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Schon über 40 und noch nichts gespart? So kann es trotzdem noch klappen, mit 1 Mio. € in die Rente zu gehen

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
14.06.2018, 08:00  |  662   |   |   

Mit 40 Jahren noch nichts auf der hohen Kante ist eher die Regel als die Ausnahme. Aber keine Sorge, gut betucht in die Rente zu gehen ist mit der richtigen Anlagestrategie selbst dann noch machbar, wenn du schon auf die 50 zugehst.

Die fragwürdigen Ratschläge der Anlageberater

„Je früher du mit dem Sparen anfängst, desto besser“, heißt es oft. Denn wenn die Zinseszinseffekte über einen besonders langen Zeitraum wirken, seien sie besonders effektiv. Das stimmt ja auch irgendwie und man kann es auch schön in einem steil nach oben gekrümmten Chart visualisieren — aber es widerspricht in vielen Fällen der Lebensrealität der Menschen.

Viele müssen sich in jungen Jahren mit schlecht bezahlten Jobs durchschlagen, dann kommen Kinder und die Einrichtung eines kompletten Haushalts. Man will die Welt entdecken, das gemeinsame Leben genießen und möglichst ein schönes eigenes Auto fahren. Hinzu kommen die üblen Rückschläge, die das Leben leider mit sich bringt, welche einen auch finanziell zurückwerfen können.

Statt mit einem prall gefüllten Sparstrumpf steht man dann in mittleren Jahren eher mit einem Schuldenloch da, das erst mal gestopft werden will.

Wäre die Situation besser, wenn man den Ratschlägen der Geldexperten gefolgt wäre? Wahrscheinlich nicht, denn dann wären die Verbindlichkeiten — bei gleichem Konsum — nur noch höher und Schuldzinsen sind teurer als Sparzinsen.

Außerdem entsteht aus den Miniraten, mit denen viele jungen Menschen in irgendwelche Fonds einbezahlen, eh nicht besonders viel. Aus 50 Euro pro Monat werden über einen Zeitraum von 15 Jahren gerade einmal 12.000 Euro bei einer typischen Verzinsung von 4 %. Das entspricht nur 1,2 % von der anvisierten Million. Kurzum: Du hast finanztechnisch nicht so viel verpasst und noch die besten Jahre vor dir!

Wie man den Hebel umlegt

Richtig ist aber sicherlich, dass man in seinen 40ern etwas Finanzwissen haben sollte. Wer schon frühzeitig erste Anlage- und Börsenerfahrungen gemacht hat, ist im Vorteil. Wenn du das Thema bisher hast schleifen lassen, wäre es jetzt an der Zeit, dich schlau zu machen. Man lernt auf diesem Gebiet zwar niemals aus, aber die Grundlagen lassen sich schnell erlernen.

Allerdings kann man kaum ans konsequente Sparen denken, solange noch Schulden abzubezahlen sind. Da gilt es, Schritt für Schritt alles vom Tisch zu bekommen, angefangen bei den teuren Dispo- und Kreditkartenzinsen sowie den Konsumdarlehen. Zuletzt kommen die günstigeren Auto- und Hypothekenkredite dran. Wenn du das schon geschafft hast: Glückwunsch! Wenn nicht: Gas geben!

Wie die Million zu schaffen ist

Nehmen wir also an, wir sind 45 Jahre alt, schuldenfrei und ohne Ersparnisse. Dann bleiben uns noch rund 20 Jahre bis zur Rente. Wie wir gleich sehen werden, kann das locker reichen, um auf die Million zu kommen. Nur die Sparrate darf dann natürlich nicht mehr aus Kleckerbeträgen bestehen.

Das Gute ist, dass in diesem Alter häufig der Höhepunkt der beruflichen Leistungsfähigkeit mit einer Reduzierung von großen Kostenblöcken wie Tilgung, Miete oder Kinderversorgung zusammenfällt. Eine vierstellige Sparrate wird dann für viele von uns realistisch, sodass die oben genannten 12.000 Euro schon innerhalb von einem Jahr aufgeholt werden können.

Aber selbst mit dreistelligen Beträgen kann die Million erreicht werden, wie die folgende Tabelle zeigt:

Sparrate/jährliche Rendite 4% 6% 8% 10% 12% 15% 17% 20%
322 € 118.101 € 148.777 € 189.665 € 244.517 € 318.540 € 482.111 € 642.280 € 1.001.308 €
500 € 183.387 € 231.020 € 294.510 € 379.684 € 494.628 € 748.620 € 997.329 € 1.554.826 €
750 € 275.081 € 346.531 € 441.765 € 569.527 € 741.942 € 1.122.930 € 1.495.994 € 2.332.239 €
1.000 € 366.775 € 462.041 € 589.020 € 759.369 € 989.255 € 1.497.239 € 1.994.659 € 3.109.652 €
1.250 € 458.468 € 577.551 € 736.276 € 949.211 € 1.236.569 € 1.871.549 € 2.493.324 € 3.887.065 €
1.500 € 550.162 € 693.061 € 883.531 € 1.139.053 € 1.483.883 € 2.245.859 € 2.991.988 € 4.664.478 €
1.750 € 641.856 € 808.572 € 1.030.786 € 1.328.895 € 1.731.197 € 2.620.169 € 3.490.653 € 5.441.891 €
2.000 € 733.549 € 924.082 € 1.178.041 € 1.518.738 € 1.978.511 € 2.994.479 € 3.989.318 € 6.219.304 €

Anmerkung: Tabelle erstellt vom Autor. Sie zeigt das nominale Vermögen nach 20 Jahren in Abhängigkeit von Rendite und monatlicher Sparrate, beginnend bei 0 €.

Schon 322 Euro pro Monat können genügen, wenn man eine Rendite von 20 % erzielt. Das ist natürlich ziemlich optimistisch, wenn man noch zusätzlich an die Steuern denkt, aber keineswegs unmöglich. Bei einer Rate von 500 Euro genügen schon 17 %, bei 1.000 Euro 12 % und bei 1.750 Euro relativ bescheidene 8 %.

Dabei gilt aber natürlich, dass du nicht in die gerne empfohlenen Mischfonds investieren darfst, die langfristig kaum mehr als die oben genannten 4 % erzielen (sonst wäre eine Sparrate von 2.750 Euro nötig!). Ein gut zusammengestelltes Depot mit aussichtsreichen Wachstumswerten und starken Dividendenzahlern sollte es schon sein. Derzeit zahlen viele Unternehmen eine Dividendenrendite von über 4 % bei steigender Tendenz und zusätzlich guten Chancen auf Kursgewinne. Über einen Zeitraum von 20 Jahren sind da durchschnittliche Renditen von 10 % realistisch, denke ich.

Es geht fast alles, wenn man will

Wer sich einen klaren Plan zurechtlegt, der kann über die zwei Jahrzehnte vor der Rente auch dann noch vermögend werden, wenn er heute weder Sparbuch noch Aktiendepot oder sonstige Rücklagen hat. Man muss sich einfach jetzt entscheiden, die richtigen Schritte zu machen und durch kluges Investieren die Rendite erhöhen.

Frappierend ist dabei, wie viel geringer die Sparrate (und wie viel höher der Konsum!) ausfallen kann, wenn man dabei erfolgreich ist und zweistellige Renditen erzielt.

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