DAX+0,54 % EUR/USD-0,25 % Gold+0,16 % Öl (Brent)0,00 %

Die besten Anlagestrategien aller Zeiten Teil 1

Gastautor: Armin Brack M.A.
12.06.2018, 11:55  |  1204   |   |   

Die besten Anlagestrategien aller Zeiten

 

Seid gegrüßt liebe Börsianer,

 

hier https://www.youtube.com/watch?v=tejYk4OHRZ4 findet ihr mein neues Video zum Thema "Die besten Anlagestrategien aller Zeiten".

Genau genommen geht es hier um das gleichnamige Buch von James P. O`Shaughnessy, das ich euch ans Herz legen möchte und das mich bei der Entwicklung meiner persönlichen Anlagestrategie sehr geprägt hat.

What works on Wall Street

Der Original-Titel trifft es meiner Ansicht nach besser und der lautet: What works on Wall Street. Gemeint ist: Welche Strategien funktionieren wirklich? Mit welchen Anlagestrategien für Aktien kann ich den Markt tatsächlich dauerhaft schlagen?

O`Shaughnessy hat dafür für US-Aktien so genannte Backtests bis zurück ins Jahr 1950 gemacht auf Basis der umfangreichen Datenbanken von Standard & Poor´s Compustat.

Was genau hat O`Shaughnessy "zurückgetestet"? Nun, er hat sich zunächst jede einzelne fundamentale Bewertungskennzahl vorgeknöpft, also das Kurs-Gewinn-Verhältnis, das Kurs-Umsatz-Verhältnis, das Kurs-Cashflow-Verhältnis, das Kurs-Buchwert-Verhältnis usw. und hat geschaut, welche Durchschnittsrenditen sich damit über mehrere Jahrzehnte hinweg erzielen ließen und diese mit der Rendite verglichen, die Investoren erzielt hätten, wenn sie einfach in den S&P 500-Index als Ganzes investiert hätten. Der S&P 500 ist einer der wichtigsten US-Aktienindizes und sehr breit angelegt. Es sind 500 Werte darin enthalten.

Wie genau ging er dabei vor?

Wie genau ist O`Shaughnessy dabei vorgegangen? Ich erkläre das am besten am Beispiel des KGV.

Ganz kurz für alle Anfänger zum KGV selbst: Das KGV gibt an mit dem Wievielfachen des Gewinns eine Aktie bewertet ist. Je höher der Multiplikator, desto teurer die Aktie. Es gilt dabei der Grundsatz: je niedriger das KGV, desto günstiger ist die Aktie bewertet und desto höher ist das Kurspotenzial.

In der Praxis ist die Situation natürlich wesentlich komplexer. Denn das KGV muss auch vor dem Hintergrund des zukünftig erwarteten Gewinnwachstums gesehen werden. Wenn erwartet wird, dass das Unternehmen X in den kommenden zwei, drei Jahren seine Gewinne deutlich steigern wird, dann wird der Aktie dieses Unternehmens im Normalfall ein deutlich höheres KGV zugestanden als der Aktie eines Unternehmens bei dem man davon ausgeht, dass die Gewinne in den kommenden Jahren sinken werden.

Die Krux bei einer solchen Betrachtungsweise: Sie enthält Annahmen über die zukünftige Entwicklung der Gewinne des betreffenden Unternehmens. Dabei wird dann eine so genannte Konsensschätzung der Analysten ermittelt. Das heißt, es wird einfach der Durchschnitt der Gewinnschätzungen der einzelnen Analysten für das betreffende Unternehmen herangezogen. Daraus lässt sich dann zum Beispiel ein erwartetes KGV für 2018, 2019, 2020 usw. ermitteln.

Wer schon länger dabei ist weiß, dass diese Schätzungen häufig mit einer sehr hohen Unsicherheit verbunden sind. Oder einfacher gesagt: Die Analysten liegen sehr oft falsch mit ihren Prognosen. Insbesondere gilt das bei Aktien aus zyklischen Branchen, wo der Gewinn stark von der konjunkturellen Gesamtsituation abhängt. Zudem gibt es das Problem, dass speziell bei kleineren Unternehmen die Analysen von den Firmen selbst in Auftrag gegeben (und bezahlt) werden und daher oft übertrieben optimistische Annahmen gemacht werden.

Es wird komplett auf Schätzungen verzichtet

Das Spannende bei O`Shaughnessy ist nun, dass er komplett auf die Berücksichtigung solcher Schätzungen verzichtet. Ihn interessieren nur die vergangenheitsbezogenen Daten. Das heißt: Er testet nur die echten Daten, die schwarz auf weiß vorliegen. Ihm ist es völlig egal, ob die vorliegende Aktie Facebook oder NVIDIA ist, denen (angeblich) ein glorreiche Zukunft bevorsteht (und die deshalb auf Basis der fundamentalen Bewertungskennzahlen sehr hoch bewertet sind) oder ob es sich um einen Autohersteller oder einen Buchverlag handelt, um mal zwei Beispiele für Branchen zu nennen, denen Anleger im Moment nur sehr niedrige Bewertungen zubilligen.

Das bedeutet im Klartext: O´Shaughnessy hat getestet, ob der Grundsatz Niedriges KGV = niedrige Bewertung = zukünftig stärker steigende Kurse in dieser Einfachheit tatsächlich zutreffend ist. Und er hat das nicht nur für das KGV untersucht sondern auch für andere fundamentale Bewertungszahlen und andere Variablen wie z.B. die relative Stärke einer Aktie. Und in einem zweiten Schritt hat er dann auch getestet, was passiert, wenn man mehrere dieser Kennzahlen kombiniert.

Die Methodik

Bevor wir zum Ergebnis kommen, noch kurz zur Methodik, wieder am Beispiel KGV: Er ging von einer fiktiven Investitionssumme von 10.000 US-Dollar aus, die dann Jahr für Jahr in die Aktien mit den niedrigsten KGVs investiert wurden.

Ganz konkret erklärt: Er startete am 31. Dezember 1951 mit einem fiktiven 10.000 US-Dollar-Depot. Damals war die Zahl der in der Datenbank enthaltenen Unternehmen mit rund 600 noch recht klein. Fiktiv gekauft wurden dann die 50 Aktien, die zu diesem Zeitpunkt das niedrigste KGV gehabt haben. Diese wurden dann ein Jahr gehalten und dann von den 50 Aktien ersetzt, die am 31. Dezember 1952 das niedrigste KGV aufgewiesen haben usw. Dieses Spiel wurde via Backtest Jahr für Jahr wiederholt bis in die Jetztzeit.

Parallel dazu hat er dieses Spiel für die Gruppe "alle in der Datenbank vorhandenen Aktien" Jahr für Jahr wiederholt.

So hat er ermittelt, welche Summe aus den 10.000 US-Dollar geworden wäre, wenn sie der Anleger Jahr für Jahr auf Basis der KGV-Strategie investiert hätte und welche Summe, wenn er immer in allen Aktien der Datenbank investiert gewesen wäre.

Erstaunliches Ergebnis

Das Ergebnis ist erstaunlich. Ich verrate euch aber heute noch nicht wie es aussieht, weil ich möchte, dass ihr in der Kommentarfunktion unten eure Schätzungen abgebt (bitte nur diejenigen schätzen, die das Buch nicht gelesen haben).

In meiner - schon etwas älteren - Ausgabe des Buches wurde dabei der Zeitraum von 1951 bis 2003 untersucht, also 52 Jahre.

Im nächsten Video bzw. im nächsten Artikel gibt es dann die Auflösung und darüber hinaus auch die Ergebnisse für die anderen Kennzahlen sowie eine Antwort auf die Frage: Gibt es eine Königskennzahl, also eine besonders wichtige Kennzahl, die wir als Anleger besonders beachten sollten?

So jetzt bin ich auf eure Schätzungen in der Kommentarfunktion unten gespannt.

Wo gibt es das Buch?

Die neueste deutsche Ausgabe stammt vom März 2016 und ist im Börsenverlag erschienen. Sie ist bei Amazon allerdings nur noch gebraucht erhältlich und das zu ziemlich horrenden Preisen (ab 163 Euro). 

Ich rate euch daher, das Buch im Original zu kaufen: https://www.amazon.de/What-Works-Wall-Street-Best-Performing/dp/007162 ...

Die gebundene Ausgabe vom Dezember 2011 gibt es für 35,99 Euro, was ich für fair halte. Das ist zwar nicht die neueste Version, aber die braucht man auch nicht unbedingt.

Es geht vor allem darum, das Prinzip und die Denke dahinter zu verstehen und die ist letztlich zeitlos.

Hier nochmal der Link zum Video: https://www.youtube.com/watch?v=tejYk4OHRZ4

Viel Erfolg bei euren Transaktionen wünscht euch

 

Euer

Armin Brack

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Disclaimer