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Notenbanken Kommt der „Draghi Crash“?

Gastautor: Markus Richert
19.06.2018, 10:26  |  3417   |   |   

Für Volkswirt und Bankenberater Markus Krall ist der Zusammenbruch des Europäischen Finanzsystems nur noch eine Frage der Zeit. Unter dem hoch provokanten Titel „Der Draghi Crash“ kritisiert er in seinem Buch die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank und skizziert die Folgen einer seiner Meinung nach völlig aus den Fugen geratenen Politik. Er warnt eindringlich vor einem Kollaps der europäischen Banken, die durch zunehmende Regulierung und Negativzinsen ausgehöhlt werden.

Vollgeld als Lösung?

Am letzten Wochenende hatten die Schweizer die Möglichkeit, durch einen radikalen Wechsel des Geldsystems einen eigenen Weg zu gehen. In einer Volksabstimmung wurde über den Wechsel zu einem Vollgeld abgestimmt. Zumindest bei der Wahl des Begriffes haben die Initiatoren der Abstimmung alles richtig gemacht. Vollgeld klingt solide, ähnlich wie „Vollgummireifen“ oder „Volljurist“ strahlt es Sicherheit und Kompetenz aus. Dabei ist die Idee gar nicht mal so neu. Bereits in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden durch bedeutende US-Ökonomen wie Irving Fisher oder Milton Friedman Aufsätze zu einem „100-Prozent-Geld“ veröffentlicht.

Für die Vollgeld Ideologen ist ein Wechsel des Geldsystems zwingend notwendig. Sie stützen sich dabei auf die Drei-Krisen-Theorie. Die erste Krise war die Bankenkrise. Durch eine ausufernde Kreditvergabe mussten die Banken durch die Staaten gerettet werden. In der zweiten Krise mussten dann die Staaten ihrerseits durch die EZB aufgefangen werden. Das war die Euro-Krise. Zwangsläufig, so die Folgerung der Initiatoren, wird die nächste Krise eine Ebene höher stattfinden, dann kommt die Krise des Geldes selbst. Dabei steht die Geldschöpfung im derzeitigen System im Mittelpunkt der Kritik.

Geld wird durch Kreditvergabe geschaffen

Spätestens seit 1971, als durch den damaligen US-Präsidenten Nixon der bis dahin geltende Goldstandard für den US-Dollar aufgehoben wurde, spricht man vom FIAT (Giralgeld/Buchgeld) Geldsystem. Der Name FIAT leitet sich dabei nicht von dem italienischen Autobauer oder dessen Qualität ab, sondern kommt aus dem lateinischen (fiat = es werde bereitet).

Statt FIAT Geld spricht man auch vom ungedeckten Geldsystem. Dabei wird Geld aus dem Nichts, durch Kreditvergabe in beliebiger Höhe, durch Banken neu geschaffen. Zunächst stellen Notenbanken der Finanzwirtschaft Geld (sogenanntes fiat-money als elektronisches Buchgeld oder über die Notenpresse) zur Verfügung. Durch die Weitergabe dieses Zentralbankgeldes durch die Geschäftsbanken an Unternehmen und Privathaushalte in Form von Krediten, wird das Geld dem realen Wirtschaftskreislauf zugeführt. Nun handelt es sich um Giralgeld bzw. Buchgeld. Dabei schaffen die Geschäftsbanken durch Kreditvergabe neues Geld.

Die “3-6-3-rule” der Banker

Denn für einen Kredit müssen Banken lediglich einen Mindestreservesatz in Höhe von aktuell nur noch einem Prozent bei der EZB hinterlegen. In konkreten Zahlen sieht das so aus. Wenn die Bank ein Darlehen in Höhe von beispielsweise 10.000 Euro gewährt, muss sie lediglich 100 Euro bei der EZB als Eigenkapital hinterlegen. Die Differenz ist neugeschöpftes Geld. Jeder Kredit an Endkunden erhöht dabei die Geldmenge, wird wieder angelegt, wieder ausgeliehen und beliebig oft recycelt. Folglich übersteigt die Giralgeldmenge die Zentralbankmenge um ein Vielfaches.

Ökonomen nennen den Prozess „multiple Geldschöpfung“. Die Bank hat jetzt noch das Privileg für das neu geschaffene Geld einen Zins zu verlangen. Für Geld das sie vorher gar nicht besessen hat, da es noch gar nicht existierte. Dieses Geschäft galt lange als relativ sicher und langweilig. Man witzelte früher über die “3-6-3-rule” der Banker: man verzinse Einlagen mit drei Prozent, verleihe das Geld zu sechs Prozent und sei um drei Uhr nachmittags auf dem Golfplatz.

Es ist letztlich ein Fehler im System, dass es nicht im Interesse der Banken sein kann, wenn Kredite schnell zurückgezahlt werden. Die Verschuldung und die daraus resultierenden Zinsen sind das Lebenselixier unseres Bankensystems. Die Bank ist immer auf der Suche nach neuen Schuldnern und produziert durch Kreditvergabe immer weiter neues Geld. Für die Kritiker muss dieses System irgendwann zwangsläufig in einer Katastrophe enden.

Schweizer lehnen das Vollgeld ab

Durch das Vollgeldsystem soll die Geldschöpfung der Geschäftsbanken aus dem Nichts unterbunden werden. Die Notenbank wäre die alleinige Quelle für neues Geld. Die Banken dürften nur noch so viel Geld als Kredit verleihen, wie sie selbst wirklich vorrätig hätten – entweder durch Bargeld oder durch Guthaben bei der Zentralbank. Damit wäre die Zentralbank die einzige Instanz, die wirklich neues Geld schöpfen und damit die Geldmenge erhöhen könnte.

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Wertpapier
EUR/USDEUR/CHF


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