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Vollgeld, Ursache und Wirkung, Zentralbanken, Teilreservesystem, Vollgeld-Initiative: Bekommt die Schweiz ein neues Geldsystem? – Teil I

Gastautor: Claudio Grass
18.06.2018, 10:07  |  2016   |   |   

Die Schweiz hat gegen das Vollgeld entschieden. Wer sich für die Hintergründe der Initiative interessiert, hier eine kurze Zusammenfassung. Über das Volksbegehren, das hauptsächlich die private Kreditschöpfung durch das Bankensystem (Teilreservesystem) unterbinden würde, soll die Schweizer Bevölkerung also am 10. Juni abstimmen. Sollte die Initiative angenommen werden, würde in der Verfassung verankert, dass alles Geld durch die Schweizer Nationalbank geschaffen werden muss. Dies bezeichnen die Initianten als „Vollgeldsystem“. Geschäftsbanken dürften dagegen kein Buchgeld (Forderung auf Bargeld) mehr schaffen. Sie müssten Kredite stattdessen durch Spareinlagen oder SNB-Darlehen zu 100% decken. Damit würde den Geschäftsbanken das Privileg, Geld aus dem Nichts zu schöpfen, entzogen und in den Händen der Schweizerischen Nationalbank zentralisiert. Die Geldmenge würde somit zu 100% von der SNB gesteuert.

Vor rund 3 ½ Jahren wurde ich zu einem Podiumsgespräch eingeladen, welches die Vollgeld-Initianten damals organisierten. Dieses fand einige Wochen vor der Abstimmung zur Goldinitiative in der Schweiz statt. Ich wurde damals angefragt, ob ich Lukas Reimann zusammen mit Luzi Stamm (beide gehörten zu den Hauptinitianten der Goldinitiative), in dieser Diskussionsrunde vertreten könne. Der Hauptgrund war, dass Lukas wusste, dass Gold für mich die härteste Währung der Geschichte ist und ich somit meine Gedanken aus monetärer Sicht einbringen könnte.

In der Zwischenzeit wurde die Goldinitiative von den Bürgern abgelehnt und nun steht die schweizerische Bevölkerung erneut vor einer weiteren Abstimmung, ob Sie das aktuelle Zentralbankensystem verändern will oder nicht.

Damals wie auch heute, war aus meiner Sicht der wichtigste Punkt, dass sowohl die Gold- als auch die Vollgeld-Initiative klare Zeichen sind, dass Teile der schweizerischen Bevölkerung unzufrieden sind mit dem heutigen Geldsystem, und deshalb nach neuen Ansätzen und Lösungen suchen. Grundsätzlich ist es eine sinnvolle Sache, dass wir hier in der Schweiz über unterschiedliche Geldsysteme diskutieren. Die Zeit somit nutzen, die Mechanismen und Schwerpunkte dahinter zu besprechen, mit dem Ziel, diese besser zu verstehen.

Um was geht es nun bei der Vollgeldinitiative?
Die Initianten wollen gemäß eigenen Aussagen „das heutige Geldsystem grundlegend verändern“. Es handle sich um einen radikalen Vorschlag, der die Banken in der Schweiz sicherer machen soll. In der Folge könnten Finanzkrisen verhindert und das Geld von Bankkunden besser geschützt werden, so das Initiativekomitee.

Über das Volksbegehren, das hauptsächlich die private Kreditschöpfung durch das Bankensystem (Teilreservesystem) unterbinden würde, soll die Schweizer Bevölkerung also am 10. Juni abstimmen. Sollte die Initiative angenommen werden, würde in der Verfassung verankert, dass alles Geld durch die Schweizer Nationalbank geschaffen werden muss. Dies bezeichnen die Initianten als „Vollgeldsystem“. Geschäftsbanken dürften dagegen kein Buchgeld (Forderung auf Bargeld) mehr schaffen. Sie müssten Kredite stattdessen durch Spareinlagen oder SNB-Darlehen zu 100% decken. Damit würde den Geschäftsbanken das Privileg, Geld aus dem Nichts zu schöpfen, entzogen und in den Händen der Schweizerischen Nationalbank zentralisiert. Die Geldmenge würde somit zu 100% von der SNB gesteuert.

Ein weiteres Schlagwort der Initianten ist es, dass die Nationalbank Schweizer Franken „schuldfrei“ in Umlauf bringt. Die Idee dahinter ist, dass auf einen Stichtag hin alles Buchgeld in Vollgeld umgewandelt wird. Damit würden Verbindlichkeiten der Banken gegenüber der Nationalbank in der gleichen Höhe begründet und diese Schulden müssten in einem bestimmten Zeitraum abgegolten werden. Diese Kredittilgung würde es der Nationalbank erlauben, entsprechend viel neues Geld zukünftig schuldenfrei an Bund, Kantone und Bevölkerung auszuzahlen. So zumindest interpretiere ich die Initianten. Wie auch immer, die Verschuldung der Bürger bliebe erhalten, nur die Eigentümerseite der Schulden würde von der Privatwirtschaft in öffentliche Hände wechseln. Dies wäre logischerweise ein weiterer Schritt in Richtung Verstaatlichung.


Wichtigste Veränderung gegenüber heute im Detail
Der wichtigste Punkt den die Organisatoren des Referendums vorgebracht haben ist, dass ihr Plan das Ende des Teilreserve-Bankings herbeiführen würde. Heute sind die Banken in der Eurozone dazu verpflichtet, Mindestreserven von nur 1% bei ihrer nationalen Zentralbank zu halten. In der Schweiz liegt der Mindestreservesatz mit 2.5% etwas höher. Die Mindestreserve wirkt sich unmittelbar auf die Liquiditätslage der Banken aus. Eine Erhöhung der Reservesätze entzieht den Kreditinstituten Liquidität, eine Senkung führt Liquidität hinzu. Es ist ein Fakt, dass die private Buchgeldschöpfung vonseiten der Banken gleichzeitig die Inflation befeuert. Dies lässt sich anhand eines vereinfachten Beispiels veranschaulichen: Wenn ein Kunde bei seiner Hausbank 1.000 Euro anlegt, kann die Hausbank zusammen mit anderen Geschäftsbanken, nachdem das Geld bei der Zentralbank als Mindestreserve hinterlegt wurde, nach bestehenden Regelungen zur Mindestreserve in der EU, daraus bis zu 100.000 Euro an neuen Krediten schöpfen und verleihen.

Wie man sieht, wirkt sich diese Methode der Kreditschöpfung selbstverständlich auf die Geldmenge aus. Eine Absenkung des Mindestreservesatzes, wie er im Jahre 2012 von 2% auf 1% vollzogen wurde, führt damit letzten Endes zu einer Ausweitung der Geldmenge mit dem Resultat einer steigenden Inflation. Wir alle kennen das Spiel „Monopoly“ und wissen auch was passiert, wenn derjenige, der die Bank übernimmt, jedem Teilnehmer anstelle von 100.000 Spielgeldeinheiten einfach 200.000 Einheiten zur Verfügung stellt. Fakt bleibt, dass die Zahl der Grundstücke und Häuser nach wie vor gleich begrenzt ist. Allerdings treiben die Spieler die Preise aufgrund der höheren Geldmenge automatisch in die Höhe. Diese Geldpolitik führt letztlich einzig zur Verwässerung/Abschwächung der Kaufkraft des Geldes und zur künstlichen Aufblähung von Finanz- und Vermögenswerten. Es ist eine versteckte Steuer, worüber sich der Großteil der Bevölkerung jedoch nicht bewusst ist. Dieses Privileg der Banken, ein von den Regierungen abgesegnetes Modell, ist äußerst attraktiv, da es mit der Möglichkeit verbunden ist, Geld quasi aus dem Nichts zu schöpfen und darauf Zinsen zu fordern.

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