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Zukunfts-Hype? Blockchain: Erst im Supply Chain Management und dann im Finanzbereich

05.06.2018, 10:11  |  2299   |   |   

Länder und Unternehmen loten die Potenziale der Blockchain-Technologie aus. Wie CNBC berichtet, gehen einige Experten davon aus, dass sie erst im Supply Chain Management und anschließend im Bereich der Finanzdienstleistungen eingesetzt wird. Fest steht für alle Beobachter, dass sie die Welt verändern wird. 

Tatsächlich hörte das Telekommunikationsunternehmen Cisco System nach 18 Monaten auf, Blockchain-Anwendungen für Finanzdienstleistungen zu erforschen, so CNBC. Das Unternehmen geht davon aus, dass es eine ganze Weile dauern wird, bis die vielen Akteure in den komplexen Märkten auf den neuesten Stand sind. Aus diesem Grund hat sich Cisco seit einem Jahr auf das Potenzial der Blockchain-Technologie im Bereich des Supply Chain Management (Wertschöpfungssystem bzw. Lieferkettenmanagement) fokussiert.

Anoop Nannra, Leiter der Blockchain-Initiative bei Cisco System, sagte im Mai 2018 gegenüber der CNBC, dass es noch etwa 10 Jahre dauern wird, bis sich die Blockchain-Technologie im Supply Chain Management wirklich durchsetzt. Für Finanzdienstleistungen rechnet Nannra mit fünf bis sogar 25 Jahren. "Es ist reine Vermutung", sagte Nannra. Und weiter: "Wenn man versucht einen Mentalitätswandel voranzutreiben, dann ist es meist eine Generation, die der Wandel braucht."

Erwartete Jahre für die breite Einführung der Blockchain-Technologie. Quelle: CNBC.

Unternehmen und Regierungen aller Branchen erforschen die Blockchain. Das Marktforschungsunternehmen IDC prognostiziert, dass sich die weltweiten Ausgaben für Blockchain-Lösungen in diesem Jahr auf 2,1 Milliarden Dollar mehr als verdoppeln werden, so ein Cowen-Bericht vom 24. Mai 2018. Demnach erwarten Führungskräfte und Experten im Durchschnitt 5,9 Jahre bis sich eine breite Akzeptanz für die Blockchain-Technologie durchgesetzt hat (siehe Grafik).

Theoretisch spart Blockchain - von Unternehmen oft als Distributed-Ledger-Technologie bezeichnet - Kosten und erhöht die Transaktionseffizienz, da die Technologie den Einsatz eines Drittanbieters, z. B. einer Bank, überflüssig macht. Bitcoin ist die erste Anwendung der Blockchain-Technologie mit Schwerpunkt im Zahlungsverkehr. Doch schon Ende letzten Jahres wurde vielen klar, dass die Blockchain-Technologie in vielen Fällen nicht unbedingt die beste Lösung ist. 

Mark Smith, CEO des Blockchain-Entwicklungsunternehmens Symbiont, sagte, dass sein Unternehmen nach vier Jahren Forschung die beste Technologie gefunden hat, wenn darum geht Prozesse wie die Datenerfassung effizienter zu automatisieren.

Unterdessen hat IBM mitunter die größten Blockchain-Projekte: 

- IBM hatte sich bereits 2016 mit UBS zusammengeschlossen, um die Handelsfinanzierung zu verbessern, indem es Blockchain zur Verifizierung von Transaktionen einsetzt und Zahlungen automatisch freigibt, wenn eine Sendung von einem Lager zu einem Flugzeug, LKW oder Boot fährt und in einem Hafen ankommt. Das Projekt heißt Batavia und mittlerweile sind fünf Banken: UBS, Bank of Montreal (BMO), CaixaBank, Commerzbank und Erste Group, beteiligt.

- Im August 2017 gab IBM bekannt, dass Walmart, Tyson Foods, McLane, Driscoll's und andere große Unternehmen der globalen Lebensmittelversorgungskette ein Konsortium zur Entwicklung einer Blockchain-Anwendung für die Industrie gegründet haben.

- Im Januar kündigten Maersk und IBM an, ein Joint Venture zu gründen, um die Effizienz im globalen Handel durch den Einsatz von Blockchain-Technologie zur Standardisierung der Datenerfassung zu verbessern.

"Bei Blockchain geht es wirklich um Vertrauen in Daten und Geschäftsprozesse", sagt Ramesh Gopinath, Vice President of Blockchain Solutions bei IBM. Die 4-Schlüssel-Elemente einer erfolgreichen Blockchain sind laut Gopinath: Mitglieder, Daten, Anwendungen und eine Programmierschnittstelle für Dritte.

Wenn Vertrauen der wahre Wert von Blockchain ist, sagen viele Enthusiasten, dann funktioniert die Technologie am besten nicht als neues System innerhalb eines privaten Unternehmens, sondern in ihrer reinen Form - eine Open-Source-Plattform, die öffentlich zugänglich ist und von einem globalen Netzwerk von Benutzern betrieben wird.

Im Bereich Supply Chain Management will Eximchain die erste öffentliche Plattform für die Branche mit Blockchain einführen. Das Unternehmen plant Benutzertransaktionen mit Quorum, einem Open-Source-Blockchain-Programm unter der Leitung von J.P. Morgan, zu verschlüsseln.

Auch die Finanzinstitute sind an der Blockchain-Technologie weiter dran. Die DTCC (Depository Trust & Clearing Corporation) plant, die Technologie zur Verwaltung von Kreditderivaten zu testen. Citigroup und Goldman Sachs gehören laut CB Insights zu den fünf Unternehmen, die in den sechs Jahren bis zum ersten Quartal 2018 am meisten in Blockchain investierten.

Blockchain stellt "eine große Veränderung im Finanzsystem dar", sagte William D'Angelo, Partner der Anwaltskanzlei Drinker Biddle in Los Angeles. "Die Menschen, die sich am meisten Sorgen machen, sind die Banken. Sie geben Millionen und Abermillionen von Dollar aus, um Blockchain-Anwendungen zu kreieren, damit sie sich nicht ausgeschlossen fühlen." so D'Angelo.

Inzwischen suchen jüngere Blockchain-Unternehmen nach Finanzbereichen, in denen die Technologie Sinn macht. Einige Start-ups nutzen die Technologie für grenzüberschreitende Zahlungen. Aber es bleibt abzuwarten, ob Start-ups oder Großunternehmen als erste den vollen Wert der Blockchain ausschöpfen werden.

Quelle:

CNBC

 

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