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WOCHENAUSBLICK Politische Unsicherheit und Handelsstreit belasten Dax weiter

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
04.06.2018, 05:50  |  636   |   |   

FRANKFURT (dpa-AFX) - Dem Dax steht in der neuen Woche womöglich eine weitere Achterbahnfahrt bevor. Börsenexperten zufolge wird es für den deutschen Leitindex dabei eher weiter bergab gehen - ungeachtet der jüngsten Erleichterung darüber, dass in Italien nun doch eine reguläre Regierung gebildet worden ist. Auch die gelassene Reaktion der Anleger auf die am Freitag in Kraft getretenen US-Strafzölle auf europäische Stahl- und Aluminiumimporte könnte sich als wenig dauerhaft erweisen.

Zudem sehe es für den Dax nach der zuletzt eher schwachen Entwicklung auch charttechnisch nicht gut aus, hieß es aus dem Markt. Ein erneut starker US-Arbeitsmarktbericht gab dem Börsenbarometer vor dem Wochenende letztlich kaum Impulse. Auf Wochensicht steht ein deutlicher Verlust zu Buche.

In Italien kam am Freitag eine Regierung aus europakritischer Fünf-Sterne-Bewegung und rechtspopulistischer Lega ans Ruder. Staatspräsident Sergio Mattarella vereidigte in Rom Regierungschef Giuseppe Conte und die Minister.

"Die Hoffnung der Marktteilnehmer ruht nun darauf, dass sich die Euroskeptiker mit der Regierungsverantwortung soweit abarbeiten, dass sie die Zustimmung in der Bevölkerung verlieren", schreibt Claudia Windt von der Landesbank Helaba. Sie verweist auf Umfragen, denen zufolge eine große Mehrheit der Italiener für den Verbleib im Euroraum ist. Diese Hoffnung sei zwar nicht unbegründet, doch "die Tage europäischer Entspanntheit dürften erst einmal vorüber sein". Von einer Entspannung der Lage könne daher keine Rede sein.

"Zur Entwarnung besteht kein Anlass", meint auch Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, mit Blick über die Alpen. "Zwar ist der Wechsel in der Besetzung des Finanzministeriums ein weiteres Indiz dafür, dass die neue Regierung nicht auf einen schnellen Ausstieg aus dem Euro abzielt. Dies ändert aber nichts daran, dass sie gegenüber Brüssel einen Konfrontationskurs verfolgen wird. Denn das Regierungsprogramm mit seinen kostspieligen Vorhaben wie deutlichen Steuersenkungen, einer weitgehenden Rücknahme der letzten Rentenreform und einem Grundeinkommen für Arbeitslose gilt unverändert."

Derweil brachte in Spanien ein Misstrauensvotum den konservativen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy zu Fall. Sein Nachfolger ist Sozialistenchef Pedro Sánchez, der das Votum initiiert und genügend Abgeordnete der anderen Oppositionsparteien auf seine Seite gebracht hatte. Damit schienen Neuwahlen vom Tisch und die politische Stabilität wiederhergestellt, was dem Madrider Aktienindex Ibex 35 zusätzlich Auftrieb gegeben habe, schrieb Analyst David Madden vom Broker CMC Markets UK. Abzuwarten bleibt allerdings, ob es Sánchez gelingt, eine handlungsfähige Regierung auf die Beine zu stellen.

Mit Blick auf die jüngsten Nachrichten von jenseits des Atlantik betonte Madden, dass die Anleger die nun geltenden US-Strafzölle recht ungerührt hingenommen hätten. Das könnte sich aber rasch ändern, befürchtet Guido Schäfers im aktuellen Bernecker-Börsenbrief "Termin-Börse". "Die Lage spitzt sich zweifelsohne zu. Sollte es tatsächlich zu einem massiven Handelskrieg kommen, sind die Tage der steigenden Kurse an den wichtigsten Aktienmärkten gezählt."

Eine solche Eskalation ist durchaus denkbar, da die EU nun unter Zugzwang steht, entsprechende Vergeltungsmaßnahmen zu ergreifen. Denn es gibt Befürchtungen, dass US-Präsident Donald Trump daraufhin zusätzliche Branchen wie die exportstarke deutsche Autoindustrie mit höheren Abgaben belegen könnte. Wegen der drohenden Entsprechend dürften in der neuen Woche vor allem die Aktien der hiesigen Autohersteller und -zulieferer im Fokus stehen.

Ein Treffen der G7-Finanzminister und Notenbankenchefs vor dem Gipfel der Staats- und Regierungschefs am Wochenende brachte keine Entspannung - im Gegenteil. Im Streit um Strafzölle wollen die EU und Kanada US-Präsident Donald Trump Seite an Seite die Stirn bieten. Wenige Tage vor dem G7-Gipfel habe US-Finanzminister Steven Mnuchin eine unmissverständliche Botschaft mit auf den Weg bekommen, berichteten Teilnehmer. Sechs der sieben G7-Staaten forderten eine rasche Reaktion der USA.

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