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Infrastrukturen Schadstoffe in der Luft: Haben wirklich nur die Autos Schuld?

22.06.2018, 14:43  |  1613   |   |   

Bei den Straßen in Deutschland denkt man an Staus und Schlaglöcher. Viele halten die Straßen für dringend sanierungsbedürftig, damit noch mehr Waren transportiert werden können. Die FDP fragt sich jedoch, ob nicht die verwendeten Baumaterialien einen Einfluss auf die Schadstoffbelastung in der Luft haben könnten. 

In einer kleinen Anfrage vom 18. Mai 2018 (19/2231) erkundigte sich die FDP bei der Bundesregierung, inwieweit innovative Werkstoffe eine Rolle beim Ausbau und der Erneuerung der Verkehrsinfrastrukturen bilden. Hintergrund des Anliegens ist die Annahme, dass "diverse Neuentwicklung im Bereich der Werkstoffe für die Verkehrsinfrastrukturen bisher von der Debatte um das Erreichen von Schadstoffobergrenzen ausgeschlossen" sind.

Die Bundesregierung antwortet mit der Aussage: "Zu den Auswirkungen eines Einsatzes von schadstoffmindernden Baustoffen im Straßenverkehr zur Verbesserung von Schadstoffwerten in Städten liegen der Bundesregierung bisher keine hinreichenden Erkenntnisse vor." 

Der FDP geht es um innovative Werkstoffe im Straßenbau. Laut ihrer Recherche liegen wissenschaftliche Untersuchungsergebnisse vor, die belegen können, dass eine Verringerung von NOx zwischen 5 und 20 Prozent erzielt werden könne. Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) hat bislang ein Projekt angestoßen, dass sich mit der durch Licht ausgelösten chemischen Reaktion von Straßenbelag beschäftigt: TiO2 Pilotstudie Krohnstieg. Das Ergebnis der Forscher liegt bereits vor und bestätigt, dass unter Laborbedingungen nachgewiesen werden konnte, dass "Nanopartikel aus Titandioxid (TiO2) die Stickoxidkonzentrationen durch photokatalytische Reaktionen unter dem Einfluss des UV-Anteils der Sonnenstrahlung verringern können." Es besteht die Möglichkeit TiO2 als Suspension auf Oberflächen aufzutragen oder es direkt als Zusatzstoff während der Betonherstellung in den Zement beizugeben. Es ist geplant eine Pilotstrecke im Raum Hamburg mit Titandioxid zu versehen, um ihr das Minderungspotenzial in Bezug auf Stickoxide zu untersuchen. Somit wird deutlich, dass dieser Bereich noch in den Kinderschuhen steckt.

Bislang wird bei vielen Straßen eine Deckschicht aus Gussasphalt aufgebracht, die auch lärmtechnische Verbesserungen bringen. In der Vergangenheit wurden Straßen aus einer Mischung aus Straßenteer und Bitumen sowie anderen Bindemitteln errichtet - der Einsatz von Teer ist seit 1984 verboten, denn er wurde als krebserregend eingestuft. Heute besteht die Asphaltmischung aus Gesteinskörnungen und Bitumen. Bei Bitumen handelt es sich um ein Mineralöl, dessen Zustand von halbfest bis dünnflüssig variiert - je nach Temperatur, und hauptsächlich im Asphaltstraßenbau zum Einsatz kommt. 

Das Straßennetz enthält bundesweit etwa 1.000 Millionen Tonnen teer- oder pechhaltigen Asphalt, so der Bundesrechnungshof (Stand 2013). Jährlich werden in Deutschland circa zwei Millionen Tonnen teer- oder pechhaltiger Straßenaufbruch ausgebaut. Somit dürfte es noch Jahrzehnte dauern, bis unsere Straßen teerfrei sind.

Derzeit bestehen circa 95 Prozent aller Fahrbahndecken aus Asphalt - also Gesteinskörnungen mit Bitumen. Die Zustandsveränderung bei Bitum sorgt für eine Alterung. Besonders interessant ist der Verhalten gegenüber Ölen, Fetten und Benzin, denn es ist chemisch unbeständig. Somit kann es auf den Straßen zu Veränderungen des Materials kommen. Es wurde bislang nachgewiesen, dass die Arbeit mit Bitumen keinen Krebs auslösen, jedoch finden auf den Straßen chemische Prozesse statt, die bislang wenig erforscht sind.

In erster Linie geht es um die Abriebwirkung und die Entwicklung möglicher Gase durch die Reaktion von Bitumen mit Benzin oder Ölen auf den Straßen. Die in diesem Bereich bislang fehlenden Studien machen deutlich, dass das Thema Schadstoffbelastung nicht in allen Phasen gedacht wurde.

Quellen:

heute im bundestag Nr. 436, vom 21.06.2018

National Academy of Sciences

Bundesrechnungshof

ETHZ

  

 

 

 

Wertpapier
Benzin


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