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Politische Börsen Trump wird bald vergessen sein

Gastautor: Uwe Zimmer
11.06.2018, 09:42  |  823   |   |   

Es ist kaum möglich über die Märkte zu sprechen ohne immer und immer wieder bei Trump zu landen. Der US-Präsident dominiert die Entwicklungen, gibt Themen vor – und wird doch am Ende ein vergessener Präsident sein.

Sanktionen gegen den Iran: der Ölpreis steigt. Strafzölle und Handelskrieg: die Märkte wackeln. Steuerreform und Abschottung: der Dollar wackelt. Und so ließe sich die Liste fortsetzen über Syrien, Nordkorea bis nach Jerusalem oder in die US-Botschaft in Berlin. Überall mischt sich Trump ein, überall sorgen seine Äußerungen für Unverständnis, überall entsteht Unsicherheit.

Und wenn die Märkte eines nicht leiden mögen, dann Unsicherheit. Das führt zum Abwarten, zum Verzögern und Taktieren mit nur kleinen Beträgen. Insofern tut der US-Präsident den Märkten insgesamt nicht gut, auch wenn es Profiteure gibt. Vor allem aber sind all die Themen immer nur kurzlebig, kurzatmig, oft nur Strohfeuer.

Denn mittlerweile gewöhnen sich die Menschen an den Präsidenten. Er will ein Verhandler sein, will Probleme im Handstreich lösen, die seit Jahrzehnten schwären. Und ja, er bringt Bewegung in manch festgefahrene Situation. Er baut sich Verhandlungspositionen auf, die er bei Zugeständnissen der Gegenseite dann gerne und schnell räumt.

Was aber bleibt von diesem Präsidenten? Das Image als großer Dealmaker wird verblassen, wenn am Ende doch nur Kompromisse stehen. Und das werden sie, denn es wird nicht nur einer immer gewinnen können. Und eine lange Reihe kleiner Deals ist nicht das Rezept für eine große Präsidentschaft. Es fehlt eine Leitidee hinter all dem Getöse, eine Strategie, wohin die USA steuern werden.

Für die Märkte ist das eine recht beruhigende Aussicht: auch wenn Trump das Trumpeltier oder Donald the Trumpet viel Lärm macht, ist doch keine große Veränderung zu sehen und zu erwarten. Der US-Präsident wird einzelnen Lobbygruppen Vorteile verschaffen, wird vielleicht sogar insgesamt etwas für die US-amerikanische Konjunktur herausholen. Aber insgesamt verwaltet er nur den US-amerikanischen Kapitalismus, er ändert ihn nicht.

Die Wall Street, auch Teil des Establishments, das Trump so gerne zu bekämpfen vorgibt, jubelt ihm zu, feiert seine Steuerreform hat auch wenig gegen den Protektionismus einzuwenden. Zölle, nur ja, das ist eigentlich ein schlechtes Instrument, aber sie werden ja nur als Verhandlungsmasse gesehen. Redet eigentlich noch jemand von der Mauer zu Mexiko? Sie wird kommen, aber es ist auch hier nur ein Strohfeuer, das der US-Präsident da entfacht hat.

Es wird von Trump, sofern er sich nicht verzockt, nichts bleiben als eine Erinnerung an viel heiße Luft. Die Unternehmen genießen den teilweisen Rückenwind, solange er anhält, und den Gegenwind wettern sie ab. Denn das ist es, was Trump nicht versteht: Wirtschaftlicher Erfolg lässt sich nicht befehlen. Sie entstehen aus klugen, langfristigen Entscheidungen. Und zum Glück gibt es viele Unternehmen mit Chefs, die diese Perspektive haben. Sie zu finden ist die eigentliche Aufgabe erfolgreicher Kapitalanlage.

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