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Die explosivste Aktie der USA geht durch die Decke - und lässt die Shorties bluten!

Gastautor: Armin Brack M.A.
12.06.2018, 14:42  |  1335   |   |   

Am 16.11.2017 hatte ich meinen Lesern Restoration Hardware (inzwischen RH) als spektakuläre Aktienrückkaufspekulation vorgestellt.

Vor kurzem habe ich die Hintergründe in diesem YouTube-Video näher erklärt: https://www.youtube.com/watch?v=N_DI5uuhbJs

Der Einzelhändler betreibt insgesamt 85 Läden (ggü. 69 ein Jahr zuvor) mit verschiedenen Einrichtungsgegenständen wie Möbeln und Lampen im Luxussegment.

Wobei Läden eigentlich nicht der richtige Ausdruck ist: Es handelt sich um exquisit ausgestattete Super-Stores, die riesig groß sind. Die bisher größte Filiale in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia umfasst ca. 5.000 qm auf sechs Stockwerken.

Damals hatte das Unternehmen gerade seine Prognose für 2017 erhöht gehabt. Die Erhöhung beim Umsatz fiel nur relativ moderat aus, aber beim Gewinn je Aktie exorbitant: Statt 0,68 bis 0,80 US-Dollar je Aktie sollten es auf einmal 1,02 bis 1,04 US-Dollar werden.

Es wurden zwar von RH auch operative Gründe angegeben. Man erwarte steigende Margen und fallende Kosten, weil man von der Reduktion des Warenbestands und "einem neuen operativen Modell" profitiere.

Aktienrückkäufe in spektakulärem Umfang - mit diesem Effekt!

Doch mindestens genau so wichtig war noch ein anderer Faktor: Im Laufe des Jahres hatte RH rund die Hälfte aller ausstehenden Aktien zu Kursen unter 50 US-Dollar zurückgekauft.

Konkret: Es gab Mitte November nur noch 21,1 Millionen ausstehende Aktien statt zuvor über 40 Millionen. Jedem Aktionär gehört nun ein fast doppelt so großer Anteil am Gesamtunternehmen wie zuvor. Umgekehrt hat sich das Angebot an frei handelbaren Aktien damit fast halbiert.

Damit kommt hier dieser Effekt zustande, den ich im letzten Video https://www.youtube.com/watch?v=aIn1KuNRT40&t=2s beschrieben hatte. Selbst wenn der absolute Gewinn des Unternehmens unverändert bleibt, verdoppelt sich der Gewinn pro Aktie in etwa - und dieser ist letztlich entscheidend für die Kursentwicklung.

Tatsächlich war es bei RH so, dass der bereinigte Nettogewinn von 51,8 auf 89,2 Millionen US-Dollar gestiegen ist (+72%). Der bereinigte Gewinn je Aktie aber um +149%, also um ungefähr das Doppelte.

Zusätzliche Buchgewinne!

Und noch ein weiterer Effekt kommt hinzu: Im Falle von RH ist es ja so, dass man zusätzlich durch den Aktienrückkauf hohe Buchgewinne angehäuft hat. Wenn man rund 20 Millionen Aktien auf eigene Rechnung zu 50 US-Dollar kauft bzw. zurückkauft und die Aktie dann auf 100 US-Dollar steigt, dann hat man einen Buchgewinn von 50 US-Dollar je Aktie erzielt. 50 US-Dollar* 20 Millionen Stück macht einen Buchgewinn von 100 Mio. US-Dollar - nur durch Spekulation auf die eigene Aktie. Der Buchgewinn aus den Aktienrückkäufen war damit in 2017 höher als der Nettogewinn.

Was hatte das nun für Auswirkungen auf den Aktienkurs? Nun, innerhalb der letzten 12 Monate hat sich der Kurs fast verdoppelt, allerdings unter sehr hohen Schwankungen:

Die Gleichung: Aktienrückkauf = Kursturbo aus dem letzten Video stimmt hier also tatsächlich.

Vorstand kassiert mit!

Aber es gibt noch einen weiteren Dreh an der Geschichte: RH-CEO Gary Friedman wurde vom Board of Directors das Recht zugestanden, unter bestimmten Voraussetzungen 1.000.000 RH-Aktien zu 50 US-Dollar je Aktie zu kaufen. Er hat also selber einen hohen Anreiz für steigende Kurse zu sorgen.

Und der Clou dabei: Nicht weniger als 6,848 Millionen Aktien bzw. 31,8 Prozent aller Aktien sind im Moment leerverkauft.

Woran liegt das? Sind die Shorties verrückt, einen solche Rückkauf-Turbo-Aktie zu shorten?

Nun, da lässt sich drüber streiten. Denn: RH hat sich durch die exzessiven Aktienrückkäufe und zusätzlich eine Übernahme extrem stark verschuldet.

Es hat sich nicht weniger als 1,15 Milliarden US-Dollar geliehen, um damit die beschriebenen Aktienrückkäufe in Höhe von einer Milliarde US-Dollar durchzuführen.

In der Investorenkonferenz vergangenen November hat man dargelegt wie die Verschuldung genau aussieht und wie man diese zurückfahren will. U.a. existieren zwei große vorrangig besicherte Wandelschuldverschreibungen über 350 Millionen US-Dollar und 300 Millionen US-Dollar, die 2019 und 2020 fällig werden. Diese will man zuerst zurückzahlen und zwar mit dem freien Cashflow aus dem operativen Geschäft. Werden sie nicht zuvor zurückbezahlt, werden sie in Aktien umgewandelt und es kommt zu einer massiven Verwässerung. Damit wäre die Rückkaufsstory beendet.

DEBT SUMMARY FY2017

 

 

 

 

$ in millions

Rate

Q2

Q3

Q4E

ABL REVLOVER

2.75%

283

341

210

OTHER SECURED DEBT

4.00%

94

114

114

2ND LIEN TERM LOAN

9.50%

100

-

-

2019 CONVERTIBLE SENIOR NOTES

0.00%

350

350

350

2020 CONVERTIBLE SENIOR NOTES

0.00%

300

300

300

NOTES PAYABLE & CAPITAL LEASES

APX 5%

27

27

27

TOTAL DEBT

1.35%

1,154

1,131

1,000E

TOTAL NON-CONVERT DEBT

 

404

482

350E

CUMULATIVE FREE CASH FLOW

 

282

300E

430E

TOTAL DEBT/ADJUSTED EBITDA

 

6.5X

5.4X

4.2XE

Das Ganze ist relativ knapp kalkuliert, das heißt: Viel darf nicht schief gehen.

Bisher läuft es aber sogar noch besser als geplant. Gestern abend nach Handelsschluss meldete das an der New Yorker NYSE notierte Unternehmen die Zahlen fürs erste Fiskalquartal 2019 und vor allem der Ausblick hatte es in sich:

RH erwartet fürs Gesamtjahr Umsätze von 2,53 Milliarden US-Dollar bis 2,57 Milliarden US-Dollar was exakt den Prognosen entspricht. Aber der Gewinn je Aktie soll bei 6,34 bis 6,83 US-Dollar liegen ggü. den von Analysten im Konsens erwarteten 5,98 US-Dollar. Auch die Prognose fürs zweite Quartal lag über den Erwartungen.

Der Kommentar von Gary Friedman: "Wir haben im vergangenen Jahr daran gearbeitet, unser Distributionsnetzwerk von vier auf zwei Lager zu reduzieren und uns damit operativ zu verschlanken. Das hat uns signifkant effizienter gemacht."

Die Aktie legt heute vorbörslich um über 20 Prozent zu und dürfte ein klares neues Allzeit-Hoch erzielen (aktueller Kurs 143 US-Dollar; bisheriger Allzeit-Hoch 119,75 US-Dollar). Nach wie vor sind knapp 32 Prozent aller Aktien (über 6 Millionen) leerverkauft. Es könnte heute also zu einer Art Massenpanik bei den Shorties kommen.

Hier nochmal der Link zu meinem Video: https://www.youtube.com/watch?v=N_DI5uuhbJs

Erfolgreiche Trades wünscht euch

Euer Armin Brack

Wertpapier
RH


5 Kommentare

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Kommentare

Zitat von H2OAllergiker: Die geht so ab wegen der hohen Shortquote. Der Manager hats einfach drauf trotz hoher Verschuldung.


Ja, das ist eine hoch spannende Geschichte. Der Gag dabei ist ja, dass die Shortquote auch deshalb so hoch ist, weil soviele Aktien zurückgekauft und dann eingezogen wurden. D.h. damit die Shortquote steigt mussten gar nicht mehr Aktien geshortet werden. Die Zahl der ausstehenden Aktien ist von über 40 Millionen auf 21 Millionen gesunken. Die Zahl der frei handelbaren Aktien wurde künstlich extrem verknappt.

Aber die Kehrseite der Medaille ist halt, dass man sich durch die exzessiven Rückkäufe extrem verschuldet hat. Wenn Friedman nicht liefert kann das ganz schön in die Hose, wenn man nicht genug Cash erwirtschaftet, um die Schulden zu bedienen. Kritiker sprechen von "Financial Engineering".

Denn: Eigentlich, quasi lehrbuchmäßig, sind Rückkäufe ja dann gut und sinnvoll, wenn sie aus dem erwirtschafteten Cashflow finanziert werden.
Ja, könnte man schon probieren. Die Zahlen waren so gut nun auch nicht:
"RH erwartet fürs Gesamtjahr Umsätze von 2,53 Milliarden US-Dollar bis 2,57 Milliarden US-Dollar was exakt den Prognosen entspricht. Aber der Gewinn je Aktie soll bei 6,34 bis 6,83 US-Dollar liegen ggü. den von Analysten im Konsens erwarteten 5,98 US-Dollar."
Alles in allem gerade mal eine Anhebung um 10%, wenn man den Mittelwert der Prognose nimmt.

Und der Kommentar von Gary Friedman: "Wir haben im vergangenen Jahr daran gearbeitet, unser Distributionsnetzwerk von vier auf zwei Lager zu reduzieren und uns damit operativ zu verschlanken. Das hat uns signifkant effizienter gemacht." bzw. auch die nicht erhöhte Umsatzprognose, dass man vor allem effizienter geworden ist. Unendlich kann man da aber nicht an der Kostenschraube drehen. Irgendwann muss auch wieder Umsatzwachstum kommen.
Was ist da los?

Jetzt sogar die 160 US Dollar Marke "durchgezogen"!

Sollte man/Frau jetzt schon zum Shorten anfangen?

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13.08.18