy beerben?

"Wir haben vielleicht nicht die beste Person für den Job", sagte Hans-Peter Burghof, Professor für Bankwesen an der Universität Hohenheim in Stuttgart. Sabine Lautenschläger ist Mitglied des Direktoriums der EZB, wo ihre Amtszeit bis 2022 läuft, und sie könnte die Nachfolgerin der französischen Nouy sein. Das würde zwar eine gewisse Kontinuität gewährleisten, doch könnte sich ihre Kandidatur als Hindernis erweisen, wenn sich Deutschland für die Zentralbankpräsidentschaft entscheidet.

Ein weiterer Name, der die Runde macht, ist Sharon Donnery, die stellvertretende Gouverneurin der irischen Zentralbank. Donnery leitet bereits die Taskforce der EZB für notleidende Kredite. Sie steht auch im indirekten Wettbewerb mit einem Landsmann, denn EZB-Ratsmitglied Philip Lane gilt als einer der führenden Anwärter auf die Mitgliedschaft im Direktorium, wenn der Belgier Peter Praet im nächsten Jahr zurücktritt. Der Italiener Ignazio Angeloni besitzt einen der vier SSM-Vorstandsposten, die die EZB direkt vergeben kann. Auch er könnte die Nachfolge von Nouy antreten.

Nach der Wahl einer neuen SSM-Führung durch den EZB-Rat werden die Ernennungen vom Europäischen Parlament und von den Regierungschefs genehmigt. Die SSM wünscht sich Klarheit über die Ernennungen bis spätestens September oder Oktober, so ein Aufsichtsratsmitglied gegenüber Bloomberg.

Bloomberg schreibt von einem "Kuhhandel zwischen Politikern" bei der EZB, der seinen Höhepunkt in der Nachfolgeregelung von Mario Draghi finden wird.

Quellen:

Bloomberg

Handelsblatt

 

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