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Forex-Report Konjunkturelle Schwächesignale, Fed-Sitzung, anziehende Inflation

Gastautor: Folker Hellmeyer
13.06.2018, 09:51  |  685   |   |   

Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1752 (07:47 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.1733 im US-Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 110.57. In der Folge notiert EUR-JPY bei 129.95. EUR-CHF oszilliert bei 1.1602.

„Etwas“ wurde unterschrieben.

Nachdem gestern „Etwas“ in Singapur von Kim und Trump unterzeichnet, verbal hochgejubelt und dann an Märkten nur kurzzeitig diskontiert wurde, setzte im weiteren Verlauf Sachlichkeit ein. Politik ist die Kunst der Kommunikation miteinander. Empathie, bitte in angemessener Form (!), ist dafür elementar. Dieser Weg ist beschritten. Das ist gut. Das unterzeichnete Papier ist vage. Es ist nicht dezidiert. Es sind mehr Absichtserklärungen als Zusagen. Das ist eine Basis, die Zuversicht begründet. Mehr ist es nicht. Fakt ist, dass die Virulenz des geopolitischen Krisenherds Korea damit sportlich rückläufig ist. Das begrüßen wir.

WTO warnt!

In den letzten Wochen mehrten sich Anzeichen in diversen Sentiment-Indices, die eine Eintrübung der Wachstumsdynamik signalisierten. Das setzt sich zunehmend auch in harte Daten um.  Es sind unverändert politische Eskapaden, also exogene Einflüsse, die die endogen gegebenen Wirtschaftskräfte unterminieren.  Dazu hat sich die WTO geäußert. Roberto Azevedo, seines Zeichens Chef der WTO, erkennt erste Anzeichen einer weltwirtschaftlichen Abkühlung. Es bestehe Zurückhaltung bei Investitionen und Einkaufsverhalten. O-Ton: „Wenn es zu einer Eskalation im Handelsstreit kommt, droht ein weltweiter Abschwung.“ Unser O-Ton zu diesem Thema: Sollten die USA eine weitere Eskalation suchen, ist der Rest der Welt (85% des Welt-BIP) gefordert, eng zusammen zu stehen. Sonst drohte nicht nur ein Abschwung.

Die anstehende Sitzung des Offenmarktausschusses der Federal Reserve wirft ihre Schatten.

Wie wird man in diesem Gremium mit den fraglos guten US-Konjunkturdaten auf quantitativer Basis umgehen? 

Werden die Qualitätsmängel ((Öffentliche Defizite als Treiber neben historisch hoher Konsumverschuldung) angemessen berücksichtigt?

Wird erkannt, dass man das Wirtschaftsmodell, das zur Krise 2008/2009 führte in wesentlichen Teilen wiederholt hat?

Signalisiert dann die anziehende Preisinflation vor dem Hintergrund einer nicht selbsttragenden Expansion eher das Thema Stagflation?

Unsere Prognose: In der aktuellen US-Welt, die von Trump und ideologisch organisierten Neokonservativen bestimmt wird, sind kritische Untertöne qualitativer Natur nicht „en vogue“. Die erste Wahrnehmungsebene (= keine Abstraktion) bei den quantitativen Daten wird die Verbalakrobatik als auch die Handlungen bestimmen. Ergo:  Der „Spin“, den wir aus Washington erwarten dürfen, wird den USD unterstützen.

Von der Preisinflationsseite kamen gestern kritische Daten aus den USA.

Die Verbraucherpreise legten im Monatsvergleich um 0,2% zu. Im Jahresvergleich kam es zu einem Anstieg um 2,8% (Prognose 2,7%) nach zuvor 2,5%. Damit wurde das höchste Niveau seit Februar 2012 markiert. Die Kernrate stellte sich auf 2,2% nach zuvor 2,1%.

 

Federal Budget zunehmend kritisch!

Das Federal Budget lieferte uns gestern per Mai mit einem Defizit in Höhe von 147 Mrd. USD (Prognose 144 Mrd. USD) einen Beleg für die angeschlagenen öffentlichen US-Finanzen. Im Vorjahr lag das Defizit bei „nur“ 88 Mrd. USD! Welches Analyseoutlet außerhalb Bremens beschäftigt sich mit diesen elementaren Daten, die bezüglich der Nachhaltigkeitsanalyse unverzichtbar sind? „Food for thought!

ZEW-Index schwach!

Aus Deutschland erreichte uns die Veröffentlichung des ZEW-Geschäftsklimaindexes, der per Berichtsmonat Juni mit einem unerwartet starken Rückgang von -8,2 auf -16,1 Punkte einen markanten negativen Akzent setzte. Es wurde der tiefste Wert seit September 2012 markiert.

Auch der Lageindex sank stärker als unterstellt von 87,4 auf 80,6 Zähler (Prognose 85,0). Hier wurde der schwächste Wert seit August 2017 erreicht.

Bei dieser ZEW-Umfrage werden Teilnehmer des Finanzmarktes befragt. Sie sind notorisch nervös. Der IFO-Index sollte uns eine belastbarere Aussage hinsichtlich der Stimmungslage der Gesamtwirtschaft liefern. Fakt ist und bleibt: Die US-Politik ist ein markanter Risiko- und Belastungsfaktor!

 

Aktuell ergibt sich ein Szenario, das den EUR gegenüber dem USD favorisiert. Erst ein Unterschreiten des Unterstützungsniveaus bei 1.1490 - 20 neutralisiert den positiven Bias des Euros.

Viel Erfolg!

P.S.

Der Forex Report fällt sowohl am Donnerstag und Freitag aus.
Wir bitten um Ihr Verständnis.



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