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Mit dem Trend gehen – mit täglich konstantem Hebel

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Gastautor: Stefano Angioni
08.06.2018, 16:23  |  600   |   

Wer auf Hebelpapiere setzt, muss häufig etliche Variablen im Blick behalten. Mit Faktor-Zertifikaten können Anleger hingegen kurzfristige Bewegungen und klare Trendphasen sehr einfach überproportional nutzen: mit einem täglich angepassten immer gleichen Hebel.

Bereits kleinere Kursbewegungen für größere Erträge zu nutzen, erscheint vielen Anlegern und Tradern aktuell wieder sehr attraktiv. Während sich die mittel- bis langfristige Entwicklung vieler Aktienindizes aufgrund vielseitiger Unsicherheiten nur schwer vorhersagen lässt, folgt derzeit auf jede ausgeprägtere Kursentwicklung vergleichsweise verlässlich eine Gegenbewegung.

Diese frühzeitig zu identifizieren ist das eine, nahezu ebenso schwierig ist es jedoch, das entsprechende Papier zu finden, das beim erwarteten Trend auch tatsächlich zum gewünschten Anlageerfolg führt. Denn neben der Entwicklung des Basiswerts spielen bei vielen Hebelpapieren weitere Marktvariablen eine Rolle. Bei aller Transparenz, für die die Emittenten von Hebelpapieren mittlerweile sorgen, bleibt der Aufwand für die Auswahl des richtigen Papiers gerade für Einsteiger häufig relativ hoch.

Eine interessante Alternative zu Optionsscheinen, Turbos und Mini Futures sind Faktor-Zertifikate – das gilt sowohl für Trading-Novizen als auch für erfahrene Daytrader. Für die Papiere spricht vor allem, dass sich der tägliche Anlageerfolg sehr einfach nachvollziehen lässt. Denn der Faktor des Zertifikats ist nichts anderes als der täglich auf den gleichen Wert adjustierte Hebel. Dabei müssen Anleger nicht auf die Laufzeit achten – Faktor-Zertifikate haben keine Fälligkeit. Dadurch entfällt die teils komplizierte Berücksichtigung des Zeitwertverlustes wie es bei Optionsscheinen der Fall ist. Zudem ist die Betrachtung der Knock-Out-Schwelle, die bei Turbo-Zertifikaten insbesondere bei höheren Hebel schnell zum Totalverlust führt, bei Faktor-Zertifikaten eher zu vernachlässigen.

Das macht die Handhabung insbesondere im Intraday-Handel einfacher: Legt der jeweilige Basiswert innerhalb eines Handelstages vom Schlusskurs des Vortags bis zum aktuellen Schlusskurs um einen bestimmten Prozentsatz zu, wird diese Wertentwicklung mit dem Faktor des jeweiligen Zertifikats multipliziert. Dabei reicht der Hebel von eher zurückhaltenden 2 bis zu offensiven 15. Angenommen, die kurz nach Handelsschluss erreichte Dax-Performance liegt bei 2 Prozent, so wird ein Faktor-Zertifikat auf den Dax mit Hebel 2 um etwa 4 Prozent, eines mit Hebel 15 um 30 Prozent zulegen.

Vom Schlusskurs an wird nun neu gerechnet. Anders als bei anderen Hebelpapieren ändert sich der Hebel am vorausliegenden Handelstag nicht; ein weiterer Anstieg des Dax um 1 Prozent hätte also einen weiteren Zuwachs von 2 beziehungsweise 15 Prozent zur Folge.

Hier zeigt sich die Stärke der Papiere in klaren Trendphasen: Der täglich neu angesetzte Hebel führt zum sogenannten Basiseffekt, der dem Zinseszinseffekt ähnelt. Steigt beispielsweise der Basiswert an zwei aufeinanderfolgenden Tagen um jeweils 1 Prozent, dann legt das Faktor-Zertifikat mit Hebel 15 an jedem dieser Tage um 15 Prozent zu, und zwar jeweils vom zuletzt erreichten Niveau. Bei einem hypothetischen Startpreis von 100 Euro klettert es also am ersten Tag auf 115 Euro (1 Prozent Basiswert-Anstieg x Faktor 15). Am zweiten Tag wirkt der Faktor auf das erreichte Niveau von 115 Euro. Das ergibt einen Zuwachs von 17,25 Euro auf 132,25 Euro. Nach zwei positiven Tagen mit einem Wertzuwachs des Basiswerts von jeweils 1 Prozent liegt das Plus also bereits bei 32,25 Prozent. Je länger sich solch ein Trend ohne Gegenbewegung fortsetzt, desto stärker wirkt dieser Basiseffekt.

Sogar bei unerwünschter Kursentwicklung wirkt sich der Basiseffekt prinzipiell positiv aus, denn die tägliche Anpassung hat zur Folge, dass sich der Hebel auf eine kontinuierlich sinkende Basis bezieht. Aus diesem Grund kann ein Faktor-Zertifikat nur im Falle eines extremen Kursverlustes innerhalb eines Tages wertlos werden.

Dennoch drohen naturgemäß empfindliche Verluste, wenn der Trend gegen das Faktor-Zertifikat läuft. Und gerade in volatileren Seitwärtsphasen kann es je nach Kursverlauf des Basiswerts aufgrund dieses Basiseffekts schon dann auch zu größeren Verlusten kommen, wenn der Basiswert nach einigen Schwankungen erneut auf dem Ausgangsniveau notiert. Daher beträgt der optimale Anlagehorizont für ein Faktor-Zertifikat einen Tag. Nur wenn starke Trendbewegungen erwartet werden, lohnt es sich ein Faktor-Zertifikat für einen längeren Zeitraum zu halten.

Stefano Angioni, Derivate-Experte bei der SOCIETE GENERALE.

Stand: 08.06.2018. Weitere Informationen unter: sg-zertifikate.de

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Stefano Angioni
Director Cross Asset Distribution, Société Générale

Stefano Angioni, Director Cross Asset Distribution bei der Société Générale, ist verantwortlich für Emission, Vertrieb und Vermarktung von Zertifikaten und Hebelprodukten. Er besitzt über 15 Jahre Branchenerfahrung bei verschiedenen Emittenten im europäischen Zertifikatemarkt. In seinen Beiträgen setzt er sich mit aktuellen Markt- und Produktthemen auseinander und zeigt Anlegern und Tradern Anlagelösungen und Investmentideen auf. Die Société Générale ist seit 25 Jahren kontinuierlich im deutschen Derivatemarkt aktiv und bietet Anlegern und Tradern eine der umfangreichsten Produktpaletten auf dem deutschen Markt.

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