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Marktkommentar: Stefan Wallrich/Ottmar Wolf (Wallrich Wolf AM): Politisches Worst-Case-Szenario in Italien
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Marktkommentar Stefan Wallrich/Ottmar Wolf (Wallrich Wolf AM): Politisches Worst-Case-Szenario in Italien

Nachrichtenquelle: Asset Standard
07.06.2018, 11:05  |  799   |   |   

Unter Berücksichtigung schwieriger Vorzeichen haben sich die europäischen Kapitalmärkte im Mai recht passabel geschlagen.

Politisch betrachtet hätte es für die europäischen Kapitalmärkte zuletzt kaum schlimmer kommen können. Mit den USA bahnt sich ein ausgewachsener Handelsstreit an, und in Italien hat sich eine Anti-Establishment-Koalition aus Rechts- und Linkspopulisten gebildet. Unter Berücksichtigung dieser Vorzeichen haben sich die europäischen Kapitalmärkte im Mai recht passabel geschlagen.

Politisches Worst-Case-Szenario in Italien

Jetzt ist also amtlich. Nach einigem Hin und Her haben sich die rechtsnationale Lega (ehemals Lega Nord) und die 5-Sterne-Bewegung des Starkomikers Beppe Grillo auf ein Regierungsbündnis für Italien geeinigt und dafür nach Korrektur an der Ministerliste auch den „Segen“ des europafreundlichen Staatspräsidenten Sergio Mattarella erhalten. Dabei verbindet die beiden Koalitionäre neben dem Reiz der Macht praktisch ausschließlich das Bestreben, sich stärker vom Einfluss Brüssels und der Europäischen Zentralbank zu lösen. Dank dieser Haltung sowie den umfangreichen finanziellen Versprechen, die Rechts- und Linkspopulisten ihrer Wählerschaft gegeben haben (Grundeinkommen für bedürftige Haushalte, drastische Steuersenkungen, Herabsetzung des Rentenalters, etc.), wird die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone noch stärker zur Achillesferse der „Gemeinschaft“ werden, als sie es ohnehin schon war. So dürfte sich die Staatsverschuldung Italiens weiter erhöhen. Dabei beträgt sie bereits 132% des Bruttoinlandsprodukts, was nach Griechenland dem zweiten Platz in der Eurozone entspricht. Ein zweites Griechenland droht derzeit gleichwohl nicht.

Diese Einschätzung spiegeln auch die Kapitalmärkte wider. So hat der Deutsche Aktienindex den Monat Mai praktisch unverändert abgeschlossen (-0,06%). Das Minus beim Euro Stoxx 50 (-3,68%) erklärt sich insbesondere mit Abschlägen bei italienischen Aktien (ca. -9%) sowie verschiedenen Dividendenausschüttungen. Deutlich schwächer notierte im Berichtszeitraum ex post wenig überraschend der Euro, der gegenüber dem US-Dollar 3,8% an Wert verloren hat. „Dabei behautet sich die deutsche Wirtschaft nach wie vor gut in einer schwierigen Weltlage“, wie ifo-Präsident Clemens Fuest es aus unserer Sicht treffend ausdrückt. Alles in allem dominieren derzeit jedoch die politischen Faktoren – und diese geben eher Anlass zur Sorge.

Anlagerisiken weiter reduziert

Aus diesem Grund haben wir beim WWAM Marathon Balance, dessen Anteilswert sich im Mai um 1,31% erhöht hat, den Investitionsgrad durch das Eingehen von Absicherungsgeschäften reduziert. Sämtliche Termingeschäfte in Schweizer Franken sind inzwischen zu Kursen um die 1,20 CHF je Euro geschlossen worden. Ebenso wurden US-Dollar-Termingeschäfte abgebaut.

Auch der Wallrich Wolf Prämienstrategie Fonds ist mit einer Investitionsquote im Optionsbereich von lediglich 75% relativ defensiv aufgestellt. Hinzu kommt der verhältnismäßig hohe Abstand zwischen den aktuellen Basiswertkursen und den Strikelevels von durchschnittlich rund 10%. Im Juni werden viele Optionen fällig, die meisten werden aus heutiger Sicht wertlos verfallen und der Fonds kann damit die gesamte Optionsprämie vereinnahmen. Einige Positionen werden wir rollen und damit den inneren Wert gegen den Zeitwert tauschen. Im Bondportfolio liegt die Rendite bei einer Kreditqualität von BBB aktuell bei 2,58%. In italienischen Papieren sind wir dabei aktuell nur mit 0,96% engagiert. Insgesamt hat sich der Anteilswert des Prämienstrategie Fonds im Mai marginal erhöht.

Flucht in Sicherheit und steigende Spreads

Auch am Rentenmarkt haben die Entwicklungen in Italien ihre Spuren hinterlassen. So hat sich die 10-jährige Bundrendite im Berichtsmonat halbiert und zwischenzeitlich war sogar wieder die Nulllinie im Blickpunkt (Tief bei 0,26%). Hintergrund der heftigen Bewegung war natürlich die „Flucht in Sicherheit“ – und hierfür stehen deutsche Staatsanleihen offenbar nach wie vor. Die Renditen der italienischen Pendants sind zeitweise dagegen auf über 3,2% angestiegen. Davon abgesehen haben sich die Credit Spreads im Berichtsmonat aber auch allgemein ausgeweitet. Dies gilt sowohl für Nachrang-Financials wie auch für High Yield Corporates. Ausgehend vom diesjährigen Top hat inzwischen eine ganze Reihe von Hochzinsanleihen zweistellige Verluste erlitten, und gefühlt dreht die Stimmung am Credit Markt langsam auf negativ.

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