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Blockchain & Bitcoin im Tourismus: Hoffnung oder Utopie

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Gastautor: Robby Schwertner
13.06.2018, 07:56  |  2200   |   

Booking.com und Checkfelix bald Geschichte? Krypto-Startups greifen die Reisegiganten an.

Blockchain -  viele sprechen drüber und doch herrscht noch Unklarheit. Was ist das für eine neue Technologie? Was kann sie und wo wird sie schon heute eingesetzt? Auf der Konferenz TourismFastForward 2018 im Alpendorf Mayrhofen, Tirol trafen sich diese Woche 150 Experten und diskutierten die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Tourismusbranche.

Die Blockchain-Technologie stand dabei als eine der Technologien - neben Künstlicher Intelligenz und Virtueller Realität - im Mittelpunkt. Blockchain wird mittlerweile von einigen Unternehmen in der Finanzindustrie und anderen Branchen getestet und teilweise schon im täglichen Geschäft angewendet. Wo die Reise hingeht, darüber sind sich die Experten allerdings noch nicht einig. Der Hype um Bitcoin und die Geschwindigkeit mit der sich Kryptowährungen verbreiten, hat bereits sichtbare globale Auswirkungen auf Wirtschaft, Staaten und Gesellschaft. Und es läßt sich erahnen, welche Folgen die zugrundeliegende Technologie - die Blockchain - in Zukunft haben kann.

Ob Hype oder Hoffnung, das war eine der Fragen auf der Konferenz um mögliche Auswirkungen auf die Tourismusindustrie zu betrachten. 

Was ist eine Blockchain?
Die Blockchain kann sich als ein digitales Kontobuch oder Kassabuch (englisch: ledger, deswegen auch Distributed Ledger Technology - DLT genannt) vorstellen. Findet eine Transaktion statt, werden die entsprechenden Transaktionsdaten auf der Blockchain in einem Block (im Kontobuch) registriert, verschlüsselt und an die Blockchain angehängt. Eine Besonderheit hierbei ist, dass das Kontobuch bzw. die Blockchain nicht auf einem Server liegt, sondern dezentral in einem Netzwerk von unzähligen Rechnern verteilt ist. Jeder dieser Rechner besitzt eine identische Version der Blockchain.

Revolutioniert die Blockchain die Tourismusbranche?
Bislang gibt es kaum realisierte Projekte und Geschäftsmodelle in der Reisebranche, die das Potential der Blockchain für den Tourismus belegen. 
 

Amadeus.com
Das spanische Blockchain Start-up Amadeus (www.amadeus.com) veröffentlichte Ende 2017 ein Whitepaper, in dem vier mögliche Anwendungsfälle für die Blockchain aufgeführt werden: Optimierung der Loyalitäts-Programme für Kunden, Echtzeittracking von Gepäck, Vereinfachung des Vertragswesens zwischen den Akteuren im Tourismus und die Verbesserung der Identitätsbestimmung einer Person während einer Reise. Amadeus bereits in der Entwicklung einer Blockchain-Anwendung für die Gepäcknachverfolgung stecken.

Avinoc.com - das Checkfelix der Zukunft? 
Das österreichisch-hongkonger Aviation-Startup plant eine Buchungsplattform auf Blockchain für die Optimierung von Leerflügen. Dabei wird zunächst ein Fokus auf Businessflüge gesetzt, danach visiert man die größeren Fluglinien an. Leerflüge zu reduzieren spart nicht nur Kosten, sondern schont auch das Klima. Das scheint auch in den Sozialen Netzwerken gut anzukommen, denn Avinoc hat auf Telegram, Facebook & Co schon mehr als 150.000 Fans. Und das, obwohl Gründer Robert Galovic und seine Crew erst vor wenigen Wochen startete. 

Auch die internationalen Beratungsprofis KPMG haben erkannt, dass Avinoc Potenzial hat. KPMG wurde als Partner gewonnen, ebenso wie der deutsche low cost carrier Eurowings.com, der sich Kosteneinsparung erwartet. Gründer Galovic teilte im Gespräch auch mit, dass Fluglinien aus dem Mittleren Osten schon Interesse an einer Zusammenarbeit bekunden. Und ich selbst, CryptoRobby unterstütze ebenfalls als Berater das Jungunternehmen, denn das ambitionierte Team mit Sitz Hongkong und Graz macht eben vieles richtig und könnte den Durchbruch schaffen im Kampf gegen die Reisegiganten. Der nächste Schritt ist ein Initial Coin Offering, das demnächst startet und mit dem die Programmierung der Plattform finanziert werden soll.

Winding Tree: Das nächste Booking.com?
Schon seit einiger Zeit schwirrt dieser Name durch die Tourismus- und Blockchain-Branche. Dahinter steckt eine als Stiftung in der Schweiz registrierte, dezentrale Datenbank, die auf der Blockchain-Technologie basiert und als B2B-Vertriebsnetzwerk für touristische Leistungen fungieren soll. Damit ist Winding Tree kein klassisches Unternehmen, sondern eine DAO (Decentralized Autonomous Organization) - eine sogenannte "denzentrale Organisation", die nur auf der Blockchain existiert. Alle Informationen, Prozesse und Entscheidungen werden dezentral bearbeitet. Selbst die Finanzierung einer DAO findet über die Blockchain mittels eigens erschaffener Kryptowährung statt, im Falle von Winding Tree nennt sich der Coin LIF.

Nach ausgiebiger Testphase soll mit Winding Tree ein dezentraler Marktplatz entstehen, auf dem Hotels, Fluggesellschaften oder Reiseveranstalter mit eigenen, blockchainbasierten Anwendungen direkt auf den Kunden treffen. Laut Gründer soll Winding Tree als Innovationsplattform für die Tourismusindustrie dienen, ohne nach Macht und Gewinnmaximierung zu streben. Damit setzt das Startup auf ein Geschäftsmodell, welches genau entgegengesetzt der großen Player wie Priceline/Booking.com, Expedia, Airbnb oder Sabre agieren würde.

Tatsächlich ist der Grundgedanke so interessant, dass Unternehmen wie Lufthansa, Air New Zealand, Nordic Choice Hotels oder der karibische Inselstaat Aruba sich dem Projekt angeschlossen haben. Die Partner hoffen darauf, so ihre Unabhängigkeit von den intermediären Plattformen (zurück) zu erlangen und ihre Angebote und Leistungen direkt dem Kunden anbieten zu können.

Wenn man sich allerdings näher mit Winding Tree beschäftigt, kommen auch Fragen auf: Was passiert, wenn plötzlich Kriminelle gefälschte Hotels auf den Marktplatz bringen? Führt die Transparenz der Blockchain dazu, dass ein Vertragspartner sehen kann, dass er mehr für den Kauf einer Leistung zahlen muss als ein Mitbewerber, auch wenn dieser anonym bleibt? Will man, dass alle Buchungen ewig auf der Blockchain liegen?

Reise-Gigant TUI 
Das Touristikunternehmen TUI hat offenbar die Zeichen der Zeit erkannt und setzt derzeit eine eigene interne Blockchain namens Bed Swap um, die die Auslastungssteuerung von Hotelbetten und länderübergreifende Transaktionsprozesse optimiert. Nach Aussagen von TUI-Boss Fritz Joussen bewährt sich das System, Kosten werden eingespart.

Eines ist sicher: Krypto-Unternehmen werden kommen und gehen, werden wachsen und wieder verschwinden. Aber die Blase der Blockchain wird nicht platzen. Wir werden Anwendungen im Tourismus sehen, die auch funktionieren! Und die Touristen selbst? Ihnen ist es wohl egal wo sie buchen, solange das Angebot passt und Qualität und Preis stimmen.

 
 
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