DAX-0,98 % EUR/USD-0,09 % Gold+0,73 % Öl (Brent)0,00 %

Griechenland Heißer Schuldenstein statt sprudelnde Zinsquelle

22.06.2018, 16:04  |  2736   |   |   

Die Diskussion um 2,9 Milliarden Euro an Zinsgewinnen, die durch die Griechenland-Hilfskredite in deutsche Kassen fließen sollen, greift viel zu kurz. Es fehlt der Blick auf die immensen Risiken, die in den Griechenland-Krediten stecken. Am Ende einer seriösen Rechnung profitiert Deutschland keineswegs.

Schlagzeilen wie „Griechenhilfe ist bisher ein gutes Geschäft“ („Badische Zeitung“) und „Profiteur statt Zahlmeister Europas – Durch Zinsen: Deutschland macht 2,9 Milliarden Gewinn mit Griechenland-Hilfe“ (Focus Money online) sind Augenwischerei. Sie lenken davon ab, dass die enormen Risiken, die in den staatlichen Krediten an das Krisenland stecken, längst zur Belastung für europäische Kassen und damit für den deutschen Staatshaushalt geworden sind. Zu diesem Schluss kommt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank AG, in einem aktuellen Interview mit OVB online.

Krämer betrachtet Griechenland wie einen Restrukturierungsfall nach einem Teilkonkurs. Kein normaler Investor hätte dem Land zu so guten Konditionen Geld leihen können, wie es die europäische Staatengemeinschaft gemacht habe. Außerdem beginne Griechenland erst in 2020 mit der Rückzahlung der billigen Hilfskredite. „Noch stehen 15,2 Milliarden Euro im Feuer“, so Krämer.

Krämer weist auf den Punkt hin, der für jeden Kreditgeber am wichtigsten ist: Wer kommt im Zweifel für die Schulden auf, wenn sie nicht zurückgezahlt werden können? Demnach hafte Deutschland laut dem Commerzbank-Chefvolkswirt für knapp ein Drittel des ESM-Rettungsfonds. Dieser hat Griechenland 177,8 Milliarden Euro geliehen. 2,9 Milliarden Euro an Zinseinnahmen seit 2010 sind da für Deutschland nur ein Tropfen auf den heißen Schuldenstein.

Ein alarmierendes Signal kommt von den Kreditexperten des Internationalen Währungsfonds, der den Geldhahn für Griechenland zugedreht hat: „Wie hoch die Risiken sind, erkennt man auch daran, dass sich der Internationale Währungsfonds wegen der hohen Staatsverschuldung nicht mehr an dem dritten Hilfsprogramm für Griechenland beteiligt hat“, führt Krämer weiter aus.

Heute haben die EU-Finanzminister beschlossen, die jahrelangen Rettungsprogramme für Griechenland mit letzten Hilfen in Höhe von 15 Milliarden Euro abzuschließen. Die Zahlungen sollen von Schuldenerleichterungen wie Verlängerungen der Laufzeiten von älteren Krediten um zehn Jahre flankiert werden.

Quelle: OVB online

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Disclaimer

Weitere Nachrichten des Autors

Titel
Titel
Titel