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Marktkommentar: Yves Longchamp (ETHENEA):  Mutualismus: Enge Beziehungen wagen
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Marktkommentar Yves Longchamp (ETHENEA): Mutualismus: Enge Beziehungen wagen

Nachrichtenquelle: Asset Standard
26.06.2018, 11:15  |  686   |   |   

Die Welt hat sich in den vergangenen 15 Jahren stark verändert, die künftigen Antworten der Politik werden an die neue Situation angepasst.

Drei dieser Veränderungen sind die Revolution in der Informations- und Kommunikationstechnologie, die Erderwärmung und die globale Finanzkrise. Doch was könnten diese Veränderungen für politische Reaktionen bedeuten, die es beim nächsten Abschwung geben könnte? Könnten Geldpolitik und Zinssätze durch Fiskalpolitik und Wechselkurse ersetzt werden?


Ein griechischer Philosoph sagte vor etwa 2.500 Jahren: „Embrace change: it is the only constant in life.“ („Nimm die Veränderung an. Sie ist die einzige Konstante im Leben.“) Dieser Sinnspruch wurde in den ersten Jahren dieses Jahrhunderts bestätigt, als wir mit bedeutenden Veränderungen konfrontiert waren, die die Welt, wie wir sie kannten, unser Verhalten als Individuen und die Reaktionen von Zentralbanken und Regierungen auf negative Schocks grundlegend veränderten.


Die Folgen der Veränderungen

Die globale Finanzkrise (GFK) und das ungekannte Ausmaß und der beispiellose Umfang der geld- und fiskalpolitischen Reaktionen haben unser Verständnis davon, wie Volkswirtschaften funktionieren und welche Maßnahmen es braucht, um einen Abschwung abzuwenden, verändert. Angesichts der Tatsache, dass das Finanzsystem nach der GFK nicht zusammenbrach und die Weltwirtschaft einer zweiten Großen Depression entkam, können wir den Schluss ziehen, dass die Reaktionen angemessen und effektiv waren.

Um die Volkswirtschaften wieder auf Kurs zu bringen, waren geld- und fiskalpolitische Maßnahmen in großem Umfang erforderlich. Heute – Jahre nach dem Schock – verzeichnen Volkswirtschaften geringe bis moderate Wachstumsraten und profitieren immer noch von akkommodierenden geldpolitischen Bedingungen. Doch einige zentrale Annahmen und Überzeugungen dazu, wie Volkswirtschaften funktionieren, sind nicht mehr stichhaltig, was vermuten lässt, dass die Dinge sich grundlegend geändert haben. Das ist die neue Normalität. So wurde beispielsweise die Beziehung zwischen Produktionslücke und Inflation, die sogenannte Phillips-Kurve – die zentrale Annahme in der Geldpolitik – in Frage gestellt, was sich an der Tatsache festmachen lässt, dass in den USA trotz Vollbeschäftigung die Löhne nur moderat steigen.

Im Rahmen dieser neuen Normalität ist das Wachstum mäßig und die Produktivität gering, Inflation und Zinssätze sind niedrig, die Bilanzen der Zentralbanken sind umfangreich und die Staatsschulden sind erhöht. Im Mai begann für die US-Wirtschaft der 106. Monat mit Wachstum in Folge. Das ist die zweitlängste Wachstumsphase, die seit 1854 verzeichnet wurde (die längste dauerte 120 Monate). Wenngleich Konjunkturzyklen nicht alleine aufgrund ihres Alters enden, und der aktuelle durchaus den Langlebigkeitsrekord brechen könnte, halten wir es für angebracht uns vorzustellen, wie die nächsten politischen Reaktionen auf eine Rezession aussehen werden.

In einem Artikel des Wall Street Journal¹ vom April sendete Eric Rosengren, der Präsident der Boston Fed, ein Warnsignal. Seine zentrale Schlussfolgerung lautete im Wesentlichen, dass ein großer Teil der fiskalpolitischen Möglichkeiten mit dem Steueranreiz von Donald Trump bereits ausgeschöpft ist, was die Fähigkeit der Regierung einschränkt, Steuern zu senken oder öffentliche Ausgaben zu erhöhen, um eine Schwäche auszugleichen. Zudem argumentiert er, dass die Fed angesichts der Veränderungen in der Wirtschaft wahrscheinlich nicht in der Lage sein wird, die Zinssätze wie in der Vergangenheit anzuheben. Dementsprechend wird sie weniger Spielraum haben, sie zu senken, wenn dies erforderlich wird. In einem Interview Anfang dieses Jahres sagte Larry Summers, Universitätsprofessor und ehemaliger US-Finanzminister: „The next few years a recession will come and we will in a sense have already shot the monetary and fiscal policy cannons, and that suggests the next recession might be more protracted².“ („In den kommenden Jahren wird es eine Rezession geben, und wir haben unser geld- und fiskalpolitisches Pulver in einem gewissen Sinne schon verschossen, und das legt nahe, dass sich die nächste Rezession länger hinziehen könnte.“)

Während einer Rezession senkte die Fed ihre Zinsen üblicherweise um mehr als 5 %. Da die Federal Funds Rate zurzeit bei 1,75 % liegt und nach dem Dotplot der Fed langfristig voraussichtlich unter 3 % bleiben wird, wird sie zu niedrig sein, um die übliche Senkung von 5 % zu ermöglichen. Forward Guidance, quantitative Lockerung und weitere unkonventionelle Maßnahmen werden eine geringere Senkung ergänzen, was wir aber nicht für ausreichend halten, um den Konjunkturzyklus ausreichend zu glätten.

¹ „Fed‘s Rosengren Worried Fiscal Stimulus Won‘t Be There for Next Downturn“

² „Summers Warns Next U.S. Recession Could Outlast Previous One“

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