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Sind nochmal 50 % Gewinn möglich? Kommt hier ein neuer Börsengang?

Gastautor: Volker Glaser
13.06.2018, 00:02  |  1005   |   |   

Vor exakt einem Jahr hatten wir Ihnen erstmals die Aktie des Münchner IT-Dienstleisters Allgeier zum Kauf empfohlen. Damals notierte die Aktie bei Kursen um 18 Euro. Inzwischen hat sich die Aktie um über 50 % auf über 27 Euro verteuert. Unser damaliges Fazit: „Würde Allgeier-Chef Carl Georg Dürschmidt endlich mehr Zeit in IR investieren, könnten Kurse von über 25 Euro drin sein – und bei veränderten Strukturen sogar mehr als 30 Euro.“ Mehr Zeit in Investor Relations-Arbeit hat Dürschmidt wahrlich nicht investiert. Als Allgeier im letzten Juni eine Kapitalerhöhung platziert hat, bewegte sich das Management mit offenem Klingelbeutel auf Roadshows. Kaum war der Klingelbeutel mit frischem Geld gefüllt, hat Allgeier seine aktive IR-Arbeit wieder massiv zurückgefahren. Nichtsdestotrotz konnte sich die Aktie von Allgeier positiv entwickeln. Im Vergleich zu Cancom, Bechtle, Datagroup oder S&T ist die gesamte Entwicklung aber recht dürftig. Das liegt unserer Meinung nach auch am Management. Die CEOs eben genannter Gesellschaften sind allesamt Vollprofis am Kapitalmarkt. Aber immerhin wertet Dürschmidt seine Zahlen für 2017 korrekt und bejubelt sich nicht selbst. „Das Jahr 2017 war für die Allgeier Gruppe (noch) kein Jahr des Erntens. Vielmehr haben wir in diesem Sinne hart gearbeitet und den Acker bestellt und ausgesät.“ Bei einem Umsatz von rund 582 Mio. Euro wurde lediglich ein mickriges Nettoergebnis von 4.5 Mio. Euro gezogen. Die bereinigte EBITDA-Marge lag bei 5 %. Das EBIT erreichte ein Niveau von 13.5 Mio. Euro. Ohne Kaufpreisallokationen und Einmaleffekte hätte sich das EBIT allerdings auf fast 21 Mio. Euro belaufen. Das Nettoergebnis wäre entsprechend besser ausgefallen. 

Im Jahr 2018 will der CEO aufs Gaspedal drücken und bei Umsatz und Gewinn deutlich wachsen. In diesem Jahr sollen die Einnahmen um 18 bis 23 % expandieren. Das würde einem Umsatz zwischen 685 und 715 Mio. Euro entsprechen. Die EBITDA-Marge soll sich zwischen 6 und 6.5 % bewegen. Das entspricht einem EBITDA von 41 bis 46 Mio. Euro. In der Prognose ist die Übernahme von Anecon Software, die der CEO Anfang Januar 2018 gekauft hat, bereits inkludiert. In der vergangenen Woche hat Dürschmidt erneut zugeschlagen. Gekauft wurde die amerikanische Objectiva Software Solutions. 2017 erzielten die Amerikaner einen Umsatz von 24 Mio. Dollar sowie eine operative EBITDA-Marge von rund 10 %. Mit dieser Übernahme müsste Allgeier die jeweils obere Bandbreite der Prognose erreichen, da dieser Zukauf in der damaligen Planung nicht berücksichtigt wurde. Dürschmidt hat den Zukauf über eine Ad-hoc Mitteilung kommuniziert, was die Bedeutung der Transaktion unterstreicht. Was den Aufsichtsratschef von Allgeier, Detlef Dinsel, dazu geritten hat, über die ihm nahestehende Nectorplan, ganz wenige Tage vor der Transaktion Aktien im Volumen von 270 000 Euro zu kaufen, wird wohl noch zu diskutieren sein. Ende Mai kaufte er übrigens Nectorplan-Aktien im Volumen rund 300 000 Euro.

Dürschmidt will durch Zukäufe weiter kräftig wachsen. Der Zukauf in den USA hat den Konzern nach eigenen Angaben einen zweistelligen Millionenbetrag gekostet. Per Ende 2017 lag die Nettoverschuldung bei über 55 Mio. Euro. Kauft der CEO nunmehr weiter zu, schließen wir eine weitere Kapitalerhöhung nicht vollständig aus. Aber Dürschmidt könnte das Kapital im Konzern noch viel besser allokieren. Allgeier notiert als Holding mit 3 Hauptsegmenten und erweckt in der IT-Welt eher den Eindruck eines Gemischtwarenladens. Eine Fokussierung dürfte nicht schaden. Wie aus Branchenkreisen zu hören ist, spielt Dürschmidt einen Börsengang des Segments Experts durch. Hierbei handelt es sich um flexible Personaldienstleistungen in Deutschland mit dem Fokus auf IT. Experts erzielte im letzten Jahr einen Umsatz von 258 Mio. Euro bei einem bereinigten EBITDA von 5.4 Mio. Euro. Alternativ zum IPO könnte ein Verkauf dieser Einheit von Interesse sein, hören wir. Das Segment Enterprise Services fokussiert sich auf die klassische IT bei Geschäftsprozessen. Hier wurden 2017 Einnahmen von über 100 Mio. Euro generiert bei einem bereinigten EBITDA von 7.8 Mio. Euro. Am meisten Freude hat Dürschmidt mit dem Bereich Technology. Hier ist das margenstarke Individual- Softwareentwicklungs-Geschäft angesiedelt mit den Perlen der mgm technology partners-Gruppe und der Nagarro-Gruppe. Vor allem Nagarro ist eine Cash-Maschine. Das Segment erwirtschaftete 2017 Umsätze von 224 Mio. Euro und ein bereinigtes EBITDA von 24.3 Mi. Euro. Das Segment zeigt starke Margen. In diesem Bereich will Allgeier in 2018 um 15 bis 20 % wachsen bei einer EBITDA-Marge in der Größenordnung von 10 bis 15 %. Die Margen im Bereich Enterprise Services sollen sich 2018 auf 7 bis 8 % belaufen und im Segment Experts auf 3.5 bis 4.5 %. Angesichts der lausigen Margen sollte sich Dürschmidt überlegen, ob er die Einheit nicht besser verkauft, statt sie an die Börse zu bringen. Auf eine margenschwache IT-Bude hat an der Börse keiner gewartet.

Gelingt es dem CEO, seinen Laden auf mehr Profit zu trimmen und professioneller an der Börse zu positionieren, sind nochmals 30 bis 50 % Kursgewinn auf Sicht von 18 Monaten drin. An schwachen Tagen raten wir erneut zum Kauf der Allgeier-Aktie.

www.vorstandswoche.de

 

 

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