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Kanadas unerkannte Versorgungslücke bei Marihuana

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
12.06.2018, 12:30  |  876   |  10   |   

Große Dinge gehen in der Marihuanabranche vor sich. Kanada wird bald ein Gesetz unterzeichnen, das den Gebrauch von Marihuana für Erwachsene ab August oder September legalisiert.

Diese erwartete Legalisierung ist dem langfristigen Bestreben von Marihuanaenthusiasten und Gras-Aktieninvestoren zu verdanken. Der Gesetzentwurf wurde vor 14 Monaten in den Senat eingebracht und vor ein paar Tagen nach zahlreichen Debatten, Veränderungen und Ansprachen angenommen. Dieser langsame Prozess wurde von Investoren mit Spannung beobachtet; schließlich geht es um Umsätze in Höhe von schätzungsweise 5 Milliarden US-Dollar, sobald der Gebrauch von Marihuana für Erwachsene in Kanada legal ist.

Es ist das erste Mal, dass in einem entwickelten Land ein solches Gesetz verabschiedet wurde. Daher gibt es keinen Vergleich, wie sich Angebot und Nachfrage auf dem Markt entwickeln werden. Wenn zu wenig Cannabis angebaut wird, entgehen den Bauern Marktanteile und Umsätze. Wenn hingegen zu viel produziert wird, könnten die Bauern ihre Margen ruinieren, indem der Pro-Gramm-Preis sinkt.

Kanada könnte eine Grasknappheit erleben

Allerdings weiß niemand mit Sicherheit, wie sich Angebot und Nachfrage entwickeln werden. Im Moment sieht es nach einer deutlichen Unterversorgung aus. In diesem Szenario sollten der Pro-Gramm-Preis und die Margen sehr stark sein.

Du fragst dich, wie wir auf eine Knappheit kommen? Die meisten Cannabisbauern dehnen ihre Produktionskapazität so schnell aus, wie es ihre Bilanzen hergeben. Jedoch dauert es ein Jahr oder länger, bis die Pflanzanlagen aufgebaut sind.

Beispielsweise soll Aphira (WKN:A12HM0), welches sich mit 320.000 kg getrocknetem Cannabis pro Jahr gerade zum drittgrößten Produzenten in Kanada entwickelt, noch bis Januar 2019 benötigen, um die Gewächshäuser zu errichten. Dies bedeutet aber auch, dass es in den kommenden sechs Monaten keine Ernte geben wird. Und Aphira ist nicht allein. Es gibt viele weitere Bauern, die Projekte verfolgen, die erst 2019 oder 2020 fertig werden. Die Produktion wird nur schrittweise wachsen und daher wahrscheinlich in der Anfangszeit nicht ausreichen.

Die Legalisierung von Marihuana in einem entwickelten Land erzeugt eine gewisse Euphorie unter Bürgern, Touristen und vielleicht auch Exportpartnern. Mit anderen Worten, die Anfangsnachfrage in den ersten Monaten dürfte die normale, stetige Nachfrage der Konsumenten übertreffen. Diese Anfangseuphorie könnte die Angebotsknappheit verschärfen.

Kanadas unbeachtetes Angebotsproblem bei Marihuana

Allerdings ist dies nur die Hälfte der Geschichte. Es gibt ein weiteres unbeachtetes Problem, das die kanadische Marihuanabranche in den kommenden Jahren deutlich beeinträchtigen könnte.

Wie Marijuana Business Daily berichtet, ist die Zahl der Anträge auf den Anbau von Marihuana gestiegen. In den ersten vier Monaten 2018 hat Health Canada 74 Lizenzanfragen erhalten. 2017 waren es noch 30 Anträge. Es gibt nun mehr als 500 Anbau-Anträge, die von Health Canada bearbeitet werden müssen. Die Bearbeitung kann zwischen sechs Monaten und ein paar Jahren dauern.

Zwar sieht das aus Angebotsperspektive gut aus, aber es könnte eben auch lange dauern, bis die Erlaubnisse erteilt werden. Im Schnitt muss man 341 Tage auf die Genehmigung warten. Die schnellste Bearbeitung hat CannTrust Holdings mit 129 Tagen erhalten.

Im Moment gibt es 104 Unternehmen, die Marihuana anbauen dürfen. Allerdings dürfen nur 48 dieses auch verkaufen. Und nur 25 Unternehmen haben die Genehmigung, hochmargige Öle und Extrakte anzubieten. Selbst wenn die Bauern ihr OK bekommen, kann es sein, dass sie vor 2019 oder 2020 gar kein Cannabis verkaufen dürfen. Und das betrifft Produzenten jeder Größe inklusive Aurora Cannabis und Canopy Growth, die als die größten Produzenten gelten.

Ohne eine schnellere Bearbeitung der Verkaufsgenehmigungen könnte Kanada bis 2020 hinein eine Angebotsknappheit erleben.

Ein Überangebot ist auch möglich

Die Angebotsknappheit ist für Marihuanaaktien eine gute Nachricht, da die Margen steigen. Aber nach 2020 oder 2021 besteht die Gefahr eines Überangebotes. Die anfängliche Nachfrage und die Angebotsbeschränkungen könnten Produzenten verleiten, zu viel anzubauen.

Laut eines Berichts von Health Canada könnte die private Grasnachfrage bei 1 Million Kilogramm pro Jahr liegen. Die potenzielle Angebotsmenge der größten Anbieter zusammen mit den unzähligen ausgestellten Anbaulizenzen könnte bis 2020 oder 2021 bis auf 2,4 Millionen Kilogramm pro Jahr klettern. Dies würde ein Überangebot von 1,4 Millionen Kilogramm bedeuten. Selbst, wenn das Ausland einen großen Teil davon abnimmt, gibt es keine Garantie, dass es den gesamten Überschuss absorbiert. Die Folge könnte ein drastischer Rückgang der Margen ab 2020 oder 2021 sein.

Wir werden wahrscheinlich erst in ein paar Jahren nach der Legalisierung wissen, wie groß das Angebot ist. Aber aus Investorenperspektive würde ich nicht zu sehr darauf wetten, dass die anfängliche Unterversorgung lange anhält und Investoren nützt.

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Wertpapier
Aphria


10 Kommentare

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Kommentare

Das Komplment gebe ich gerne zurück; so machts Spaß und ergibt Sinn.

Deutschland wird aktuell international dafür gefeiert, den Medizinalmarkt bereits so weit geöffnet zu haben – vor allem wegen des Details, dass die Krankenkassen prinzipiell erstmal zahlen müssen (auch wenn es hier und da natürlich noch knirscht). Bei den Briten ist das Gesetz aktuell auf dem Weg. Ich bezog mich bei dem Argument auch nur auf den medizinischen Markt, von einem Freizeitmarkt wage ich in Mitteleuropa noch lange nicht zu träumen (Spanien zeigt hingegen einen Weg der schleichenden Legalisierung auf).

Wir werden für ein Gesetz gefeiert, dass den Anspruch lediglich auf dem Papier erfüllt; in der operativen Umsetzung aber nach wie vor stark mangelhaft bleibt und weiterhin bis auf Ausnahmen die meisten, die davon profitieren wollen oder könnten; ausschließt. .;)
Wir wurden auch für die geschaffenen Konsumräume für Opiatabhängige gefeiert, obwohl bis heute keine 5% der Betroffenen Zugang dazu haben; und sogar eine Überprüfung der Qualität bezüglich Streckstoffe oder Reinheitsgehalt der dort selbst verabreicheten Substanzen verboten ist. ;)
Ich bin ja echt erstaunt, dass wir in diesem Forum eine vorurteilsfreie, respektvolle Diskussion hinbekommen. Sieht man selten. ;) Also schon mal vielen Dank dafür.

Was den kanadischen und allgemein Freizeitmärkte angeht, gebe ich dir grundlegend recht. Da wird es früher oder später ein Überangebot geben, aber imho frühestens 2020. Denn dein MPU-Argument lasse ich für Kanada weiterhin nicht gelten. Ich habe nur Zahlen zum aktiven THC-Wert gefunden, von daher gehe ich davon aus, dass es keine Regelungen gibt abseits des aktiven THC. Ich bin also weiterhin überzeugt, dass einige Gelegenheitskonsumenten vom Alkohol auf Gras umsteigen werden – insbesondere hinsichtlich der Vielfalt an Konsumformen, die dank des legalen Umfelds entstehen werden. :)

Zum Medizinalmarkt:
Deutschland wird aktuell international dafür gefeiert, den Medizinalmarkt bereits so weit geöffnet zu haben – vor allem wegen des Details, dass die Krankenkassen prinzipiell erstmal zahlen müssen (auch wenn es hier und da natürlich noch knirscht). Bei den Briten ist das Gesetz aktuell auf dem Weg. Ich bezog mich bei dem Argument auch nur auf den medizinischen Markt, von einem Freizeitmarkt wage ich in Mitteleuropa noch lange nicht zu träumen (Spanien zeigt hingegen einen Weg der schleichenden Legalisierung auf).

Allerdings gehen Frau Mortler langsam die Argumente aus, wenn ein G7 Staat Cannabis legalisiert und eventuell sogar die WHO Cannabis herunterstuft. FDP, Linke und Grüne machen immer mehr Druck bei dem Thema. Also mal sehen, was die Zukunft bereithält.
In Kanada werden keine Apothekenpreise fällig werden. Der Preis für ein Gramm wird wohl je nach Sorte zwischen 7 und 10CAD liegen. Das ist, gemessen an meinen Erfahrungen in Vancouver, mehr als konkurrenzfähig mit dem Schwarzmarkt. Die deutschen Apothekenpreise sind hier nicht der Maßstab. Mal von der Auswahl der verschiedenen Sorten, die der Schwarzmarkt per se nicht bieten kann, ganz zu schweigen.

Für Kanada sehe ich das genauso; wollte aber die Gesamtsituation in Nordamerika und Europa mit berücksichtigen, denn der canadische Markt benötigt vielleicht fünf Prozent der möglichen Gesamtkapazität legaler Produzenten. (auf Basis der von der Exekutive geschätzetn Konsumentenzahlen bei uns, mit einem Bedarf um die 250 Tonnen jährlich)

Daran haben die Kanadier natürlich gedacht. Der Grenzwert für aktives THC im Straßenverkehr wird bei 2,5ng / ml Vollbut liegen. Das ist eine Schwelle, mit der jeder verantwortungsbewusste Konsument umgehen können wird, insbesondere jene, die Freitag oder Samstag lieber kiffen als zu saufen. Zu Abbaustoffen habe ich nichts gefunden, die scheinen also irrelevant zu sein (das ist ja auch wissenschaftlicher Mumpitz).

Die 2,5 ng oder bei uns das geringst messbaren 1 ng beziehen sich außer auf aktives THC auch auf nicht psychoaktive Abbaustoffe; d.h. man wird bestraft, auch wenn der Konsum schon länger zurückliegt und keinerlei Wirkung über THC mehr vorhanden ist. Die Wissenschaft war den Gesetzgebenden bisher ziemich egal; unsere Gesetze entstehen vor allem über den Einfluss von Lobbygruppen auf die Politik. So blockiert man einen möglichen legalen Markt wie in Canada..Leider.

Die Märkte und nationalen Policies werden reihenweise fallen, wenn große Vorbilder (Deutschland, Groß Britanntien) den Medizinalmarkt weiter öffnen und die Pharmaindustrie Morgenluft schnuppert.


Auf Deutschland würde ich nicht hoffen :laugh:

Politiker wie J.Trudeau gibt es hier nicht (war schon ein Fan seiner Eltern; sein Vater war ebenfalls MP ;)), und die ganze Geschichte in die Hände der Pharmaindustrie und Apotheker zu geben wird nicht dazu führen, den illegalen Markt auch nur im Ansatz auszutrocknen. Das sollte mit ein Ziel sein, wird aber nur über die Preisschiene möglich. Zurzeit wird für ca. 4€ importiert und der Privatpatient und die Kassen bezahlen über 20; dabei verdienen vor allem die Importeure und Apotheken. Mit entsprechendem Equipment lassen sich, sowohl von kriminellen Organisationen als auch von Privatpersonen qualitativ gleichwertige Produkte herstellen. Die Vielfalt eingeschlossen. Für ein Zehntel der Apothekenpreise und noch darunter.

Kanadas unerkannte Versorgungslücke bei Marihuana | wallstreet-online.de - Vollständige Diskussion unter:
https://www.wallstreet-online.de/diskussion/1282281-1-10/kanadas-unerkannte-versorgungsluecke-marihuana#beitrag_57983562
Aufschlag ja, aber sicher keine Apothekenpreise. Hängt wohl noch von weiteren Faktoren ab. Daneben gibt es den noch günstigeren Eigenanbau in den Ländern, wo er eben geduldet und nicht verfolgt wird.

In Kanada werden keine Apothekenpreise fällig werden. Der Preis für ein Gramm wird wohl je nach Sorte zwischen 7 und 10CAD liegen. Das ist, gemessen an meinen Erfahrungen in Vancouver, mehr als konkurrenzfähig mit dem Schwarzmarkt. Die deutschen Apothekenpreise sind hier nicht der Maßstab. Mal von der Auswahl der verschiedenen Sorten, die der Schwarzmarkt per se nicht bieten kann, ganz zu schweigen.



Kommt darauf an wo und wie die Gesetzeslage drumherum aussieht. . Durch die lange Nachweisbarkeit der Abbaustroffe winkt im Ernstfall zumindest bei uns und anderen Ländern der EU der Führerscheinentzug und MPU mit Kosten im mittleren vierstelligen Bereich..



Daran haben die Kanadier natürlich gedacht. Der Grenzwert für aktives THC im Straßenverkehr wird bei 2,5ng / ml Vollbut liegen. Das ist eine Schwelle, mit der jeder verantwortungsbewusste Konsument umgehen können wird, insbesondere jene, die Freitag oder Samstag lieber kiffen als zu saufen. Zu Abbaustoffen habe ich nichts gefunden, die scheinen also irrelevant zu sein (das ist ja auch wissenschaftlicher Mumpitz).



In den NL z.B. gibt es einen krassen Steuernachteil für den geduldeten Verkauf von Cannabis in CS. Satte 50% vom ausgewiesenen Gewinn :laugh: Selbst kenne ich niemanden, der von Alkohol auf Cannabis umgestiegen wäre (Alkohol hat ein weit höheres Suchtpotential und ist eben ein wirkliches Zellgift; vielleivt könnte man aber Alkoholkranke über Cannabis auf eine weit weniger gefährliche Substanz runter therapieren) Kannte aber jemanden, der nach einer Bewährungsstrafe wegen Cannabis anschließend mit Alkohol so richtig abgestürzt ist-

[/quote]

Die Niederlande sind aber nicht Kanada. ;) Du siehst ja selbst den zahlenmäßigen Unterschied. Die hohen Steuern sind sicher als Strafe gedacht... "Wir lassen euch zwar euer Zeug verkaufen, aber dafür müsst ihr halt auch richtig blechen". Die NL sind halt seit fast 30 Jahren konservativ dominiert, und diese Regierungen haben Stück für Stück die liberale Politik der 70er und 80er zurückgebaut / beschnitten. Deshalb besteht auch null Interesse, dort eine regelrechte Industrie entstehen zu lassen. Die Weed-Situation in NL ist eigentlich ein Paradoxon, weshalb ich wirtschaftliche, soziologische und juristische Vergleiche für schwierig halte.

Während meiner Zeit in Berlin habe ich viele lebensältere Menschen kennengelernt, die irgendwann auf Gras umgestiegen sind. Interessant ist auch, dass die Eltern einiger Bekannter von mir durch ihre Kinder das Zeug irgendwann für sich entdeckt haben. :laugh: Ich kenne natürlich aber auch einige, die es einmal probierten und merkten, dass die Art des Rausches nichts für sie ist.


Ja, das sollte man; allerdings macht der Export im Medizinalbereich zurzeit das Kraut nicht fett, dazu gibt es in der EU und bei uns noch viel zuwenig aufgeklärte Ärzte, die Kassen verweigern zu 50%, und in den meisten Ländern Europas gibt es noch überhaupt keine Möglichkeit Cannabis als rein biologische Naturmedizin zu konsumieren.

Das ist jetzt ne Prognose als studierter Politologe: Die Märkte und nationalen Policies werden reihenweise fallen, wenn große Vorbilder (Deutschland, Groß Britanntien) den Medizinalmarkt weiter öffnen und die Pharmaindustrie Morgenluft schnuppert.

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