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Anzeige Hendrik Hey, Erfinder von Welt der Wunder, im Interview über ICOs

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14.06.2018, 07:59  |  5120   |   

Hendrik Hey startete 1996 bei ProSieben das erfolgreiche Wissensformat Welt der Wunder. Im Jahr 2013 erfüllte sich Hey den Traum vom eigenen TV-Sender: Welt der Wunder TV. Nun wagt der Unternehmer einen neuen Schritt und will über die Blockchain-Technologie und den MILC-Token ehemals kompliziert zugängliche Sendelizenzen transparent gestalten. In erster Linie geht es um ein B2B-Modell für einen bereits existierenden Markt. Die wallstreet:online Redaktion sprach mit Hendrik Hey über die Vor- und Nachteile von ICOs für Anleger aber auch Unternehmen.   

Sie befinden sich mit Welt der Wunder TV inmitten Ihres ICO’s, warum haben Sie dieses Mittel gewählt?

Hendrik Hey: ICOs sind noch junge Instrumente, aber sie läuten einen sehr spannenden Prozess ein, den ich als Tokenisierung der Industrie bezeichne. Ich glaube das hier ein großes Potenzial für die Wirtschaft schlummert. 

Was meinen Sie damit?

Hendrik Hey: Es stellt sich ja die Frage Token oder Coin vs. Aktie? Meiner Meinung nach verhält sich eine Aktie zu dem Gesamtwert einer Firma, wie ein Token zum Produkt derselben Firma. Beide haben große Ähnlichkeiten, aber auch Unterschiede. Diese gilt es zu bewerten. Gemeinsam ist, dass sowohl Token oder Coins, als auch Aktien gehandelt werden können. Das geschieht auf Krypto-Börsen, oder aber an klassischen Aktien Börsen. Hier bestimmt Angebot und Nachfrage den Preis. Dieser kann fallen oder steigen. In dem sind sich beide Instrumente sehr ähnlich.

Aber worin besteht der Unterschied?

Hendrik Hey: Eine Aktie ist ein Unternehmensanteil, ein Token aber meistens nicht.
Der vermeintliche Unternehmensanteil hat aber eigentlich nur für Großaktionäre eine wirkliche Bedeutung, wenn es z. B. um Einfluss auf eine Firma geht. Fest steht aber, dass ich mir für keine Aktie etwas von dem Unternehmen direkt kaufen kann. Bei einem Token, insbesondere bei einem sogenannten Utility Token, ist das meistens anders. Ich habe die Wahl den Token in Geld umzutauschen oder das Produkt der Firma, deren Token ich besitze, zu kaufen. Für eine Firma kann es sehr interessant sein, seinen Anleger auch zum Produktkauf zu motivieren. Die Token dienen hierfür als Zahlungsmittel. Persönlich finde ich das volkswirtschaftlich gesünder, da es ja die Aufgabe einer Firma sein sollte, gute Produkte herzustellen, die gekauft werden und nicht nur dem doch sehr spekulativen Shareholder Value hinterherzurennen.  

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Wo sehen Sie die Entwicklung der "Tokenisierung"?

Hendrik Hey: Für eine Firma, selbst wenn sie bereits börsennotiert ist, kann ein zusätzlicher Token-Layer ein enorm starkes Kundenbindungsinstrument sein und von sehr hoher Marketingbedeutung. Token-Investoren sind Produktinvestoren und bilden, wenn die Firma es richtig macht, eine gute und treue Community. Da Token ein Zahlungsmittel sind, lassen sich die Tokenbesitzer aber auch vielleicht für die weiteren Wachstumsziele der Firma als Investoren begeistern. 

Ein Beispiel?

Hendrik Hey: Wenn z. B. eine Firma wie Apple einen ICO machen und einen Token emittieren würde, kann man sich vorstellen, dass dieser ICO sicherlich alle Apple Fans dieser Erde interessieren würde. Was ist, wenn Apple jetzt sagen würde: „Liebe Tokenbesitzer, wollt ihr nicht in das noch zu entwickelnde IPhone 12 mit euren Token investieren?“  Man kann sich vorstellen, dass auch hier viele Tokenbesitzer mitmachen würden. Apple hat damit folgendes erreicht: Eine Community, die sich am Produkt beteiligt und natürlich sicher auch sofort Käufer des zukünftigen Produkts sind. Vielleicht sogar in Form von verbindlichen Vorbestellungen. Wenn man das auch mal auf kleinere Unternehmen herunterbricht, kann das für eine Firma für ihr Wachstum sehr viel Wert sein. Ich empfinde dies volkswirtschaftlich betrachtet als einen sehr konstruktiven Umgang mit seinen Kunden.

Soweit zum Thema Aktie vs Token, aber wie sieht es mit Venture Capital Unternehmen oder Private Equity Investoren aus?

Hendrik Hey: Ich glaube, dass immer weniger Firmen Interesse daran haben werden Anteile zu verkaufen. Ein ICO bringt einen in Kontakt mit der ganzen Welt. Alle ICO-Investoren wollen überhaupt gar keine Anteile an einer Firma. Sie wollen einen Token, der sich auf einem Zweitmarkt entwickeln kann. Dafür muss die Firma ihren Job gut machen. Man kann also sagen, dass der klassische Investor immer weniger Interessenten finden wird.

Ist das das Ende von Venture Capital oder Private Equitiy?

Hendrik Hey: Nicht unbedingt, denn auch für diese Investoren bietet die Tokenisierung Vorteile. Einen Anteil an z. B. einem Start-Up zu halten, hat nur bedingt einen Wert. Insbesondere wenn sich das Unternehmen nicht wie erwartet entwickelt. Man kann Anteile dann meistens schlecht verkaufen und wenn nur durch sehr aufwändige Prozesse. Ein Unternehmen aber als z. B. großer Tokenbesitzer zu unterstützen bedeutet, dass ich trotzdem einen indirekten Einfluss habe, denn das Unternehmen wünscht sich langfristige Tokenhalter. Ich kann aber trotzdem jederzeit meine Liquidität aus dem Unternehmen raus ziehen, in dem ich den Token wieder verkaufe.  

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Was bedeutet das alles für Ihr Unternehmen?

Hendrik Hey: Wir wollen als früher Industrietoken an dieser Entwicklung teilhaben und zukünftig noch enger mit unserer Community zusammenarbeiten und interagieren. Als Medienunternehmen, das ja von seinen Nutzern lebt, macht das glaube ich sehr viel Sinn. Schon jetzt erleben wir, wie unsere Community sich immer mehr zu Partnern entwickelt, mit denen man seine zukünftigen Strategien offen teilen kann.

Was raten Sie Investoren?

Hendrik Hey: Wenn man sich mit ICOs beschäftigt gilt das gleiche wie bei jedem Investment. Man muss die Firma prüfen und sich das Geschäftsmodell genau anschauen. Es handelt sich immer um Risikokapital. Die Firma sollte über eine rechtliche Einschätzung des ICOs seitens der zuständigen Regulatoren verfügen, um Rechtsicherheit für Investoren gewährleisten zu können. Zusätzlich muss man sich mit z. B. Wallets und Exchangeplätzen beschäftigen. Das ist aber nicht so schwer. 

Was raten Sie Firmen die sich mit dem Gedanken beschäftigen einen ICO zu machen?

Hendrik Hey: Das Geschäftsmodell muss passen. Es handelt sich um Ideen, die die innovative Blockchain-Technologie voranbringen soll. Einfach ein Geschäftsmodell mit einem Token zu versehen, kommt in der Regel nicht gut an. Die Zeit des schnellen Geldes ist vorbei. Krypto-Investoren prüfen inzwischen sehr genau. Gute Rechtsanwälte die einen bei der Zusammenarbeit mit staatlichen Regulatoren begleiten sind Pflicht. Der Aufwand ist inzwischen ähnlich wie bei einem Börsengang, man muss sich also auch auf Kosten einstellen.

Ansonsten halte ich aber ICOs für das Instrument des innovativen Mittelstands und denke, dass sie eine sehr große Zukunft haben. Wichtig ist aber, dass gute Mittelständler den ICO-Markt bereichern. Im Augenblick dominieren die Start-Ups, die ICO Welt. Das ist nicht schlecht, aber natürlich verfügen diese Unternehmen noch über keine Markterfahrung. Das Risiko ist also höher. Je mehr Profis sich jedoch in das Segment bewegen, desto mehr steigt auch das Vertrauen.


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