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Die Krise ist nicht vorbei Woran Anleger sich jetzt erinnern sollten

Gastautor: Max Otte
07.06.2018, 09:26  |  4019   |   |   

Der aktuelle Krimi in Italien zeigt uns, liebe Leser: Die seit nunmehr 10 Jahren anhaltende Finanz- und Schuldenkrise ist noch lange nicht ausgestanden. Wenn Italien am Euro schraubt, dann sind die letzten Tage des Euro eingeleitet. Italien hat die größten absoluten Staatsschulden in der Eurozone. Ein Austritt Griechenlands und Portugals wäre zu verkraften, nach einem Austritt Italiens wäre der Euro tot. Und das darf nicht sein.

 

Dabei sah es in den letzten Jahren doch gar nicht so schlecht aus, oder?

Positive Unternehmens- und Wirtschaftsdaten dominierten die Nachrichten. Auch die Politik kehrte zunehmend zum Tagesgeschäft zurück. Die Rufe nach einer effektiven Regulierung der Finanzmärkte wurden immer leiser. Und auch die einst zarte aber vernehmbare Selbstkritik der Ökonomen war kaum mehr zu hören.

 

Doch dies alles war nichts weiter als eine Fata Morgana

Eine wichtige Rolle in diesem Schauspiel haben auch die Ökonomen übernommen. Dabei sind ihre Vorhersagen immer mit sehr hoher Unsicherheit behaftet. Der Normalfall ist, dass die ökonomische Entwicklung nicht prognostiziert werden kann. Es gibt viele Belege dafür, dass die Prognosen der Realität der Wirtschaft hinterherlaufen. Zudem handelt es sich bei Krisen um gesellschaftliche Phänomene, die entscheidend durch die Erwartungen und Handlungen der Akteure geprägt werden. So könnten Prognosen zu ihrer eigenen Ungültigkeit führen. 

Die Finanzkrise 2008 ist durch ein System der organisierten Verantwortungslosigkeit ausgelöst worden, bei dem zumindest im Ursprungsland USA die Grundsätze soliden Finanz- und Rechtsgebarens flächendeckend ausgehebelt waren. Es lassen sich mindestens neun Gruppen von Akteuren ausmachen, die in der Krise eine Rolle gespielt haben. Alle haben massive Verantwortung für diese Krise auf sich geladen.

 

Notenbanken

Die amerikanische Federal Reserve Bank hing seit der 18-jährigen Amtszeit von Alan Greenspan der Doktrin an, dass sich durch die Ausdehnung der Geldmenge und künstlich niedrig gehaltene Zinsen Wirtschaftswachstum fördern ließe. Eine solche Politik bestraft Sparer und lädt zur Kreditaufnahme für riskante Projekte geradezu ein. Da die Dynamik der US-Wirtschaft nach 2001 insgesamt nachließ, suchte sich das viele Geld ungesunde Wege. Diese fand es, indem eine solide Anlageklasse, deren Preise in den vergangenen Jahrzehnten scheinbar unaufhaltsam gestiegen waren, zur „größten Spekulationsblase“ der Geschichte missbraucht wurde: Wohnimmobilien. So entstand ein Kartenhaus von Krediten, gefördert durch verbriefte Produkte, bei denen Kredite nicht in den Büchern der Banken gehalten, sondern – zu Wertpapieren umfunktioniert – weiterverkauft wurden.

 

Investmentbanken

Das Geschäftsmodell der Investmentbanken beruht darauf, dass sie Transaktionen oder Börsengeschäfte strukturieren, bei denen sie eine Kommission erhalten, zum Beispiel Fusionen und Übernahmen, Emissionen von Aktien und Anleihen, Börsenhandel auf eigene Rechnung und die Emission von verbrieften Schulden und strukturierten Produkten. Da die emittierten Produkte nicht oder nur zu einem sehr kleinen Teil in den Bilanzen bleiben, übernehmen Investmentbanken keine mittel- oder langfristige Verantwortung für die Konsequenzen ihrer Transaktionen. 

In den Jahren von 2002 bis 2006 wurde die Verbriefung von Hypothekenkrediten zur größten einzelnen Gewinnquelle der Investmentbanken. Die Verbriefung von Krediten ist an sich ein durchaus sinnvolles Finanzprodukt: Ein Kredit wird durch einen Vermögensgegenstand hinterlegt und dann als Wertpapier an der Börse handelbar gemacht. Nicht das „Ob“, sondern das „Wie“ ist entscheidend. Mit dem deutschen Pfandbrief gibt es zum Beispiel ein verbrieftes Produkt höchster Seriosität, das seit mehr als hundert Jahren hervorragend funktioniert.

 

Politik in den USA

Sowohl Demokraten als auch Republikaner haben die Förderung des Wohneigentums zu zentralen Punkten ihrer Politik gemacht. Da aber die direkten staatlichen Subventionen begrenzt waren, zwang man die Banken, auch riskante Kredite in einkommensschwachen Gebieten (Slums) zu vergeben, selbst wenn dort die Gefahr von Zahlungsausfällen höher war. Die US-Politik hat die Vergabe von unseriösen Krediten keinesfalls gebremst, sondern massiv gefördert. Als nach 2004 am Immobilienmarkt das ungebremste Spekulationsfieber grassierte, trauten sich weder Demokraten noch Republikaner, politisch einzuschreiten.

 

Hypothekenbanken in den USA

In den USA werden Hypothekenkredite grundsätzlich anders als in Deutschland vergeben. Viele Hypothekenbanken agieren quasi nur als Vertriebs- und Genehmigungsinstitut: Sie nehmen die Kundendaten auf und warten darauf, dass ihnen eine andere Bank im Hintergrund den Kredit abkauft, bevor sie ihn genehmigen. Bei dieser Struktur des Kreditsystems haben die regionalen Hypothekenbanken (die man eigentlich Hypothekenvermittler nennen sollte) wenig Anreiz, auf die Qualität der Produkte zu schauen. So ist es nicht verwunderlich, dass die Hypothekenbanken diesem Wunsch nachkamen und Kredite „produzierten“, und zwar mit immer unseriöseren Methoden und mit immer schlechteren Standards.

 

Hauskäufer in den USA

Natürlich hätten die amerikanischen Hauskäufer nicht mitspielen und zu Spekulanten werden müssen. Allerdings gibt es einen deutlichen Unterschied zum deutschen Rechtssystem: Wenn amerikanische Hypothekenschuldner zahlungsunfähig werden, haften sie lediglich mit der Immobilie, nicht mit ihrem gesamten Einkommen. Sie können also „den Schlüssel abgeben“ und sind ihre Schulden los. Zwar ist die Kreditwürdigkeit dann erst einmal ruiniert, aber es gab (und gibt) ja Subprime Loans, bei denen die Kreditwürdigkeit keine Rolle spielt.

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2 Kommentare

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Kommentare

Ich denke,es kann,wir haben aber in früheren Versuchen von Währungsunionen erlebt,dass die führenden Politiker plötzlich und unerwartet umschwenkten,wenn ihnen klar wurde,dass das Kind in den Brunnen gefallen war.
Gehen wir also besser davon aus,dass sie längst kapiert haben,dass ihr Umverteilungs-Wahnsinn gescheitert ist,es wird Not-Pläne dafür geben,leider kann man davon aus gehen,dass sie uns wie immer,mit dem plötzlichen Zug,der Notbremse überraschen,es kann also noch einen Tag vor dem Ende von mehr Europa und Verantwortung geschwafelt werden,am nächsten Tage,sind die Banken ein wenig überfordert,weil die Währung umgestellt wird,so ähnlich,lief es beim letzten mal ab,als wir diese künstliche pseudo-Ecü-Währung hatten,der Verlauf war der selbe,ebenfalls wurde eine Finanzkrise ausgelöst,Banken gerettet,deutsche Rentner,hatten den größten Teil zu schleppen,weil man div.Länder retten mußte und mit dem Geld deutscher Rentner rum-plämperte,bis die Kasse leer war,in Deutschland füttert man die Polit-Mafia,wie ein Schwein,mit Reformen,so etwas weckt eben bei den Euro-Partnern Begehrlichkeiten,sie wirtschaften zwangsläufig etwas länger in die Pleite,damit deutsche Politiker immer wieder vergessen,wem sie eigentlich dienen,eine Spekulation,die sich stets auszahlte!
Man wird sich einigen,um die verantwortlichen deutschen Parteien zu retten,damit auch die nächste Generation wieder heimgesucht werden kann,es hat schon 4x geklappt,also nichts Neues!
Richtig krachen,darf es also wohl eher nicht,wer würde die sonst je wieder wählen?
Die Zusammenfassung der Wirtschaftskrise 2008 hat mir gut gefallen. Ich habe mir den Artikel als pdf auf meinem PC gespeichert. Wenn ich mich recht erinnere, wurde beim Zusammenbruch der Lehman Brothers eine Liste alle Banken ins Internet gestellt, die Forderungen gegenüber diesem Ex-Kreditinstitut hatten. Die KfW war recht stark involviert.
Bei der Frage, wann die Euro-Währung zusammenbricht fällt mir ein Bericht ein, den ich in einer Zeitung gelesen hatte. Demnach wollte die italienische Zentralbank Anleihen am Markt platzieren, es gab aber keinen Käufer. Die EZB sprang ein und kaufte die italienischen Staatsanleihen auf. Wenn es immer einen Käufer von Staatsschulden geben wird, kann dann das europäische Währungssystem überhaupt zusammenbrechen ?

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